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       # taz.de -- Kolumne Fremd und befremdlich: Bessere Geschöpfe
       
       > Schweine stehen Hunden in nichts nach. Aber der Hund ist der König unter
       > den Tieren in der Menschenwelt. Nur so lässt sich die Online-Petition
       > „Lasst Chico leben! erklären.
       
   IMG Bild: Hundehalter sind Egoisten: Ihr Hund hilft ihnen, sich besser zu fühlen
       
       Unsere Familie hatte immer Hunde. Ich selber hatte einen Dackel und dann
       einen Jack Russel. Ich schätze die Anwesenheit von Hunden. Ich glaube
       durchaus an den therapeutischen Wert, sie lösen gute Gefühle in uns aus.
       Ich habe mich letztens mit einer Freundin unterhalten, die meinte, es wäre
       durch und durch egoistisch, sich in der Stadt einen Hund zu halten. Ich
       würde sagen, es ist auch durchaus egoistisch, einen Hund auf dem Lande zu
       halten.
       
       Es ist immer und in jedem Falle egoistisch, sich einen Hund zu halten. Wir
       tun dies ausschließlich zu unserem eigenen Wohlbefinden. Ich würde auch
       noch weiter gehen, ich bin davon überzeugt, dass auch kein Mensch aus
       altruistischen Gründen Kinder in die Welt setzt. Wir tun dies nur, weil wir
       diese Kinder oder Hunde „haben wollen“. Weil wir denken, dass wir uns damit
       besser fühlen, vollständiger, wir erhoffen uns Anerkennung und Liebe, wir
       erhoffen uns Stolz.
       
       Im Hinblick auf die Elternschaft, insbesondere der Mutterschaft, existiert
       da in der Gesellschaft ein völlig verklärtes Bild. Aber auch Hundefreunde,
       zu denen ich mich ausdrücklich zähle, halten sich für die besseren
       Menschen, weil sie ihre Fürsorge einem „unschuldigen“ Tier zukommen lassen. 
       
       Viele Hundefreunde halten Hunde für die besseren Geschöpfe, dankbar,
       hingebungsvoll, wie das eigene Gör nie in der Lage wäre zu sein. Aber wie
       das eigene Kind, so sollte auch der eigene Hund einer Erziehung unterworfen
       sein, weil er die an ihn gerichteten Erwartungen sonst enttäuschen und der
       erhoffte Stolz sich in Scham wandeln könnte. Dann heißt es, man hat in der
       Erziehung versagt.
       
       Ich muss gestehen, dass ich meine Hunde nicht besonders gut erzogen habe,
       insbesondere der kleine Jack Russell Terrier war ein angriffslustiger
       Kläffer, der mich nur einmal stolz gemacht hat, als er nämlich in
       Blitzesschnelle eine riesige Holsten-Brauerei-Ratte in meinem Garten
       mordete. Aber ich konnte froh sein, dass er so klein war, denn sonst hätte
       auch er vielleicht eine Gefahr für seine Umgebung bedeuten können.
       
       Zumindest in dieser Hinsicht bin ich mit meinen Hunden vernünftig gewesen,
       ich hätte mir nie einen Hund ausgesucht, dem ich nicht körperlich hätte
       überlegen sein können, den ich nicht mit meinen eigenen Händen davon hätte
       abhalten können, einen Menschen zu vaben meine Hunde nie jemanden.
       
       [1][Nun sind eben gerade zwei Menschen in der Nähe von Hannover von einem
       großen und starken Hund, einem Staffordshire-Mischling, totgebissen
       worden.] Der Hund wurde offenbar, und wie mehrfach vorher von kompetenten
       Menschen festgestellt, schlecht gehalten und war aufgrund einer falschen
       Erziehung zudem gefährlich, eine Hundetrainerin bezeichnete ihn als
       „Kampfmaschine“. Zwei Menschen sind jetzt tot. Man bedenke dies. Zwei
       Menschen sind durch diesen Hund ums Leben gekommen!
       
       Und da interessiert es die Leute in allererster Linie, was mit diesem
       unglücklichen Hund passiert. Es gab eine Online-Petition, die auch in
       meiner Facebook-Timeline aufgetaucht ist. Natürlich hat der Hund keine
       Schuld daran, dass er zu einer „Kampfmaschine“ gemacht wurde, ein Hund kann
       keine Schuld haben. Er ist ein Hund. Eben das unterscheidet ihn vom
       Menschen, seine Unverantwortlichkeit. Aber er ist nun mal jetzt diese
       „Kampfmaschine“.
       
       Wir haben Millionen Tiere in unseren Ställen, die kein Jahr leben dürfen,
       die noch in der Pubertät getötet werden, damit wir sie essen können. Oder
       unser Hund. Denn unser Hund isst Fleisch von Tieren, die getötet werden.
       Deren Leben liegt uns nicht so am Herzen, wie das unseres Hundes. Der Hund
       ist der König unter den Tieren in der Menschenwelt.
       
       Wie viele Tiere vertilgt so ein Staffordshire-Mischling im Laufe seines
       Lebens? Ein Hund ist ein Tier wie ein Schwein. Ein Schwein steht dem Hund
       in nichts nach. Es ist ebenso intelligent, lernfähig und zärtlich. Aber wir
       lieben es nicht. Wir lieben den Hund.
       
       11 Apr 2018
       
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