# taz.de -- Bedingungsloses Grundeinkommen: Keine Reform. Eine Revolution!
> Ein Grundeinkommen für alle wäre theoretisch finanzierbar. Doch es würde
> eine historisch beispiellose Umverteilung bedeuten.
IMG Bild: Geld für alle? Das wäre möglich, aber teuer
Was würde es kosten, wenn jeder Mensch ein Bedingungsloses Grundeinkommen
bekäme? Es gibt verschiedene Finanzmodelle; gut durchgerechnet ist die
Variante der „Bundesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen/ Die Linke“. Dort
soll jeder Erwachsene monatlich 1.080 Euro erhalten; für Jugendliche unter
16 Jahren wären es 540 Euro.
In der Summe würde dies rund 985 Milliarden Euro im Jahr kosten.
Gleichzeitig würden einige Sozialleistungen [1][überflüssig wie Hartz IV],
Kindergeld, Bafög oder das Wohngeld. Etwa 122 Milliarden Euro würden also
gespart, sodass das Grundeinkommen netto 863 Milliarden Euro im Jahr kosten
würde. Wo soll dieses Geld herkommen?
Der größte Topf wäre eine neu geschaffene „Grundeinkommensabgabe“ von 33,5
Prozent auf alle Einkommen. Außerdem gäbe es eine progressive
Einkommenssteuer zwischen 5 und 25 Prozent. Fabrik- und Immobilienbesitzer
würden zudem mit einer „Sachkapitalabgabe“ von 1,5 Prozent belastet, wenn
ihr Vermögen 75.000 Euro pro Kopf übersteigt. Auch Energie würde etwas
teurer.
Dies wäre jedoch nicht alles. Es fielen auch noch Sozialbeiträge für
Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung an. Die Gesamtbelastung von
Steuern und Versicherungen würde 50 Prozent bei kleinen Einkommen betragen
– und 70 Prozent oberhalb einer Schwelle von 5.401 Euro.
## Alle profitieren – nur die Reichen zahlen
Dennoch würden die meisten Menschen profitieren, denn sie erhielten ja auch
noch das Grundeinkommen, das von der Steuerbelastung wieder abgezogen wird.
In der Summe würde sich jeder Single besserstellen, der weniger als 7.000
Euro brutto im Monat verdient. Das ist die große Mehrheit der Bevölkerung.
Die Kernidee ist: Alle sollen profitieren – nur die Reichen zahlen. Wer als
Single eine Million Euro im Jahr verdient, würde am Ende nur noch knapp
328.000 Euro behalten. Zum Vergleich: Heute bleiben etwa 545.000 Euro netto
übrig, wie die BAG Grundeinkommen ausgerechnet hat.
Es wäre also keine Reform, sondern eine Revolution, wenn das Bedingungslose
Grundeinkommen eingeführt würde. Ronald Blaschke von der BAG Grundeinkommen
lässt sich davon nicht beirren: „1989 wurden doch auch Mauern in
Friedenszeiten niedergerissen.“ Ein zweites Beispiel sei „die Abschaltung
der AKWs: Das war ein radikaler Weg in die Energiewende.“
Jeder Mensch soll also die Wahl haben, berufstätig zu sein oder nicht.
Allerdings bleibt ein Paradox: Auch künftig müssten alle arbeiten, die
heute beschäftigt sind. Sonst entsteht die Wirtschaftsleistung nicht, die
per Grundeinkommen ausgeschüttet werden soll.
29 Mar 2018
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## AUTOREN
DIR Ulrike Herrmann
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