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       # taz.de -- Kolumne Jung und dumm: Haben Gefühle Schweigepflicht?
       
       > Überall geht es um Mitleid: in der Fußgängerzone, in der Politik. Aber
       > warum müssen wir dazu immer erst gezwungen werden?
       
   IMG Bild: Kevin Kühnert hat verloren. Und dann auch noch abgenommen
       
       Wenn ich mich nicht gerade darüber wundere, was alte, häufig bärtige Männer
       so alles in Magazine und Moderationstexte von „aspekte“ oder „Kulturzeit“
       hineinreihern dürfen, dann überprüfe ich voller Angst mein Gesicht auf
       Altersanzeichen (Plunderfalten, Tränensackausbeulungen, Wülste), liege
       blutend auf irgendwelchen Liegen oder beobachte die Greenpeace- und
       WWF-Anquatschjungs in der Fußgängerzone dabei, wie ältere Frauen sie
       zwingen, ihr Alter zu schätzen.
       
       Der Markt ist eben einfach das beste Allokationsmedium für die gar nicht so
       knappe Ressource „Mitleid“ oder „schlechtes Gewissen“. Kaum ein heiler
       Schritt durch die Fußgängerzone ist mehr möglich, ohne dass daran,
       werbepsychologisch optimiert, gerührt würde. Die Verdrängung geht einher
       mit der Wiederkehr des Verdrängten.
       
       Charity übernimmt freudestrahlend die Aufgaben, die eigentlich staatliche
       wären, [1][wie Arbeitslose nicht verhungern zu lassen], und ihre Träger
       können sich endlich auch wie gute Menschen fühlen, „geben“ der
       „Gesellschaft“ was „zurück“ (im Zweifel halt Essensreste). Gloria, Gnade.
       Die entstehende Sinnlücke muss, anders geht es nicht, durch den falschen –
       fremden – Nehmer gefüllt werden. Er kann jetzt gehasst werden.
       
       ## Mitleid mit Kevin Kühnert
       
       Mitleid haben muss man, außer mit mir, auch mit dem [2][armen Kevin
       Kühnert] und den 397.724.818 neuen SPD-Mitgliedern, die jetzt nie mehr da
       raus kommen, wenn nicht sogar langsam qualvoll sterben müssen. Verloren hat
       er, krachend, der Kühni, außerdem 15 Kilo abgenommen und wochenlang
       fiebernd im Bette gelegen, erfährt der geneigte Power-Empath [3][auf
       „Bento“ im Internet.] 
       
       [4][Gegen Andrea Nahles], die dröhnende Anführerin einer neoliberal
       renovierten „Ey-Du-Sozialdemokratie“ (Diederichsen), hatte er halt keine
       Chance. Wir danken ihm dennoch für sein süßes Gesicht und den endgültigen
       Beweis der Tatsache, dass die meisten Deutschen inzwischen nur noch über
       die Groko Zugang zur Außenwelt haben; sie ist das Erkenntnis- und
       Erfahrungsmedium schlechthin.
       
       Und sonst so? Kriegt man gerade „voll“ eine „gewischt“. Das zumindest
       verbreitet der Diplom-Geograph Matthias Habel, der seine Abschlussarbeit,
       so erfahren wir auf der Homepage von WetterOnline, zum Thema „Sommerliche
       Sturzfluten“ schrieb, in allerlei Medien. Wegen des trockenen Wetters
       bekomme man häufiger Stromschläge. Bis zu 35.000 Volt flössen da mitunter –
       aber keine Sorge, nicht lebensgefährlich!
       
       Die Experten für jene von ihm zur Herstellung besserer Leitfähigkeit der
       Haut empfohlenen Handcremes von Petra Online empfehlen ihrerseits
       Frischhaltefolie, mit welcher die eingecremten Hände zu bedecken seien.
       Leider konnte ich mit meinen eingecremten, eingewickelten Händen dann aber
       nicht mehr recherchieren, womit wiederum die Frischhaltefolie zu behandeln
       wäre, damit sie noch besser funktioniert. Bitte erlauben Sie mir, Ihnen das
       bei Gelegenheit nachzureichen. Es beginnt ja überdies auch der Frühling.
       
       7 Mar 2018
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Adrian Schulz
       
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