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       # taz.de -- Abschaffung des Paragrafen 219a: Alle schauen auf die FDP
       
       > Der Bundestag überlegt, die Strafen für ÄrztInnen, die über Abtreibungen
       > informieren, abzuschaffen. Das Zünglein an der Waage ist die FDP.
       
   IMG Bild: Für die SPD ist klar: Paragraf 219a muss gestrichen werden. Die FDP ist sich noch nicht sicher
       
       Zum ersten Mal diskutiert der Bundestag am 22. Februar über die Abschaffung
       des Paragrafen 219a, der das Werben für den Abbruch von Schwangerschaften
       verbietet. Ob es eine Mehrheit für die Abschaffung gibt, hängt momentan vor
       allem an der FDP: Während SPD, Grüne und Linksfraktion eine Aufhebung des
       Werbeverbots wollen und sich Union und AfD dagegen ausgesprochen haben, ist
       die FDP noch nicht entschieden – für eine Abschaffung bräuchte es aber die
       Stimmen der Fraktion.
       
       Um ihre Position zu klären, lädt die Fraktion deshalb für den 19. Februar,
       drei Tage vor der Lesung im Bundestag, zu einem Fachgespräch ein. Doch
       bereits im Vorfeld gibt es Kritik. UnterstützerInnen der Gießener Ärztin
       Kristina Hänel, die im November zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro
       verurteilt worden war, weil sie auf ihrer Webseite publik gemacht hatte,
       dass sie Abtreibungen durchführt, befürchten, dass das Gespräch einseitig
       verläuft. Die Gästeliste schließe die Position der BefürworterInnen einer
       Abschaffung aus, die FDP habe nur ExpertInnen eingeladen, die entweder die
       Beibehaltung des Paragrafen oder lediglich einen Kompromiss befürworteten.
       
       Sprechen sollen der Arzt Friedrich Stapf, Katharina Jestaedt vom
       Katholischen Büro der Deutschen Bischofskonferenz und die Juristin Elisa
       Hoven von der Uni Köln. Während Hoven für eine Kompromisslösung eintritt
       und Jestaedt wohl für die Erhaltung des Paragrafen, ist die Position von
       Stapf umstritten. „Wir haben ihn als jemanden eingeladen, der die Position
       der Abschaffung vertreten soll“, sagte der stellvertretende Fraktionschef
       der FDP, Stephan Thomae, der taz.
       
       Die ÄrztInnen aus dem UnterstützerInnen-Kreis jedoch, die mit Stapf in
       Kontakt sind, befürchten, dass der Arzt für den Kompromiss plädieren und
       deshalb die Position der KritikerInnen nicht gehört wird. „Wir halten es
       für Ihre Pflicht und Verantwortung, bei einer Anhörung Vertreter*innen der
       verschiedenen Standpunkte zu Wort kommen zu lassen“, heißt es in einem
       Brief, den die Initiative am Freitag an Thomae geschrieben hat. „Deshalb
       fordern wir Sie auf, zu der Anhörung auch Ärzt*innen einzuladen, die für
       die Abschaffung des Paragrafen 219a einstehen.“
       
       ## SPD will gegen die Union stimmen
       
       Ob es für die FDP in Betracht kommt, die Besetzung des Fachgesprächs zu
       erweitern, werde Anfang der Woche entschieden, sagte Thomae. Wie sich die
       FDP bei der ersten Debatte im Bundestag positionieren wird, will die
       Fraktion einen Tag nach dem Fachgespräch beraten.
       
       Auch Abgeordnete der FDP, unter anderem aus Hessen, haben sich schon für
       eine Streichung ausgesprochen. „Vielleicht gibt es eine Fraktionsmeinung,
       vielleicht gibt es keine“, sagte Thomae. Falls es keine gebe, bestehe immer
       noch die Möglichkeit, Gruppenanträge einzubringen und nicht per
       Fraktionszwang, sondern nach Gewissen zu entscheiden.
       
       Auch Eva Högl, stellvertretende Fraktionschefin der SPD, sagte, bei der
       Frage gehe es um eine Gewissensentscheidung. Diese Deklarierung als
       Gewissensentscheidung ermöglicht es der SPD überhaupt erst, bei einer
       Abstimmung Position gegen den eigenen Koalitionspartner zu beziehen. „Das
       ist keine Frage, die in der Koalition zu entscheiden ist“, sagte Högl. Dass
       das Thema nicht im gerade verhandelten Koalitionsvertrag auftauche, sei
       insofern geplant gewesen. Interfraktionelle Gespräche gebe es bereits seit
       einigen Wochen. „Die Position der SPD ist ganz klar: Abschaffung von 219a“,
       sagte Högl.
       
       Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin und Vize der Linksfraktion,
       befürchtet hingegen, dass es keine interfraktionelle Initiative zur
       Streichung mehr geben werde. „Die FDP arbeitet nach meinen Informationen
       eher an einem Gesetzentwurf, der den 219a ändert und nicht streicht“, sagte
       sie. Zwar werde die Linkspartei auch mitgehen, wenn letztlich nur eine
       Reform möglich sein sollte und zumindest die Kriminalisierung von ÄrztInnen
       beendet würde. Sie hoffe aber dennoch sehr auf eine Streichung. „Weil
       Schwangerschaftsabbrüche schlicht nichts im Strafgesetzbuch zu suchen
       haben.“
       
       Update 12.02., 17 Uhr: Wie die FDP-Fraktion mitteilte, lädt sie, wie von
       der UnterstützerInnen-Initiative vorgeschlagen, eine weitere Expertin zu
       ihrem Fachgespräch ein. Die Berliner Ärztin Christiane Tennhardt, die die
       Position der KritikerInnen des Paragraphen 219a vertritt, wird bei der
       Anhörung ebenfalls sprechen.
       
       12 Feb 2018
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Patricia Hecht
       
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