# taz.de -- Kolumne Gangneung Style: Raus aus der Sportvollzugsanstalt!
> Am Gyeongpo-Beach umweht den Olympia-Reisenden ein Hauch von Frühling.
> Aber warum nur will da kein Taxi hinfahren?
IMG Bild: Landeskunde via Windschutzscheibe: Mit dem Bus auf dem Weg zum Strand
Nach ein paar Tagen in der Sportvollzugsanstalt (SVA) will man raus. Raus
aus der Hochhaussiedlung mit seinen vielen 21-Geschossern, in denen ja
allein in Gangneung 6.000 Journalisten wohnen. Heraus aus den Sportstätten
mit der immer gleichen Aufmachung. Die Flucht gelingt mit dem Bus TC 3, TC
wie Transport Clients. Ich fahre zum Bahnhof von Gangneung, und von dort
soll es mit dem Taxi weitergehen zum Strand. Das ist der Plan, und ich
denke, das ist ein guter Plan.
Ein Taxi mit grünem Schild auf dem Dach nähert sich. Ich winke es heran,
steige neben dem Fahrer ein. Ein älterer Herr nickt mir zu. Ich krame
meinen Stadtplan heraus, zeige, wo ich hinwill. Der Taxifahrer schaut sich
den Plan an. Zögert. Sagt etwas, was ich nicht verstehe. Ich muss gestehen,
dass ich nur ein einziges koreanisches Wort kann. Ne. Das heißt Ja. Nee,
ne.
Widerwillen macht sich auf dem Gesicht des alten Taxlers breit. Ich nenne
zur Sicherheit den Namen des Strandes: Gyeongpo. Aber das bringt nicht
viel. Der Taxler schüttelt den Kopf, macht eine abwehrende Handbewegung und
redet auf mich ein. Es ist klar: Dieser Taxler wird mich nicht an den
Strand bringen. Aber warum? Was bringt ihn dazu, mich rauszuschmeißen? Ich
bin ratlos. Gut, auf dem Stadtplan stehen keine koreanischen
Schriftzeichen, aber das sollte doch wurscht sein.
## Der Bus ist die Lösung
Keine fünf Minuten später sitze ich in einem anderen Taxi. Die Szene von
eben wiederholt sich. Es wirkt wie eine Parodie auf den misslingenden
Versuch, Taxi zu fahren. Auch dieser alte Mann will nicht mit mir zum
Strand fahren. Was mache ich falsch? Ich gebe auf. Also zurück in die SVA.
Aber wie? Wird mich ein Taxler ins Mediendorf bringen? Leichte Panik steigt
in mir auf, ich fühle mich lost-in-translation-mäßig. Am Bahnhof finde ich
dann einen Bus, der mich aufliest.
Der Bus ist überhaupt die Lösung. Es gibt nämlich die Linie TM 41, die zu
einem Medienhotel am Strand fährt. Da hätte ich auch früher drauf kommen
können. Ist halt doch besser, wenn man als Olympia-Insasse auf die
SVA-Angebote zurückgreift und nicht zum Individualtouristen mutiert.
Am Gyeongpo-Beach ist der Frühling fast schon greifbar. Die Pinien wiegen
sich am Board Walk im Wind. In den Aquarien der vielen Fischrestaurants
blubbern Krabben, Muscheln und Fische ihrem baldigen Ende entgegen.
Koreaner fotografieren sich vor den olympischen Ringen. Gleich dahinter
steht ein großer Totenkopf aus Stroh. Diese Symbolik passt ganz gut zu den
Olympischen Spielen.
14 Feb 2018
## AUTOREN
DIR Markus Völker
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