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       # taz.de -- Kommentar Sondierung und Agrarziele: Alles und nichts
       
       > Die bislang bekannten Vereinbarungen zu den Bereichen Landwirtschaft und
       > Tierschutz sind enttäuschend und vor allem sehr vage formuliert.
       
   IMG Bild: Ein Landwirt im Juli 2017 in der Nähe von Hildesheim bei der Getreideernte
       
       Da müssen Union und SPD aber noch nachlegen, wenn sie wirklich das
       Artensterben und die Tierquälerei in deutschen Ställen stoppen wollen. Die
       bisherigen Vereinbarungen der Möchte-Gern-Koalitionäre in Sachen
       Landwirtschaft bringen kaum Fortschritt.
       
       Den Einsatz des umstrittenen Pestizids Glyphosat wollen sie „deutlich“
       einschränken, um ihn „so schnell wie möglich grundsätzlich“ zu beenden,
       heißt es in dem Einigungspapier. Das kann alles und nichts heißen. Union
       und SPD verschweigen, wie stark genau sie den Giftverbrauch reduzieren
       wollen und bis wann er auf Null sinken soll. Und was soll das
       „grundsätzlich“ hier? Das könnte am Ende dazu führen, dass Glyphosat doch
       weiter in großen Mengen in die Umwelt kommt.
       
       Das ist auch wahrscheinlich. Denn die Union ist der größere Partner in der
       geplanten Koalition. CDU/CSU wollen, dass die Bauern weiter Glyphosat
       spritzen können. Nur den paar Privathaushalten, die einen verschwindend
       geringen Anteil am Glyphosatverbrauch haben, wollen sie das Gift verbieten.
       Und Landwirtschaft ist wohl nicht so wichtig für die SPD, dass sie daran
       eine Koalition scheitern lassen würde.
       
       Ähnlich vage ist die Passage zur künftigen Verteilung der
       Agrarsubventionen. Tier-, Natur- und Klimaschutz wollen die Koalitionäre in
       spe fördern. Die Parteien sagen noch nicht einmal, dass sie mehr Geld für
       diese Ziele aufwenden wollen.
       
       Enttäuschend ist auch der Kompromiss zum Tierschutz. Union und SPD wollen
       ein weiteres freiwilliges Siegel für Fleisch aus besseren
       Haltungsbedingungen einführen. Das werden die Unternehmen nur auf einen
       kleinen Teil ihrer Produkte kleben. Die meisten Tiere werden weiter so
       miserabel leben wie bisher. Das wird sich erst dann ändern, wenn eine
       obligatorische Kennzeichnung die Ware aus schlechten Haltungsbedingungen
       brandmarkt.
       
       All das hatten SPD-Agrarpolitiker vor den Sondierungsgesprächen gefordert.
       Aber offensichtlich haben sie in ihrer Partei wenig zu melden.
       
       11 Jan 2018
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jost Maurin
       
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