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       # taz.de -- Drohbriefe von der Berliner Polizei?: Linke im Visier
       
       > Autonome haben Briefe mit der Drohung erhalten, ihre Adressen und Fotos
       > an Nazis weiterzureichen. Sie vermuten Polizisten hinter der Aktion.
       
   IMG Bild: Kommen sich manchmal zu nahe: Die Polizei und das linke Hausprojekt Rigaer94 in Berlin-Friedrichshain
       
       Versuchen Berliner Polizisten, Mitglieder der linken Szene zu bedrohen und
       zu erpressen? So lautet der Vorwurf, den mehrere anonyme Autoren [1][auf
       dem Internetportal Indymedia veröffentlicht] haben. Hintergrund sind
       Briefe, in denen laut dem Indymedia-Text die Namen sowie teilweise Adressen
       und Fotos von 42 vermeintlichen Autonomen in Berlin genannt werden –
       verbunden mit der Drohung, diese an die Polizei oder Rechtsextreme weiter
       zu leiten.
       
       Die neunseitigen Briefe seien kurz vor Weihnachten „in verschiedenen
       Lokalitäten, die in Veröffentlichungen von Behörden als
       ‚linksextremistische Treffpunkte‘ bezeichnet werden“, eingegangen,
       schreiben die Autoren, die sich selbst als „einige Betroffene des
       Drohbriefs“ bezeichnen.
       
       Von 18 Personen seien Fotos beigefügt aus erkennungsdienstlichen
       Behandlungen des Berliner Landeskriminalamts (LKA) oder aus
       Personalausweisen. Die Schlussfolgerung der Autoren: „Wir sind sicher, dass
       das Schreiben von der Berliner Polizei erstellt und verschickt wurde, da
       niemand sonst Zugang zu entsprechenden Fotos […] haben dürfte.“
       
       Die Briefe werden kommenden Montag Thema im Innenausschuss des
       Abgeordnetenhauses sein. Die Linksfraktion hat das Thema als besonderes
       Vorkommnis auf die Tagesordnung setzen lassen, sagte deren innenpolitischer
       Sprecher Hakan Taş am Dienstag der taz. „Wir müssen klären, wie diese Daten
       in die Öffentlichkeit hineingetragen werden konnten und wer davon Kenntnis
       hat.“ Er forderte die Behörden auf zu ermitteln. „Ein solches Vorgehen darf
       nicht hingenommen werden“, betonte Taş.
       
       Bisher ist allerdings nicht viel passiert. „Die Thematik ist bekannt.
       Derzeit werden die Umstände dazu geprüft“, heißt es knapp aus der
       Verwaltung von Innensenator Andreas Geisel (SPD). Noch zurückhaltender
       äußert sich die Berliner Polizei. Von dem Vorfall wisse man nur durch die
       Darstellung auf Indymedia, teilte ein Sprecher mit. „Uns liegen keine
       Originale des Briefs vor, deswegen können wir den Inhalt auch nicht
       bewerten“, so der Sprecher weiter. Niemand habe bisher Anzeige erstattet.
       
       Zumindest die Autoren des Indymedia-Beitrags wollen das auch nicht tun:
       „Wir protestieren ausdrücklich nicht gegen diese Form der staatlichen
       Repression, weil Protest eine Instanz voraussetzt, die als Korrektiv von
       uns anerkannt würde.“
       
       Sie sehen in dem Schreiben, versandt von einem „Zentrum für politische
       Korrektheit“ mit einer falschen Berliner Adresse, eine Revanche der Polizei
       für die [2][Veröffentlichung eines Fahndungsaufrufs] des linken
       Hausprojekts Rigaer94 im Dezember. Dabei wurden Fotos von rund 50
       PolizistInnen veröffentlicht, die am Einsatz in dem Hausprojekt im Sommer
       2016 beteiligt gewesen waren.
       
       Darauf weisen Inhalte des Briefs hin, dessen Original in Teilen auf der
       Indymedia-Seite zu sehen ist: „Wir haben Euren Fahndungsaufruf sehr
       Aufmerksam verfolgt“ [Fehler im Original]. Und weiter: „Also machen wir
       auch einfach einen Fahndungsaufruf, den wir an beliebige Stellen
       verschicken wollen.“ An anderer Stelle heißt es: „Ihr nervt einen ganzen
       Kiez mit Eurer Anwesenheit“, was sich offenbar auf die Gegend rund um die
       Rigaer Straße bezieht. Die Drohung, die Daten und Adressen an die Polizei
       weiterzuleiten, halten die Autoren für einen Bluff, um von den
       tatsächlichen Urhebern abzulenken.
       
       Ob es sich dabei tatsächlich um Berliner Polizisten handelt, darüber könne
       man „momentan nur spekulieren“, sagte Benedikt Lux, innenpolitischer
       Sprecher der Grünen, zur taz. Er könne eigentlich garantieren, dass die
       Briefe nicht von „der“ Polizei kommen“, so Lux weiter. „Ich kann aber nicht
       ausschließen, dass es ein Leck bei der Polizei gibt.“ Es sei nun auch
       Aufgabe der Politik, das aufzuklären. Würde es sich aber wirklich um eine
       Revanche handeln, wäre das ein „brisanter Vorgang“, der eine
       „Eskalationsspirale“ in Gang setzen könnte.
       
       2 Jan 2018
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://de.indymedia.org/node/16467
   DIR [2] /Ermittlungen-um-G20-Proteste/!5468247
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bert Schulz
       
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