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       # taz.de -- Opposition in der Ukraine: Saakaschwili tritt in den Hungerstreik
       
       > Der ehemalige Gouverneur von Odessa wird erneut festgenommen und kommt in
       > U-Haft. Seine Anhänger protestieren vor dem Gefängnis.
       
   IMG Bild: Kundgebung für Michail Saakaschwili am Sonntag in Kiew
       
       Berlin taz | Unter Rufen wie „Mischa in die Freiheit, Poroschenko in den
       Knast“ und „Schande!“ sind am Sonntagnachmittag Hunderte Teilnehmer des
       Marsches für ein Impeachment zu dem Untersuchungsgefängnis am Slava-Platz
       in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gezogen.
       
       Dort sitzt Michail Saakaschwili, ehemaliger Präsident Georgiens und
       Gouverneur von Odessa, derzeit Vorsitzender der ukrainischen
       Oppositionsbewegung Bewegung neuer Kräfte, nach einer erneuten Festnahme in
       der Nacht zu Samstag ein.
       
       Zum ersten Mal war er am 5. Dezember festgenommen, dann aber von seinen
       Anhängern befreit worden. Derzeit wartet Saakaschwili auf einen
       Haftprüfungstermin. Vom Untersuchungsgefängnis aus erklärte er einen
       unbefristeten Hungerstreik.
       
       Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft wirft dem Politiker vor, seine
       jüngsten Protestaktionen mit Geldern in Höhe von einer halben Million
       Dollar des nach Russland geflohenen ukrainischen Oligarchen Sergej
       Kurtschenko finanziert zu haben.
       
       ## Sturz der Staatsmacht
       
       Dieser habe mit dem russischen Geheimdienst FSB durch die Finanzierung der
       Protestaktionen in Kiew die Situation destabilisieren und die Staatsmacht
       stürzen wollen. Bei einer Verurteilung drohen Saakaschwili mehrere Jahre
       Haft.
       
       Beobachter schließen aber auch eine Auslieferung Saakaschwilis in dessen
       georgische Heimat nicht aus. Ende Oktober hatte die georgische
       Justizministerin Tea Zulukiani, so das ukrainische Internetportal
       goronua.com gesagt, dass der georgische Auslieferungsantrag an die Ukraine
       weiter Bestand habe.
       
       In Georgien will man dem Expräsidenten wegen Missbrauchs seiner
       Amtsvollmachten und der gewaltsamen Auflösung einer Demonstration der
       Opposition 2007 den Prozess machen.
       
       Vorausgegangen war der zweiten Verhaftung von Saakaschwili eine
       vorübergehende Festnahme von Polizeioberst Juri Pokinboroda. Er hatte
       Saakaschwili während der Proteste immer wieder Unterschlupf in seiner
       Wohnung angeboten. Dies war den Sicherheitskräften offensichtlich nicht
       entgangen.
       
       ## Kleidung und Medikamente
       
       Am späten Freitagabend nahmen sie Pokinboroda vorläufig fest und suchten
       mit diesem dessen Wohnung auf. Dort fanden sie Saakaschwili vor, den sie
       nach einer Hausdurchsuchung festnahmen. Pokinboroda wurde wieder
       freigelassen.
       
       Sofort nach Bekanntwerden der erneuten Verhaftung von Saakaschwili
       versammelten sich 300 Unterstützer des Politikers vor dem
       Untersuchungsgefängnis. Einige brachten ihm Kleidung, Lebensmittel,
       Schreibwaren und Medikamente.
       
       Wenig später konnten Saakaschwilis Anwälte ihren Mandanten besuchen. Dessen
       Gesundheitszustand sei insgesamt zufriedenstellend, berichteten sie.
       Gleichzeitig übermittelten die Anwälte den wartenden Aktivisten die Bitte
       des Oppositionsführers, wie geplant zu der für Sonntag um 12 Uhr
       angekündigten Protestkundgebung zu kommen.
       
       Beobachter schließen jedoch nicht aus, dass Saakaschwili nicht lange in
       U-Haft bleiben wird. Die Generalstaatsanwaltschaft, so das ukrainische
       Internetportal kp.ua, werde für Saakaschwili Hausarrest beantragen.
       
       ## Grenze der Legitimität
       
       Politiker unterschiedlicher Couleur kritisierten die erneute Verhaftung von
       Saakaschwili. „Der Prozess ist ein Lackmustest für die Post-Maidan-Ukraine“
       schrieb der Abgeordnete des Blockes Petro Poroschenko, Mustafa Najem, auf
       seiner Facebook-Seite. Sollte die Staatsmacht einen Prozess gegen
       Saaksaschwili zu einer Abrechnung mit dem Politiker machen, sei sie an der
       Grenze ihrer Legitimität angelangt.
       
       „Herr Präsident“ wandte sich die Vorsitzende der Vaterlands-Partei, Julia
       Timoschenko, an Poroschenko. „In den vier Jahren Ihrer Regierungszeit haben
       Sie es geschafft, gleichzeitig Präsident, Staatsanwalt, Parlament,
       Regierung, Gericht und Chefproduzent aller Fernsehkanäle zu sein“.
       Saakaschwili, so Timoschenko, müsse umgehend freigelassen werden.
       
       10 Dec 2017
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bernhard Clasen
       
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