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       # taz.de -- Keine artgerechte Haltung: Auswüchse des Systems
       
       > Die Tierrechtsorganisation Peta hat einen Landwirt aus Melle angezeigt.
       > Kranke Tiere sollen unbehandelt geblieben sein.
       
   IMG Bild: Armes Schwein: Eigentum eines Halters, der es nicht für notwendig hält, kranke Tiere zu behandeln
       
       HANNOVER taz | Die Ente flattert heftig mit den Flügeln. Ein Mann hält sie
       am Hals fest und schneidet ihr die Kehle durch – ohne die vorgeschriebene
       Betäubung. Danach landet das Tier im Mülleimer. Laut der
       Tierrechtsorganisation Peta sollen diese Aufnahmen von einem
       landwirtschaftlichen Betrieb in Melle bei Osnabrück stammen. [1][Es gibt
       mehrere Szenen in dem Video], die diese Art der Tötung zeigen. Peta hat
       Anzeige gegen den Halter erstattet.
       
       „Das sind vollkommen beratungsresistente Leute, die systematisch ihre Tiere
       quälen“, sagt Peta-Sprecher Edmund Haferbeck. Schon 2012 hatte Peta den
       Landwirt wegen Tierschutzverstößen angezeigt. Die Folge war ein Bußgeld.
       „Die Tierhaltung hat sich nicht geändert“, sagt Haferbeck über den Betrieb,
       in dem laut dem Veterinäramt in Osnabrück je nach Mastzyklus rund 770
       Schweine und 14.000 Enten leben.
       
       Die aktuellen Videoaufnahmen zeigen weitere Missstände. Einige Enten sind
       so geschwächt, dass sie auf dem Rücken liegen und nicht allein wieder
       aufstehen können. Im Schweinestall haben viele Tiere Verletzungen. Ein
       Schwein hat einen handballgroßen eitrigen Abszess am Hals, der Schwanz
       eines anderen ist bis auf den Stumpf abgebissen. Die Tiere sind trotzdem
       mit anderen Schweinen in einem Gehege, statt sich in einer Krankenbucht zu
       erholen.
       
       „Es gab fast keine Beschäftigungsmaterialien für die Tiere“, sagt
       Haferbeck. Nicht einmal an die seiner Meinung nach zu laschen
       Tierschutzgesetze halte sich der Landwirt aus Melle.
       
       Der Vorsitzende der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, Thomas
       Blaha, kritisiert die Vorgehensweise von Peta. Statt in die Ställe
       einzubrechen, sollten die Tierschützer bei einem Verdacht lieber das
       Veterinäramt informieren, sagt er. Bei der Analyse des Videomaterials kommt
       der Tierarzt jedoch zum gleichen Schluss wie Peta: „Das ist eine hochgradig
       mangelhafte Tierbetreuung.“ Ein Landwirt müsse zweimal am Tag durch seinen
       Stall gehen und schwache oder kranke Tiere separieren.
       
       „Wieso ist ein solches Tier mit einem solchen Abszess noch bei den anderen
       Tieren in der Bucht und offensichtlich nicht behandelt worden?“, fragt
       Blaha, als er das Schwein mit dem Abszess im Video sieht. „Das ist die
       eigentliche Tierschutzwidrigkeit.“
       
       Der Entenstall sehe nach Betrachtung der Bilder und des Videos hingegen
       „ganz in Ordnung aus“. Dort ist zu sehen, dass der Boden mit Stroh
       ausgelegt ist. Und auch das Bild des rund zu einem Drittel mit toten Enten
       gefüllten Mülleimers weise nicht unbedingt auf einen Missstand hin: „Was da
       drin liegt, ist für einen Bestand dieser Größe normal“, sagt er.
       
       Dennoch hätten laut dem Tierarzt die schwachen Pekingenten vom Landwirt
       herausgenommen werden müssen, um ihre Mangelernährung zu behandeln.
       
       Der landwirtschaftliche Betrieb ist dem Veterinäramt Osnabrück lange
       bekannt. Der Landkreis stuft den Betrieb als „verstärkt zu überwachende
       Haltung“ ein. Seit 2012 sind den Veterinären bei insgesamt 21 teils
       unangekündigten Kontrollen verschiedene Mängel aufgefallen. Es fehlten
       Trinkwasserzugänge, kranke Tiere wurden nicht ausreichend versorgt, und es
       gab Probleme mit der Einstreu. Der Landwirt, der für diesen Artikel
       telefonisch nicht zu erreichen war, verbesserte einiges, aber nicht genug.
       Die Behörde verhängte auch 2015 ein Bußgeld gegen ihn.
       
       Sollte sich bestätigen, dass es sich um ein Wiederholungsvergehen handele,
       dürften Geldbußen allein nicht mehr ausreichen, sagt der niedersächsische
       Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). „Gegebenenfalls muss dann
       auch eine Sperrung des Betriebes in Betracht gezogen werden.“
       
       Es sei jedoch zunächst Aufgabe der Gerichte, den Verdacht zu prüfen. Meyer
       sieht in den Missständen einen Fehler im System: Solche Zustände zeigten
       die Auswüchse der ungeregelten Verhältnisse in der Massentierhaltung. „Auf
       Bundesebene muss jetzt endlich ein Tierschutzgesetz entstehen, das seinen
       Namen verdient“, so der Minister. „Für die Entenhaltung sind zum Beispiel
       ein permanenter Wasserzugang und klare Vorgaben gegen Qualzucht gesetzlich
       vorzuschreiben.“
       
       Von den Behörden vor Ort erwarte er, bei Kontrollen konsequent vorzugehen,
       sagt Meyer. Eben das hat der Landkreis Osnabrück vor: „Es wurden
       Voraussetzungen geschaffen, dass jährlich rund 600 zusätzliche
       Tierschutzkontrollen in Nutztierhaltungen durchgeführt werden können“, sagt
       Burkhard Riepenhoff, der Sprecher des Landkreises. Dafür seien drei
       zusätzliche Stellen eingerichtet worden. Davon erhoffe man sich auch eine
       präventive Wirkung bei anderen Haltern.
       
       Im aktuellen Fall muss nun jedoch zunächst die Staatsanwaltschaft
       ermitteln.
       
       31 Oct 2017
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.peta.de/Wiederholungst%C3%A4ter-Niedersachsen#.WfNaHGcXtv0
       
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   DIR Andrea Scharpen
       
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