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       # taz.de -- Milo Raus Polit-Theater vor dem Reichstag: Revolution, re-inszeniert
       
       > Der Versuch des Schweizer Theaterregisseurs Milo Rau, ein demokratisches
       > Weltparlament zu inszenieren, war nicht ganz erfolgreich.
       
   IMG Bild: Polit-Theater der unterhaltsam-klugen Art: „Sturm“ auf den Reichstag 100 Jahre nach 1917
       
       Per Megaphon dirigiert Milo Rau die Massen. „Macht es wie im wahren Leben:
       Schaut nicht zurück!“ Dann rennen auf das Kommando des Schweizer
       Theaterregisseurs ein paar hundert Menschen mit lautem Gebrüll über die
       Wiese Richtung Reichstag.
       
       Mit dem inszenierten „Sturm“ auf das Parlamentsgebäude, ein Re-enactment
       des „Sturms“ auf das Petersburger Winterpalais des Zaren vor genau 100
       Jahren, fand am Dienstag Nachmittag das neueste Projekt von Rau einen
       vorläufigen Abschluss. Begonnen hatte es am vorigen Wochenende mit der
       dreitägigen Sitzung einer „Generalversammlung“ (global assembly), dem
       „ersten Weltparlament der Menschheitsgeschichte“, wie es Rau vor der
       „Erstürmung“ in einer kurzen Rede nannte.
       
       Die Generalversammlung bestand aus rund 70 „Abgeordneten“ aus über 20
       Ländern, darunter Menschenrechts-, Umwelt- und ArbeiterrechtsaktivistInnen,
       aber auch Schriftsteller, Filmemacher, Journalisten sowie acht
       Bundestagsabgeordnete. Ziel der ausverkauften Veranstaltung in der
       Schaubühne am Lehniner Platz war, eine „Charta für das 21. Jahrhundert“ zu
       entwerfen. Ausgangspunkt war die These, dass trotz wirtschaftlicher und
       technologischer Globalisierung bislang keine demokratischen und rechtlichen
       Institutionen bestehen, die den Weltmarkt regulieren, die „völkerrechtliche
       Verstöße verfolgen, Menschenrechte durchsetzen oder ökologische
       Entwicklungen in sinnvolle Bahnen leiten“, wie es auf der Webseite
       www.general-assembly.net heißt.
       
       ## Verabschiedung der Charta verschoben
       
       Die Verabschiedung der Charta habe man allerdings um „zwei, drei Wochen“
       verschieben müssen, erzählte Rau der taz, da es bei einigen Themen keine
       Einigung beziehungsweise Debatten über Formulierungen gegeben habe. Zu
       einem „Eklat“ kam es laut Rau, weil einer der „Abgeordneten“, ein Mitglied
       der türkischen Regierungspartei AKP, den Genozid an den Armeniern geleugnet
       habe. Insgesamt zeigte sich der Theatermacher aber „extrem glücklich“ über
       den Verlauf der Versammlung, „trotz teils harter Konflikte“. Sein Ziel,
       einen „großen utopischen Entwurf“ zu verfassen, sei erreicht.
       
       Auf der Reichstagswiese kündigte Rau an, dass die Charta, sobald sie von
       der „assembly“ verabschiedet sei, in mehreren europäischen Parlamenten
       verlesen werde. „Und vor allem: Das Weltparlament wird weitergehen, in
       anderen Städten, mit neuen Abgeordneten.“ Dabei sei eine der Kernfragen,
       die beantwortet werden müsse, wie die Abgeordneten künftig ausgewählt
       werden sollten, damit sie eine breite Repräsentanz der Weltbevölkerung
       darstellen. Als Beispiel wies er darauf hin, dass allein zwei „Abgeordnete“
       des Weltparlaments, ein brasilianischer Gewerkschaftler aus der
       Autoindustrie und ein Minenarbeiter aus dem Kongo, gemeinsam mehr Menschen
       vertreten würden als die Schweiz Einwohner hat.
       
       7 Nov 2017
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Susanne Memarnia
       
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