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       # taz.de -- Protest gegen Bahnmisere: Sylt-Pendler blockieren die Züge
       
       > Nach fast einem Jahr Verspätungen und Ärgernissen platzt den Bahnfahrern
       > zwischen Niebüll und Westerland der Kragen.
       
   IMG Bild: Alternativlose Verbindung: Zugverkehr nach Sylt.
       
       SYLT taz | Mehrere Hundert Pendler haben am Mittwochmorgen den Bahnverkehr
       zur Insel Sylt unterbrochen. Die Menschen stellten sich in Klanxbüll in die
       Türen des Zuges, der um 7.12 Uhr losfahren sollte und blockierten auch
       einen zweiten Zug auf einem anderen Bahnsteig. Die Bundespolizei schaute
       zu: „Solange sich niemand an die Gleise kettet, werden wir nicht
       eingreifen“, sagte ein Sprecher.
       
       Mit der Aktion protestierten die Pendler gegen die seit knapp einem Jahr
       andauernden Einschränkungen auf der Bahnstrecke Hamburg–Niebüll–Sylt. „Wir
       haben diese Aktion gemacht, damit in die Republik rausschallt: Wir schaffen
       nicht noch mal 345 Tage“, sagt Achim Bonnichsen von der Pendlerinitiative.
       
       Er und seine MitstreiterInnen ärgern sich über volle und schmutzige Züge,
       in die man schlecht einsteigen und in denen man kein Fahrrad mitnehmen kann
       – ganz abgesehen von Verspätungen und Zugausfällen. Die Pendler seien
       bisweilen 14 Stunden unterwegs, um acht Stunden bezahlte Arbeit zu leisten.
       „Irgendwann ist der Pendler kaputt“, sagt Bonnichsen. Das zeige sich nicht
       zuletzt am Krankenstand.
       
       30 bis 50 Prozent der Beschäftigten auf der Insel pendeln vom Festland ein,
       schätzt der Verein Sylter Unternehmer. „Wir sind ein Magnet für Fachkräfte
       jenseits des Hindenburgdamms“, sagt Ronald Glauth von der
       Interessenvertretung. „Unsere Mitarbeiter, die vom Festland kommen, können
       nur mit der Bahn auf die Insel kommen“, so Glauth. „Sie haben keine
       Alternative.“ Der Verein forderte deshalb ein zweites Gleis und eine
       Fahrzeugreserve.
       
       Für die Zweigleisigkeit setze sich auch das Land langfristig ein, sagt
       Birte Pusback vom schleswig-holsteinischen Verkehrsministerium. Das seien
       aber dicke Bretter, die hier zu bohren seien.
       
       Das Ministerium, das über Nahverkehrsgesellschaft des Landes (Nah.sh) den
       Bahnverkehr nach Sylt in Auftrag gegeben hat, wundert sich über das Timing
       des bisher massivsten Protestes. „Ein Jahr lang Geduldsprobe ist eine
       Zumutung, das ist klar“, räumt Sprecherin Pusback ein. „Die Aktion der
       Pendlerinitiative kommt aber zu einem überraschenden Zeitpunkt, da sich
       gerade jetzt Besserung abzeichnet.“
       
       Zwölf von 15 Zügen sind nach Angaben des Ministeriums, das sich wiederum
       auf die Bahnbetreiberin DB Regio beruft, wieder in Betrieb. Die drei
       übrigen sollen in den kommenden drei Wochen ebenfalls wieder fahren.
       
       Des Weiteren seien sechs von 15 Lokomotiven bereits gründlich überholt
       worden und drei Ersatzloks im Einsatz. „Die verfügbaren Loks reichen für
       den Betrieb grundsätzlich aus“, versichert die Nahverkehrsgesellschaft. Ein
       Ausfallrisiko sei aber nicht komplett auszuschließen. Pendler-Aktivist
       Bonnichsen ist skeptisch und berichtet gleich von zwei Zugausfällen am
       Morgen noch vor der Blockade. Keiner wisse, ob die Reparaturen an den Loks
       hielten. Und das endgültige Gutachten über die Probleme an den Waggons
       liege auch noch nicht vor. An einem Waggon war die Kupplung abgerissen. Das
       Gutachten habe Korrosion und einen unterlassenen Wartungsschritt als
       Ursachen ausgemacht, sagt Dennis Fiedel, Sprecher von Nah.sh. Bei dem
       Gutachten fehle bloß noch eine Aussage darüber, wie lange die reparierten
       Kupplungen eingesetzt werden können, bis sie wieder überprüft werden
       müssen.
       
       Zusätzliche Loks zu beschaffen, sei schwierig, sagt Fiedel. Sie müssten für
       den Personenverkehr geeignet sein, etwa indem sie einen Zug heizen könnten;
       sie bräuchten eine Zulassung für das deutsche Schienennetz und müssten die
       nötige Leistung bieten. Dafür gebe es kaum Angebote.
       
       Lars Harms, der Fraktionsvorsitzende des Südschleswigschen Wählerverbandes
       (SSW) erinnert daran, dass die FDP vor der Landtagswahl „den Tiefschlaf der
       Landesregierung beim anhaltenden Bahn-Chaos“ kritisiert habe. Jetzt stelle
       sie selbst seit mehr als vier Monaten den Verkehrsminister und passiert sei
       nichts: „Im Gegenteil, das Eskalationsniveau hat mit den heutigen
       Ereignissen ein neues Level erreicht“, stellt Harms fest.
       
       Auch Uwe Polkehn, der Vorsitzende des DGB Nord, fordert den liberalen
       Verkehrsminister Bernd Buchholz auf zu handeln: „Die Pendler sind keine
       Touristen in Urlaubslaune, sondern Menschen, die tägliche verlässliche
       Verbindungen zu ihrem Arbeitsplatz brauchen“, sagt er. Die
       Jamaika-Koalition müsse Geld für ein Sofortprogramm locker machen und
       Konsequenzen für die nächste Ausschreibung ziehen.
       
       Die Probleme mit den Kupplungen waren im November 2016 aufgetreten, als
       noch die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) den Verkehr zwischen Hamburg und Sylt
       abwickelte. Die DB Regio gewann die neue Ausschreibung und musste sich als
       Erstes mit einem ausgefallenen Wagenpark herumschlagen.
       
       25 Oct 2017
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Gernot Knödler
       
       ## TAGS
       
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