# taz.de -- Wutrede der US-Künstlerin Kelela: Ein unerträgliches Gefühl
> Die junge US-Künstlerin Kelela hat erst ihr Debütalbum und jetzt auch
> eine Wutrede über ihren Status als Schwarze im Musikbiz veröffentlicht.
IMG Bild: Gerade erst das Debütalbum veröffentlicht und schon richtig wütend: Kelela
Die junge US-Künstlerin [1][Kelela] sorgt gerade ordentlich für Furore.
Nicht nur weil sie vor wenigen Tagen ihr Debütalbum [2][„Take Me Apart“]
veröffentlicht hat. Mit ihm stellt sie unter Beweis, dass sie packende
Popsongs, irgendwo zwischen britischem Grime und US-R&B, komponieren kann.
Aber nun hat sie etwas getan, was für eine angesagte Künstlerin, die gerade
durchstartet, wirklich ungewöhnlich ist. Sie hat über ihre Erfahrungen als
woman of color in der Musikindustrie im Internetmagazin Resident Advisor
[3][einen wütenden Text] geschrieben.
Auf den ersten Blick wirke es glamourös: „Wenn du eine junge schwarze Frau
bist und du siehst eine andere junge schwarze Frau auf einem Magazin-Cover,
dann fühlst du unbewusst, dies auch zu können“, schrieb Kelela. Doch die
knallige Publicity habe auch ihre Schattenseiten: Alles aus einer
Künstlerin herauszuholen, während sie alles gibt, auch das sei die Kultur
der Musikindustrie.
Und – es bestehe ein noch viel ausbeuterischen Umgang mit schwarzen
Künstlerinnen: „Wenn du eine schwarze Frau bist, gibt es ein unerträgliches
Gefühl. Denn was sie aus dir herausziehen, das ist deine Blackness und
deine Weiblichkeit – und die Art, wie sich diese beiden Aspekte
vermischen.“
Für Kelela erzeugt diese Situation eine Dynamik zwischen ihr als
Kunstperson und als Marke und Teil eines Unternehmens. Gerade junge
Künstlerinnen wie sie würden dies als Chance wahrnehmen. Dass es aber eine
Falle sei, habe sie erst später realisiert: Denn, so schreibt Kelela, wenn
die Musikindustrie mit einer „Chance“ an dich herantritt, dann nur darum,
„um aus deinem Image als schwarze Frau Kapital zu schlagen“. Früher habe
die Musikindustrie nur etwas mit weißen Frauengesichtern angefangen, jetzt
beute sie schwarze Frauen aus.
## Die Bezahlung ist gut, aber…
Der erste Schock als schwarze Künstlerin im Musikbusiness bestehe folglich
darin, schmerzhafte Erfahrungen zu machen. Es gehe um Geschäfte, und was
schließlich auf den Markt gebracht wird, sei nicht das, was verkauft werden
soll. Aber eine Entdeckung: Die Bezahlung für people of color falle oft
hoch aus, worin sich auch etwas „Progressives“ ausdrücke: Kapitalismus
vermenge sich auf seltsame Art mit sozialer Gerechtigkeit, das sei etwas,
was es früher nicht gab. Die Musikindustrie versuche sich weißzuwaschen,
denn ein rassistisches oder sexistisches Image bedeute heutzutage oftmals
ein schlechtes Geschäft.
Diese neue Situation habe für sie und andere women of color durchaus
Vorteile: Geld zu verdienen und sich selbst zu vermarkten sei für schwarze
Künstlerinnen viel einfacher geworden als noch vor zehn Jahren: „Als ich
jünger war und viele Musikmagazine konsumierte, bedeutete eine schwarze
Frau auf einer Titelgeschichte oder einem Plattencover sehr viel. Ich
wusste nicht, was der Hintergrund war – welche Erfahrungen das für die
Abgebildeten bedeutete und wie es dazu kam. Alles, was ich wusste, war,
dass eine schwarze Frau auf dem Cover war, und das bedeutet sehr viel für
mein Leben.“
Selbst 2017 habe das Gesicht einer schwarzen Frau noch so viel Gewicht.
Doch manche Plattenfirmen nutzen dies nur, um sich selbst ein progressives
Image zu geben. Für Kelela sei es gar nicht von Interesse, in diesem
Kontext vermarktet zu werden. Denn eine Stimme erhalten people of color
dadurch nicht, auch in der mehrheitlich von Weißen geleiteten
Musikindustrie hätten sie nach wie vor wenig Einflussmöglichkeiten.
Über diese Missstände müsse nun endlich gesprochen werden. Auch daher
markiert ihr Debütalbum „Take Me Apart“, das diese Woche beim über alle
Zweifel erhabenen britischen Indielabel Warp Records erschien, einen
Einschnitt. In manchen ihrer Songs hat sie ihre Erfahrungen als schwarze
Künstlerin verarbeitet: Auch in dieser Hinsicht ist „Take Me Apart“ eine
Ode an all die Missstände.
13 Oct 2017
## LINKS
DIR [1] /!5454043/
DIR [2] https://www.youtube.com/watch?v=ykkTdYnlpJw
DIR [3] https://www.residentadvisor.net/features/2524
## AUTOREN
DIR Benjamin Trilling
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