URI:
       # taz.de -- Hashtag gegen Germany's Next Topmodel: Heidi kriegt ihr Fett weg
       
       > Feministinnen rufen auf Instagram zu einer Kampagne gegen Heidi Klums
       > Show auf: #NotHeidisGirl wehrt sich gegen normierte Schönheitsideale.
       
   IMG Bild: Glücklich ohne Schönheitsnormen
       
       Eine junge Frau hält ein Stück Pizza in der Hand, in der anderen ein Schild
       mit der Aufschrift [1][#NotHeidisGirl] „Weil es einfach nur krank ist,
       Frauen so auf Schönheit zu trimmen. (Und Heidis Ernährungstipps direkt aus
       der Hölle kommen)“. Nein, sie spielt damit nicht auf das schweizerische
       Alpendrama über das karge Leben auf der Alm an, sondern auf Heidi Klums
       Schönheitswettbewerb „Germanys Next Topmodel“ (GNTM).
       
       Die Sendung läuft bereits seit über zehn Jahren im Privatfernsehen, doch
       Klum kann es einfach nicht lassen. 2018 geht die Sendung in die dreizehnte
       Runde und wieder ruft Klum zur Teilnahme auf. Doch im Vorfeld regt sich
       Widerstand: Auf Instagram posten Mädchen und junge Frauen unter dem Hashtag
       #NotHeidisGirl Kritik an den genormten Schönheitsidealen, die GNTM
       verbreitet.
       
       Die Statements sind wütend, traurig, manchmal sachlich. Vier junge Frauen
       haben sich mit Halstüchern und Sonnenbrillen vermummt, halten provokativ
       ihre Stinkefinger in die Kamera und schreiben „Weil wir wissen, dass wir
       schön sind!“ und #fuckgntm. „Weil wir nicht auf der Welt sind, um zu
       gefallen“, heißt es auf dem Social-Media-Portal oder auch: „Weil Schönheit,
       Selbstwert und gesellschaftliche Akzeptanz nicht von Körpermaßen abhängig
       sein dürfen“. Auch akademische Zugänge zum Thema sind auf der Seite
       abgebildet: Eine Kritikerin hat einen erklärenden Text über die negativen
       Auswirkungen von Schönheitsidealen auf Teenager gepostet. Andere halten es
       einfacher und laden selbst gemalte Bildchen und Graffitis hoch.
       
       Die Initiatorinnen der Kampagne nennen sich „[2][Vulvarines]“ und
       bezeichnen sich als Feministinnen aus Mönchengladbach. Ob sie mit dem Namen
       auf den Superhelden Wolverine aus dem DC-Comicuniversum anspielen, ist der
       Fantasie überlassen. Sicher ist, dass sie mit dem Begriff Vulva, der die
       äußeren weiblichen Geschlechtsorgane bezeichnet, Stellung für eine
       selbstbewusste öffentliche Positionierung von Frauen beziehen.
       
       Auf Instagram haben sie eine kurze Anleitung veröffentlich, auf welche Art
       man sich mit einem Foto und Statement an der Kampagne beteiligen kann.
       Wichtig ist ihnen, dass die Posts auch unter dem Hashtag
       [3][#ichbingntm2018] gepostet werden, damit die Statements unter den
       üblichen Bildern zur Qualifikation des Schönheitswettbewerbs auftauchen.
       Sie setzen auf eine kettenbriefartige Verbreitung und regen dazu an, bei
       jedem Post fünf weitere Personen zur Teilnahme einzuladen. Die Kampagne hat
       auch Twitter und Facebook erreicht. „#notheidisgirl – weil das Herz zählt“,
       heißt es in einem Tweet.
       
       Bisher sind über 400 Beiträge auf der Instagram-Seite eingegangen, sie
       beschränken sich nicht auf Mädchen und Frauen, sondern sprechen alle
       Geschlechter an: „notheidisboy – weil feministischer Kampf von allen
       geführt werden muss“, heißt es in einem Post. Manche Unterstützer_innen
       haben die Anleitung eigenwillig interpretiert und Hamster, Hausschuhe oder
       Spielzeug gepostet. Darunter taucht auch ein Hochglanzfoto von Fruchtquark
       auf, einer Ernährungsvariante, die Heidi Klum garantiert wohlwollend
       abnicken würde.
       
       5 Oct 2017
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.instagram.com/explore/tags/notheidisgirl/
   DIR [2] https://www.facebook.com/Vulvarines/
   DIR [3] https://www.instagram.com/explore/tags/ichbingntm2018/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Zoe Sona
       
       ## TAGS
       
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