# taz.de -- Kommentar UN-Charta zu Umweltschutz: Zeit für die Ökoachse Berlin-Paris
> Frankreichs Präsident Macron fordert ein Menschenrecht auf eine intakte
> Umwelt. Das hat in der Realpolitik keine Chance. Dennoch ist der Vorstoß
> richtig.
IMG Bild: Globaler Ökoheld: Emmanuel Macron
Auf den ersten Blick ist [1][der Vorstoß von Frankreichs Präsident] sehr
charmant: Die UNO solle eine grüne Charta beschließen, die jedem Menschen
das Recht auf eine intakte Umwelt zusichert. Klingt gut, ist aber nicht so
einfach. Ein Vertrag, der die ganze Welt juristisch dazu verpflichtet, die
Welt zu retten, hat in der Realpolitik keine Chance. Diese Idee ist beim
Klimagipfel 2009 in Kopenhagen endgültig gescheitert.
Trotzdem ist Macrons Vorstoß richtig. Denn er bringt Umwelt und Entwicklung
wieder auf die Tagesordnung, wo sonst nur Terror, Freihandel oder
Nordkoreas Atomkurs stehen. Vor allem besetzt der französische Präsident
damit die Stelle als globaler Ökoheld, der dem US-Präsidenten und
Umweltschurken Trump nicht nur beim Händedruck Paroli bietet.
Paris will das Pariser Abkommen zum Klimaschutz verteidigen. Macron ist
jung genug, um für die Zukunft zu sprechen. Als Präsident hört man ihm zu,
wenn er den Planeten „great again“ machen will und um US-Forscher wirbt,
die von Trump eingeschränkt werden.
Macron nimmt damit eine Stellung ein, die einer deutschen Kanzlerin auch
gut anstünde: Als Land der Energiewende, das mit viel Geld und politischem
Kapital Klimaschutz und Entwicklung weltweit voranbringt, auch wenn ihre
Ökobilanz zu Hause eher ein Versagen dokumentiert. Umso wichtiger ist es,
dass auch die nächste Bundesregierung Macron mit allen Mitteln bei diesem
Vorstoß unterstützt. Politisch in EU und UNO, technisch etwa bei
gemeinsamen deutsch-französischen Projekten wie der Batterietechnik. Und
finanziell, wenn Macron in der Eurokrise Spielraum braucht.
Lange haben die Deutschen geklagt, die Achse Berlin–Paris funktioniere
nicht richtig. Wenn sie nun als grüne Anti-Trump-Allianz wirken könnte,
wäre das in aller Interesse. Aber dafür bräuchte es von deutscher Seite
Vision und Begeisterung. Und nicht nur wie bisher die Mäkelei, eine
UN-Charta bringe doch eh nichts.
20 Sep 2017
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DIR Bernhard Pötter
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