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       # taz.de -- Youtuberinnen über ihre Motivation: „Du bist schön, wie du bist“
       
       > Influencer preisen Cremes an, testen Abnehmdrinks, zeigen den Inhalt
       > ihrer riesigen Einkaufstüten – und viele tausend Menschen schauen zu. Was
       > soll das?
       
   IMG Bild: Tara vom YouTube-Kanal „TamTam“
       
       Für ein Mädchen Wichtiges – also wie es sich verhält, kleidet und schminkt,
       damit es seinem Schwarm gefällt – lernte es einst in Mädchenzeitschriften.
       Die sind heute quasi out. Denn junge Frauen geben nun selbst Tipps: auf
       YouTube. Fashion- und Beauty-Kanäle gibt es massig auf der Videoplattform.
       [1][Wie den Kanal „TamTam“.] Betreiberin Tara, die ihren Nachnamen nicht
       nennen möchte, zeigt, wie sie sich schminkt, verwendet dabei locker mal
       mehr als zehn verschiedene Artikel. Über eine halbe Million Personen folgen
       ihrem Kanal. [2][Oder Jennifer Brinkmann vom Kanal „JennyfromtheBlog“.] Sie
       shoppt gerne, zeigt den Inhalt ihrer Einkaufstüten ihren über 100.000
       Zuschauerinnen. Um Jungs und Liebe geht es selten. Der Fokus auf YouTube
       ist ein anderer als in den Mädchenzeitschriften: Das Ausdrücken und
       Inszenieren des Selbst. Doch nicht zuletzt spielen auch Produkte eine
       Rolle. Das Narrativ „Als Mädchen musst du schön sein“ wird massiv an
       Konsumversprechen gekoppelt. Und Video für Video reproduziert. Mit neuen
       Tricks und neuen – na klar – Produkten. Was aber denken die Produzentinnen
       sich dabei? 
       
       -----------------------------------------
       
       taz: Tara, Sie bespielen seit drei Jahren den YouTube-Kanal TamTam mit
       Schminkanleitungen, Ihren liebsten Produkten des Monats und Einkäufen.
       Warum, glauben Sie, ist Beauty ein so beliebtes Thema auf YouTube? 
       
       Tara: Ich glaube, das deckt einfach das große Interesse von einer riesigen
       Bandbreite an Zuschauern ab. Bei Frauen ist es schon immer so gewesen, dass
       wir schön und jung sein wollen. Schon zu Zeiten von Kleopatra, die in Milch
       gebadet hat. Ich glaube, dass viele Mädchen auf YouTube auch viele Tipps
       geben können. Man kann gucken: Die hat tolle Haare, die hat tolle Lippen,
       die hat tolle Augenbrauen, und man kann sich von jedem das holen, das einen
       interessiert.
       
       Sie sagen, Frauen war ihre Schönheit schon immer wichtig. Genauso werden
       Frauen aber auch auf ihr Äußeres reduziert. Wie wirkt sich YouTube darauf
       aus? 
       
       Ich finde, YouTube ist nicht so beeinflussend wie Instagram, das tonlos
       ist. YouTuber sagen wenigstens noch dazu „Du bist auch ungeschminkt
       wunderschön“, oder wir zeigen uns am Anfang ungeschminkt. Wir stellen immer
       wieder dar, dass es völlig egal ist, ob jemand geschminkt ist oder nicht.
       
       Aber trotzdem ist die Erzählung Ihres Kanals, dass Schönheit zum einen
       superwichtig und zum anderen nur durch bestimmte Produkte zu erreichen ist. 
       
       Um Gottes willen. Also überhaupt nicht. Wirklich nicht. Das ist so ein
       Spaßding, und wenn man es möchte, kann man es machen, und wenn nicht, dann
       ist das auch völlig fein. Auch wenn jemand sagt: „Ich würde so gern
       aussehen wie du“ oder: „Ich hab nicht so eine reine Haut“, dann sage ich
       immer: „Du bist so schön, und das weiß ich, ohne dass ich jemals dein
       Profilbild oder dich in Person gesehen hab. Du bist so schön, weil dein
       Herz schön ist.“
       
       Voll das empowernde Statement. Warum machen Sie so was nicht auch mehr auf
       Ihrem Kanal? Sie studieren auch Wirtschaftsingenieurwesen, klassische
       Männerdomäne. 
       
       Bis jetzt.
       
       Bis jetzt, genau! Warum machen Sie nicht mal ein Video, in dem Sie Ihren
       Zuschauerinnen vermitteln, dass sie sich nicht auf ihr Aussehen reduzieren
       lassen sollen, sondern viel mehr können. Und zwar auch solches, von dem
       vermittelt wird, dass Frauen das generell nicht könnten, wie Rechnen eben? 
       
       Ich habe das immer vermieden, weil ich immer wollte, dass ich mit dem
       Bachelor gut durchkomme, ohne dass mir irgendwas im Weg steht. Aber ich
       habe tatsächlich eine neue Zusammenarbeit mit einem IT-Blog, wo ich als
       Frau sage „Hey, nicht nur schminken macht mir Spaß, ich rechne gern, ich
       hab früher Physik-Leistungskurs gehabt“.
       
       Inwiefern denken Sie also über pädagogische Verantwortung nach? 
       
       Das Ding ist, bei YouTube-Videos kann man alles zurechtschneiden. Natürlich
       überlegt man sich genau, was man sagt. Wenn ich mich in eine Bar setzen und
       Martini Bianco trinken und das snappen würde, dann würde ich mich
       verantwortlich fühlen, denn vielleicht sagt jemand: „Oh, ich hab jetzt
       Lust, Alkohol zu trinken“ und geht los und trinkt Alkohol. Das könnte ich
       niemals tun.
       
       Zur Person: Tara, die ihren Nachnamen nicht bekannt geben möchte,
       veröffentlicht Videos auf ihrem Kanal TamTam, der 520.494 Abos hat.
       Beliebtestes Video: „Big wavy HAIR – Schnelle große Locken“ mit über einer
       Million Aufrufen. 
       
       -----------------------------------------
       
       taz: Frau Brinkmann, warum haben Sie angefangen, auf Ihrem Kanal
       Jennyfromtheblog Fashion- und Beautyvideos hochzuladen? 
       
       Jennifer Brinkmann: Ich hatte am 1. November 2013 einen Traum, der war
       richtig abgedreht. Ich hab geträumt, ich bin auf einer Farm, und eine Frau
       ruft mich in ihr Glashaus und sagt: „Mach YouTube, inspiriere das Volk,
       lächle die ganze Zeit durchweg, und du hast dann bald 14.000 Abos.“ Am 6.
       November 2013 habe ich mich hingesetzt und mein erstes Video gemacht.
       
       Wie werden Sie diesem Traum jetzt gerecht? 
       
       Meine Mission ist es, den Menschen mitzuteilen, dass es wichtig ist, an
       sich selbst zu glauben und sich von nichts und niemandem unterkriegen zu
       lassen. Ich selber weiß, wie schwer es ist, einen eigenen Charakter und
       Stil zu haben, der nicht der Masse entspricht. Und deswegen fühle ich mich
       als Spokesperson für diejenigen, die aus sich herauskommen möchten, aber es
       nicht schaffen. Also komplett motivierender Kram, der da passiert.
       
       Nun machen Sie viele Videos, wo es ums Abnehmen geht. Sie probieren Shakes
       und Pillen und verraten Ihre Tricks. Warum ist das ein so großes Thema? 
       
       Weil ich selbst mal so viel gewogen habe, was wohl auch mit dem Tod meines
       Vaters zu tun hat, wo ich einfach ganz viel in mich reingefressen habe.
       Dann hatte ich Probleme mit dem Jojo-Effekt. Ich dachte, diese Story können
       bestimmt einige teilen. Ich sehe es ja auch in meiner Community, da sind
       einige, die mit dem Jojo-Effekt struggeln und die erpicht darauf sind,
       etwas zu finden, was wirklich langfristig Erfolg bietet. Da hat man viel zu
       erzählen und auch auf lange Sicht, weil ich auch noch an meinem Gewicht
       dran bin.
       
       Was denken Sie über gängige Schönheitsideale? 
       
       Obwohl ich ein ästhetischer Mensch bin und schönheitsorientiert denke, habe
       ich mich persönlich davon freigemacht. Mich stört dieses Geradlinige. Eine
       rothaarige Frau mit kurzen Haaren kann genauso schön sein wie eine blonde
       Frau mit langen Haaren. Es gibt auch dieses Phänomen, dass man einen
       Menschen sieht und denkt, dass er – obwohl er dem Ideal nicht entspricht –
       so von innen nach außen strahlt. Das ist für mich persönlich sehr
       entscheidend. Deswegen ist mir ganz, ganz wichtig, darauf hinzuweisen, dass
       es aufs Innere ankommt.
       
       Trotzdem geht es viel um Äußerlichkeiten. 
       
       Wenn man sich die Videos genau anguckt, dann merkt man: Ich promote das
       Äußere, aber immer auch das Innere. Auch dass ich bei Primark oder H&M
       shoppen gehe, ist für mich immer ein Appell dafür, dass jeder es schaffen
       kann, äußerlich was aus sich zu machen. Aber das Innere wird immer betont.
       Schon allein durch meinen Abschlusssatz: „Du bist schön, wie du bist.“ Mir
       ist es viel mehr wert, in unserer Gesellschaft Labels umzuknicken. Einfach
       nur über Make-up reden reicht mir nicht.
       
       Sie machen auch Primark-Hauls, wo Sie die vielen Sachen zeigen, die Sie da
       gekauft haben. Warum? 
       
       Weil ich dem Otto Normalverbaucher eine Möglichkeit zeigen möchte, wie er
       mit wenig Geld zu einem Look kommen kann, der fast aussieht wie High
       Fashion. Ich mag Primark sehr gerne, werde auch nicht von denen gesponsert.
       Ich bin mir bewusst, dass Primark wegen der Produktionsbedingungen in der
       Kritik steht. Aber ich sehe gerade keine Alternativen, um an den großen
       Konzernen wie H&M, Zara und Primark vorbeizukommen, wenn man sich
       fashionable stylen will. Da müsste ein großer Konzern her, der faire Mode
       zu günstigen Preisen anbietet. Gerade arbeite ich an meinem eigenen Merch
       aus holländischer Baumwolle, den ich selber designe und nähe. Die Stoffe
       sind clean, und es gibt keine Kinderarbeit. Vielleicht ist das meine erste
       Annäherung an das Thema.
       
       Zur Person: Jennifer Brinkmann veröffentlicht Videos auf ihrem Kanal
       Jennyfromtheblog, der 105.266 Abos hat. Beliebtestes Video: „30 KG ABNEHMEN
       TURBO TIPPS“ mit über 800.000 Aufrufen.
       
       5 Sep 2017
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.youtube.com/user/Tamtambeauty
   DIR [2] https://www.youtube.com/channel/UCV5gJJB7S-IMsWgmhFB4xiQ
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Maike Brülls
       
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