URI:
       # taz.de -- Verfassungskrise in Venezuela: Justiz und Militär unter Feuer
       
       > Die venezolanische Regierung geht gegen einen parallelen Obersten
       > Gerichtshof vor. Die Opposition appelliert an die Armee überzulaufen.
       
   IMG Bild: Der Protest setzt sich in Caracas fort, die Erinnerung an Todesopfer auch
       
       Caracas afp | Der Geheimdienst in Venezuela hat zwei oppositionsnahe
       Richter festgenommen. Wie das venezolanische Parlament am Dienstag im
       Kurzmitteilungsdienst Twitter berichtete, wurden Jesus Rojas Torres und
       Zuleima Gonzales im Osten des Landes inhaftiert. Sie gehören dem von der
       Opposition gebildeten, parallelen Obersten Gerichtshof an. Damit sind
       bereits drei von dessen Richtern in Gewahrsam.
       
       Das von der rechten Opposition beherrschte Parlament hatte am Freitag die
       33 Richter des Obersten Gerichtshofs (TSJ) neu ernannt und anschließend von
       Parlamentspräsident Julio Borges vereidigen lassen. Das Parlament nannte
       als Grund für die Neuernennung, dass die im Dezember 2015 mit den Stimmen
       der damaligen Regierungsmehrheit erfolgte Wahl von 13 Richtern „illegal“
       gewesen sei.
       
       Staatschef Nicolás Maduro kündigte daraufhin an, mit aller Härte gegen die
       Mitglieder parallelen Obersten Gerichtshofs vorzugehen. „Einer nach dem
       anderen wird ins Gefängnis gehen“, sagte der linksnationalistische
       Präsident in seiner wöchentlichen Sendung im staatlichen Fernsehsender VTV
       am Sonntag.
       
       Aus Protest gegen Maduro hat die Opposition für Mittwoch erneut zu einem
       Generalstreik aufgerufen. Der landesweite Ausstand soll 48 Stunden dauern.
       Für Freitag planen die Regierungsgegner zudem einen Protestmarsch. Damit
       will die Opposition die von der Regierung angestrebte Wahl einer
       verfassunggebenden Versammlung zwei Tage später verhindern.
       
       ## Wo steht das Militär?
       
       Wenige Tage vor der Wahl zur dieser Versammlung in Venezuela hat einer der
       Oppositionsführer des Landes, Leopoldo López, die Armee dazu aufgefordert,
       ihre Unterstützung für das Gremium zurückzuziehen. Der seit dem 8. Juli
       unter Hausarrest stehende Politiker erklärte am Mittwoch in einem über
       Twitter verbreiteten Video, die Streitkräfte sollten keine „Komplizen der
       Vernichtung der Republik, des Verfassungsbetrugs und der Unterdrückung“
       sein.
       
       López äußerte sich überzeugt, dass die verfassunggebende Versammlung nicht
       zustande kommen wird. Der rechtsgerichtete Gründer der Partei Voluntad
       Popular (Volkswille) rief die Gegner des linksnationalistischen Staatschef
       Nicolás Maduro auf, die seit Monaten andauernden Straßenproteste gegen die
       Regierung fortzusetzen und dem Aufruf der Opposition zu einem zweitägigen
       Generalstreik ab Mittwoch sowie zu einem Protestmarsch am Freitag Folge zu
       leisten.
       
       Die Armee hat Maduro ihre „bedingungslose Loyalität“ zugesichert. Der
       Präsident versicherte seinerseits, dass nichts und niemand die
       verfassunggebende Versammlung aufhalten könne. Der Generalstreik und der
       Protestmarsch sind Teil der Oppositionskampagne gegen die Wahl des Gremiums
       am Sonntag.
       
       Dieses soll nach Maduros Willen Änderungen an der geltenden Verfassung
       vornehmen. Die Regierungsgegner sehen in Maduros Initiative den Versuch
       sich an der Macht festzuklammern, zusätzliche Befugnisse zu bekommen und
       das gewählte Parlament zu umgehen, in dem die Opposition über die Mehrheit
       verfügt. Seit Beginn der Protestwelle gegen Maduro Anfang April wurden in
       dem südamerikanischen Land mehr als hundert Menschen getötet und tausende
       weitere verletzt.
       
       26 Jul 2017
       
       ## TAGS
       
   DIR Venezuela
   DIR Nicolás Maduro
   DIR Venezuela
   DIR Venezuela
   DIR Venezuela
   DIR Donald Trump
   DIR Venezuela
   DIR Venezuela
   DIR Venezuela
   DIR Nicolás Maduro
   DIR Nicolás Maduro
   DIR Venezuela
   DIR Venezuela
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Gewalt vor der Abstimmung in Venezuela: Kandidat erschossen
       
       Venezuelas Präsiden Maduro will sich eine „Supermacht“ verschaffen, für
       Oppositionelle seien Gefängniszellen reserviert. Einer seiner Anhänger wird
       erschossen.
       
   DIR Verfassungsänderung in Venezuela: Ausschreitungen vor der Abstimmung
       
       Venezuelas sozialistischer Präsident Maduro will mit massivem Druck seine
       Verfassungsreform durchsetzen. Die Opposition lässt sich bislang nicht
       einschüchtern.
       
   DIR Verfassungskrise in Venezuela: Verbot von Demonstrationen
       
       Die Oppposition will trotz des Verbotes landesweite Massenproteste
       durchführen. Wieder gibt es Tote. Die USA ziehen Diplomatenfamilien aus
       Venezuela ab.
       
   DIR Kommentar Trumps Venezuela-Boykott: Er meint es ernst
       
       Trump droht Präsident Nicolás Maduro mit „schnellen“ Sanktionen. Das ist
       ein Fehler – der US-Präsident wird die Krise in Venezuela nur verstärken.
       
   DIR Venezuela vor der Abstimmung: Generalstreik und Schicksalswahl
       
       Am Sonntag will Präsident Nicolás Maduro wählen lassen, um seiner
       Verfassungsreform näherzukommen. Seit Beginn der Proteste bereits 128 Tote.
       
   DIR Venezuelas Reaktion auf US-Strafen: „Wir erkennen keine Sanktionen an“
       
       Die USA wollen die Konten von Regierungsmitgliedern einfrieren – Venezuelas
       Präsident Maduro lässt das kalt. Bei Protesten kommen erneut Menschen ums
       Leben.
       
   DIR Ausschreitungen in Venezuela: Zwei Tote bei Anti-Maduro-Protest
       
       Beim Generalstreik gegen Staatschef Nicolás Maduro in Venezuela sind zwei
       Menschen umgekommen. Die Opposition spricht sogar von vier Toten.
       
   DIR Kritik an Venezuelas Präsident Maduro: Opposition ruft zu Generalstreik auf
       
       Die Opposition will Präsident Maduro zur Aufgabe seiner geplanten
       Verfassungsreform zwingen. US-Präsident Trump droht Venezuela gleichzeitig
       mit Sanktionen.
       
   DIR Referendum in Venezuela: Kein Anlass zur Euphorie
       
       Über sechs Millionen VenezolanerInnen sprachen sich am Sonntag gegen die
       geplante Verfassungsänderung aus. Bei einem Überfall wurde eine Frau
       getötet.
       
   DIR Proteste gegen die Regierung: 16-Jähriger in Venezuela getötet
       
       Bei den seit Monaten dauernden Demonstrationen gegen die Regierung sind
       Dutzende Menschen verletzt worden. Die Zahl der Toten stieg auf 93.
       
   DIR Parlamentsbelagerung in Venezuela: Sieben Abgeordnete verletzt
       
       Anhänger von Nicolás Maduro schlugen mit Stöcken auf Politiker ein und
       hielten das Parlament stundenlang besetzt. Der Staatschef distanziert sich
       von der Aktion.