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       # taz.de -- Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?
       
       > Schulz misst sich mit Merkel im „Loben“, die Jugend übt sich im
       > Merkel-Grillen und Putin ist ein wahrer Merkel-Versteher.
       
   IMG Bild: Wenn mal ein YouTuber eine/n Kanzler/in erfolgreich grillt, wird keiner mehr so fahrlässig sein, die YouTuber ranzulassen
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: HSV-Stürmer verletzt sich beim Torjubel und fällt
       aus.
       
       Und was wird besser in dieser? 
       
       Interessantes Konzept für Frau Merkel am Wahlabend.
       
       In Barcelona greift der IS schon wieder zum Auto als Tatwaffe für einen
       Terroranschlag. Was bedeuten diese Anschläge für das Image des Autos, das
       ja eh schon kriselt? 
       
       Fällt schwer, die Aktionen der Mörder als engagierte Beiträge zur
       Umweltdebatte zu sehen („Schiene statt Straße“). Die Innenminister Schäuble
       und Friedrich scheiterten mit der Forderung, bei der Gelegenheit den
       Datenschutz bei der Maut abzuschaffen; wo der Lkw herumfuhr, bevor er zur
       Waffe wurde, scheint nun nachgewiesen wumpe. Aber einen Versuch war es
       offenbar wert. Kommentierungen, wonach der „IS“ zu professionelleren
       Attacken nicht mehr fähig sei, mögen Hinterbliebene nur bedingt trösten.
       Bei der Google-Suche „Auto als Tatwaffe“ ist der politisch unauffällige
       christliche Raser uneinholbar vorne.
       
       Trump verteidigt die Alt-Right in Charlottesville und rät nach dem Anschlag
       in Barcelona, islamistischen Terror mit Pershings Methoden zu bekämpfen,
       also Attentäter mit in Schweineblut getränkten Kugeln zu erschießen. Wie
       bitte? 
       
       Danke für den Hinweis, Trumpel. Dann lasst uns die
       „Pershing“-Raketen-Denkmäler vor den Bundeswehrkasernen in Geilenkirchen
       und Fürstenfeldbruck demontieren. Bis zu 120 von den
       Massenvernichtungswaffen waren in Deutschland stationiert; 1983 waren wir
       dank ihrer einem Atomkrieg so nahe wie nie zuvor. Schwein gehabt.
       
       Das Onlinelexikon Agent*in veröffentlicht Listen von Antifeministen und der
       Twitterkanal @YesYoureRacist identifiziert Menschen, die beim Fackellauf in
       Charlottesville waren. Hat das ein gewisses Geschmäckle? 
       
       „Agent*in“ ist offline, „weil die gewählte Form die gesellschaftspolitische
       Debatte über Antifeminismus überlagert“. Oder sagen wir mal Schnaps- bis
       Klosterfrauidee, unter dem Namen Heinrich Bölls eine Stiftung zu betreiben,
       die Prangerpublizistik finanziert, deren prominentestes Opfer in
       Deutschland Heinrich Böll war. Wir hatten hier in Dortmund verschiedentlich
       „Spaziergänge“ von Nazis zu den privaten Wohnungen prominenter Grüner und
       Sozis; da kommt man schon auf schlimme Ideen, außer: nachmachen.
       
       Martin Schulz verteidigte im Interview mit Phoenix und Deutschlandfunk
       Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Worin unterscheiden sich die beiden
       Kanzlerkandidaten eigentlich? 
       
       Merkel hatte im gleichen Format zuvor Schulz für sein unbedingtes
       Europäertum hochleben lassen. Heißt: In der Sportart „vergiftetes Lob“
       nehmen sich beide nix. Europa und „offene Arme“ gelten als unpopulär, und
       kluge Kinder sagen bei solcherlei Verwüstungen im Blumenbeet: „Die anderen
       haben aber mitgemacht“.
       
       Was bringt es, wenn Angela Merkel unerfahrene YouTuber live nach ihrer
       Pfeife tanzen lässt? 
       
       Erfahrung. Bei anderen primitiven Stämmen gibt es weit grausamere
       Initiationsrituale (Beschneidung, Verkauf, Konfirmation). Und wenn eines
       Tages ein YouTuber eine/n Kanzler/in erfolgreich grillt, wird keiner mehr
       so fahrlässig sein, die YouTuber ranzulassen. Genießen wir die Jugend.
       
       Schröder ist im Gespräch als Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns
       Rosneft. Ab wann ist ein Altkanzler eigentlich ein Privatmann? 
       
       Die eigentliche Wahl Schröders in den Rosneft-Aufsichtsrat findet Ende
       September statt. Dass Ministerpräsident Medwedjew die Nominierung jetzt
       bekannt gibt, tut nicht Not und erlaubt die Annahme: Genau das, was nun
       über Bundesaußenkanister Schröder hereinbricht, liegt mit im Kalkül. Man
       kauft sich Destabilisierung im deutschen Wahlkampf und vielleicht hinterher
       noch etwas Türklinkenkompetenz vom Altkanzler. Man kann Putin den Vorwurf
       nicht ersparen: Merkelversteher.
       
       Elvis ist seit 40 Jahren tot, könnte man statt Kriegsverbrechern nicht ihn
       in Bronze gießen und auf die Sockel der frei gewordenen Denkmäler stellen? 
       
       Gebe den Nazis fünf Minuten für eine Wiki-Recherche und dann demonstrieren
       sie gegen singende Besatzungssoldaten.
       
       Air Berlin hat Insolvenz angemeldet und Lufthansa scheint den Großteil der
       Maschinen übernehmen zu wollen. Werden dann endlich die Sitze breiter? 
       
       Da es dann auch keine Air-Berlin-Schokoherzen am Ausgang mehr gibt, wird
       der Durchschnittspassagier stark abnehmen und mit einem Schuhlöffel wieder
       reinpassen.
       
       Und was machen die Borussen? 
       
       Tabellenführer. Saison sofort abbrechen.
       
       20 Aug 2017
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Friedrich Küppersbusch
       
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