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       # taz.de -- Kommentar zum Fall Doğan Akhanlı: Opfer des deutsch-türkischen Konflikts
       
       > Erdoğan kennt bei der Verfolgung seiner Kritiker kein Halten, es trifft
       > auch Doğan Akhanlı. Spaniens Justiz sollte sich nicht instrumentalisieren
       > lassen.
       
   IMG Bild: Doğan Akhanlı ist Deutscher – und trotzdem lässt Erdoğan ihn verhaften
       
       Der deutsche [1][Schriftsteller Doğan Akhanlı] dürfte schwer geschockt
       gewesen sein, als spanische Polizisten ihn am Samstag [2][in seinem Hotel
       in Grenada festnahmen]. Zwar lässt die türkische Justiz ihn bereits seit
       Juli 2013 zur Vorführung in einem Strafverfahren suchen. Doch dass dieser
       Haftbefehl im europäischen Ausland Konsequenzen für ihn haben könnte, hätte
       Akhanlı wohl kaum vermutet.
       
       Die [3][türkische Regierung] lässt derzeit nichts unversucht, um angebliche
       Putschisten, angebliche Terroristen und echte Kritiker der Regierung
       [4][auch im Ausland zu verfolgen] und ihre Auslieferung in die Türkei zu
       erreichen. Vor allem die Jagd auf Gülen-Anhänger, die für den Putschversuch
       im letzten Jahr verantwortlich sein sollen, wird weltweit in großem Stile
       betrieben.
       
       Doch weil die Auslieferungsersuchen aus Ankara so unspezifisch sind, ist
       die Türkei bislang nicht weit gekommen mit ihren Wünschen. Weder lieferten
       die Vereinigten Staaten Sektenchef Fethullah Gülen aus noch die
       Bundesrepublik türkische Militärs, die hier Asyl beantragt haben und
       angeblich am Putsch beteiligt gewesen sein sollen.
       
       In diesen Zwist ist jetzt der „Altfall“ Doğan Akhanlı geraten. Entweder
       weil die Türkei alle ihre Festnahmen und Auslieferungsersuchen noch einmal
       mit neuer Dringlichkeit versehen hat – oder weil der türkische Präsident
       Recep Tayyip Erdoğan bewusst Leute in Europa suchen lässt, deren Festnahmen
       den Konflikt mit dem Westen und insbesondere Deutschland eskalieren sollen.
       Doğan Akhanlı hat mit den jüngsten Auseinandersetzungen seit dem
       Putschversuch nichts zu tun, wurde aber zum Opfer des deutsch-türkischen
       Konflikts.
       
       Auf der Strecke bleibt in dieser politischen Auseinandersetzung ein
       geregeltes Rechtsverfahren. Es gibt sicher flüchtige Putschisten, die vor
       ein ordentliches Gericht gehören. Doch um europäische Länder zu einer
       Auslieferung zu bewegen, müssten zumindest stichhaltige Indizien vorgelegt
       werden – und ein unabhängiges Gerichtsverfahren gewährleistet sein. Beides
       ist nicht der Fall. Stattdessen benutzt die türkische Regierung Interpol
       jetzt für die politische Auseinandersetzung.
       
       Dass Akhanlı zunächst auf freien Fuß gesetzt wurde, ist ein gutes Zeichen.
       Es bleibt zu hoffen, dass die spanische Justiz sich nicht
       instrumentalisieren lässt.
       
       20 Aug 2017
       
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