# taz.de -- Diesel-Skandal bei Daimler: Millionen Autos werden nachgerüstet
> Zehntausende Autos ließ Daimler bereits umbauen, um den Schadstoffausstoß
> zu verringern. Nun sollen es mehr als drei Millionen Fahrzeuge werden.
IMG Bild: Der Werkstattbesuch für die Nachrüstung soll weniger als eine Stunde dauern
Stuttgart dpa | Um den Schadstoffausstoß zu verringern, lässt der Autobauer
Daimler europaweit [1][mehr als drei Millionen Diesel-Fahrzeuge von
Mercedes-Benz nachbessern]. Die Aktion ist Teil eines „Zukunftsplans für
Diesel-Antriebe“, die der Vorstand am Dienstag beschlossen hat. Es handle
sich dabei um nahezu alle Fahrzeuge der Abgasnormen EU 5 und 6 in Europa.
Die Aktion soll rund 220 Millionen Euro kosten und in den kommenden Wochen
beginnen. Für die Besitzer der Autos sollen die Änderungen an der Software
kostenlos sein und etwa eine Stunde dauern.
Außerdem plant Daimler eine schnelle Markteinführung seiner neuen
Diesel-Motorenfamilie. Mit dem Zukunftsplan solle das Vertrauen in die
Antriebstechnologie gestärkt werden. „Wir sind überzeugt davon, dass der
Diesel nicht zuletzt wegen seiner niedrigen CO2-Emissionen auch künftig ein
fester Bestandteil im Antriebsmix sein wird“, betonte Vorstandschef Dieter
Zetsche.
Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR hatten vergangene Woche berichtet, dass
mehr als eine Million Daimler-Fahrzeuge mit einer Software programmiert
sein könnten, die Abgaswerte manipuliert. Betroffen seien zwei
Motorklassen, die nun vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) gesondert untersucht
werden sollen. Grundlage des Berichts ist ein Durchsuchungsbeschluss, den
das Amtsgericht Stuttgart im Mai im Zuge der [2][Ermittlungen gegen
Daimler-Mitarbeiter wegen Betrugs und strafbarer Werbung] ausgestellt
hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit März wegen möglichen
Abgas-Betrugs.
Daimler hat immer betont, sich an geltendes Recht gehalten zu haben. Der
Streitpunkt ist – wie bei anderen Herstellern – ein sogenanntes
Thermofenster, das die Abgasnachbereitung in bestimmten Temperaturbereichen
herunterregelt.
Wie auch andere Hersteller hatte sich Daimler mit dem KBA darauf geeinigt,
bestimmte Fahrzeuge freiwillig zurückzurufen, um die Technik anzupassen und
den Ausstoß schädlicher Stickoxide zu reduzieren. Die Zahl von rund 270.000
Fahrzeugen aus der Kompakt- und der V-Klasse, die bereits nachgebessert
werden, wird nun auf gut drei Millionen aufgestockt. Die bayerischen
Autobauer BMW und Audi hatten bereits angekündigt, zur Abwendung drohender
Diesel-Fahrverbote die Hälfte ihrer in Deutschland zugelassenen
Euro-5-Diesel technisch nachzurüsten.
19 Jul 2017
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DIR [1] http://media.daimler.com/marsMediaSite/de/instance/ko/Daimler-Vorstand-beschliesst-umfassenden-Zukunftsplan-fuer-Diesel-Antriebe.xhtml?oid=23005288&ls=L2RlL2luc3RhbmNlL2tvLnhodG1sP29pZD00ODM2MjU4JnJlbElkPTYwODI5JmZyb21PaWQ9NDgzNjI1OCZib3JkZXJzPXRydWUmcmVzdWx0SW5mb1R5cGVJZD00MDYyNiZ2aWV3VHlwZT10aHVtYnM!&rs=0
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