# taz.de -- Kolumne Unter Leuten: Die Jodler aus dem Alpenland
> Nashville, die Country-Stadt: Was ist dran an dem Gerücht, dass eine
> Schweizer Jodlergruppe als Vorbild für Blue Yodeling diente?
IMG Bild: Drei von den „Riders in the Sky“ bei der Grammy-Verleihung 2017: Ranger Doug alias Douglas B. Green ganz links mit Cowboyhut
Als ich in Nashville ankomme, habe ich das Gefühl, ich sei in ein früheres
Kapitel der Musikgeschichte geraten. In den karminroten Klinkerbauten am
Broadway reihen sich Saloons dicht an dicht. Von überall her dringt Musik
durch Schwingtüren und geöffnete Fenster. Bands spielen Country, Western
und Blues.
Wer es im US-amerikanischen Musikbusiness schaffen will, muss nach
Nashville, Tennessee, wo die Major-Labels sitzen. Und wer nur zuhören mag,
ist auch richtig. Schon mittags ist die Stimmung in den Bars so bierselig,
dass massenhaft Jacky-Cola über die Theke geht.
Am Abend besuche ich die „Grand Ole Opry“, die älteste Radioshow der USA.
Johnny Cash, Willie Nelson, sogar Elvis Presley traten hier schon auf. Die
Vorstellung ist ausverkauft, die Stimmung unter den 4.000 Country-Fans am
Kochen – wegen einer vierköpfigen Country-Jodelband. Als die vier Musiker
der Riders in the Sky mit ihren weißen Cowboyhüten die samtrot illuminierte
Bühne betreten, braust Applaus auf. Metallene Gitarrenakkorde, schrille
Jodler, Jubel im Publikum. Woher kommt nur dieser schräge Stil?
Nach der Show treffe ich Ranger Doug, den Chefjodler der Band. Mit den
weißen Haaren unter der breiten Hutkrempe erinnert er an John Ross Ewing
aus der Trashserie „Dallas“. Der Stil heißt Blue Yodeling, erklärt er. Zum
ersten Mal hörte er davon im Radio, als er vier Jahre alt war. Als Vater
des Blue Yodeling gilt die Country-Legende Jimmie Rodgers. Er machte den
Stil in den 30ern groß.
Wie Rodgers aufs Jodeln gekommen ist, will ich wissen. Ranger Doug beugt
sich zu mir, als verrate er ein Geheimnis. Eine Schweizer Jodelgruppe habe
Rodgers darauf gebracht, als sie durch die USA tourte. Das sagen die einen.
Andere behaupten, Minstrels, schwarz geschminkte Varietésänger, hätten
schon im 19. Jahrhundert gejodelt, angeregt von Volksmusikern aus Tirol.
Was stimmt, wisse niemand, sagt Ranger Doug zum Abschied. Für ihn sind
beide Theorien wahr. Und überhaupt – wen interessiert das schon? Die Musik
lebt. Nur das zählt.
23 Jul 2017
## AUTOREN
DIR Philipp Eins
## TAGS
DIR Countrymusic
DIR Filmfestival
DIR Reiseland Jordanien
DIR Sprache
DIR Reiseland Israel
DIR Musik
DIR Reiseland Kolumbien
DIR Uckermark
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Spielfilm „Willie and Me“: Dem Countrystar sein Schuhplattler
Eva Hassmanns „Willie and Me“ wurde nur möglich, weil Willie Nelson selbst
mitspielt. Am Mittwoch eröffnet der Spielfilm das Oldenburger Filmfest.
DIR Kolumne Unter Leuten: In Amman, Jordanien
Heavy Metal in einem arabischen Land ist reichlich ungewöhnlich. Manche
sehen da den Teufel mit im Bunde. Ein Besuch bei der Band Exile.
DIR Kolumne Unter Leuten: Der Jäger der verlorenen Sprachen
Rund 6.000 Sprachen gibt es. Die Hälfte davon ist vom Aussterben bedroht.
Daniel Kaufman kämpft dagegen an, dass sie vergessen werden.
DIR Kolumne Unter Leuten: Reisefreiheit nur für Touristen
Die Grenze zwischen Israel und Palästina ist nicht für jeden durchlässig.
Die einen dürfen nicht nach Israel, und die anderen nicht nach Palästina.
DIR Kolumne Unter Leuten: In New York, USA
Südamerikanischer Sound aus dem Kellergewölbe: Im Hipster-Bezirk
Williamsburg gibt es noch unangepasste Szene-Treffs.
DIR Kolumne Unter Leuten: Kolumbiens Tarzan
Er sieht aus wie eine Kreuzung aus Rolf Eden und Indiana Jones: Kapax ist
ein echter Urwaldheld. Er kämpft mit bösen Männern und Riesenschlangen.
DIR Kolumne Unter Leuten: Ein Ökospießer beim Bauern
„Auf die Stange müssen Se zum Erntedankfest rauf, die Mädels“. Ob er von
seinen Sauen spricht oder seinen Töchtern, ist mir nicht klar.