URI:
       # taz.de -- Zu Besuch bei Trump-Anhängern: Die Gekränkten
       
       > Donald Trump ist aggressiv, sprunghaft, verletzend. Seine Umfragewerte
       > sinken. Aber viele US-Amerikaner halten weiter zu ihm. Was sind das für
       > Leute?
       
   IMG Bild: Die Meisten, die Trump gewählt haben, finden ihn heute immer noch gut
       
       Samuel Cosmano freut sich. „Ist er nicht peinlich?“ Er grinst. „Ist er
       nicht wirklich sehr peinlich?“ Das Grinsen wird breiter. „Er ist kein
       toller Redner, er ist kein Politiker.“ Kunstpause. „Und das gefällt mir.“
       Die Rede ist von Donald Trump, und eigentlich sollte es keine Überraschung
       sein, dass dieser Betreiber einer Autowaschanlage den US-Präsidenten
       großartig findet. Immerhin hat er schon vor einem Jahr angekündigt, bei den
       Wahlen für ihn zu stimmen.
       
       Aber es erstaunt dann doch, dass er ihn noch immer unterstützt. Der
       51-jährige fröhliche Mann, der mit seinen braunen Wuschellocken mindestens
       zehn Jahre jünger aussieht, entspricht so gar nicht dem Bild des typischen
       Wählers von Donald Trump. Entspannt wirkt er, nichts ist zu spüren von der
       Wut über die Verhältnisse und die politische Klasse, die so viele andere
       Anhänger von Trump auf Kundgebungen laut hinausschreien.
       
       Wo sollte die Wut auch herkommen? Familienvater Cosmano ist erfolgreich,
       gerade überlegt er, einen zweiten Betrieb zu eröffnen. Er lebt in East
       Aurora, einer reichen, friedlichen Kleinstadt im Norden des – von
       US-Demokraten regierten – Bundesstaats New York. Was hat er eigentlich
       gegen das sogenannte Establishment? Die Antworten sind vage. Die Steuern
       seien zu hoch, der Staat mische sich in zu viele Dinge ein.
       
       Alte Freunde fanden das nicht überzeugend. Mit Klassenkameraden, die er
       seit Jahrzehnten regelmäßig traf, hat Cosmano sich zerstritten, als er
       ankündigte, Trump wählen zu wollen. „Sie wurden sehr aggressiv.“ Der
       Kontakt wurde abgebrochen, abrupt und böse. „Nach einigen Monaten haben wir
       uns irgendwie versöhnt, aber wir meiden seither politische Themen.“
       
       ## „Das ist ein Geschäftsmann, okay?“
       
       Das ist in den Vereinigten Staaten derzeit oft zu hören, von Demokraten und
       von Republikanern. Bloß nicht mehr über Politik reden, das kann zu
       Verletzungen führen, die schwer heilbar sind. Liegt das nicht vor allem
       daran, dass Donald Trump selbst oft so verletzend und aggressiv
       argumentiert?
       
       Samuel Cosmano winkt ab. Er sieht mindestens ebenso viel Schuld bei der
       Gegenseite. „Die Demonstranten in Berkeley und anderswo machen doch genau
       das, wogegen sie behaupten zu kämpfen.“ Worauf er anspielt: Im Februar
       haben – teils gewaltsame – Proteste dazu geführt, dass ein geplanter
       Auftritt des rechtspopulistischen Bloggers Milo Yiannopoulos an der
       Universität Berkeley kurzfristig abgesagt wurde.
       
       Cosmano hat einen ausgeprägten Sinn für Ironie. Im Unterschied zum
       US-Präsidenten. Wie erträgt er dessen grobschlächtige Art? Er lacht. „Das
       ist ein Geschäftsmann, okay? Er kann sagen: ‚Wir handeln nicht mehr mit
       China.‘ Und nächstes Mal stellt er Bedingungen. Das ist ein Werkzeug für
       Verhandlungen, nichts sonst.“
       
       So sehen andere das ebenfalls, die in East Aurora zur gut verdienenden
       Mittelschicht gehören und mit denen Cosmano gelegentlich ein Bier trinkt.
       Der Rechtsanwalt Mark Adrian und der frühere Immobilienmakler Harvey
       Shymanski, der sich zur Ruhe gesetzt hat, tauschen ein wissendes Lächeln
       bei der Frage, ob Donald Trump nicht bedrohlich häufig auf den Nerven
       seiner Gesprächspartner herumtrample.
       
       „Wenn du Geschäfte machst, dann sitzt du nicht da und sagst deinem
       Gegenüber die Wahrheit“, erklärt der 64-jährige Shymanski. „Das ist ein
       strategischer Zug. Teil eines Spiels.“ Der Anwalt nickt: „Die Demokraten
       begreifen es nicht. Er sagt all diese Dinge, um die Reaktionen zu
       beobachten. Er prüft die Wassertemperatur.“
       
       ## Die Aktien laufen gut
       
       Beide halten die Grobheiten des Präsidenten – sowohl die im Netz als auch
       die im wahren Leben – für eine geschickte Taktik, und beide sagen, sie
       hätten selbst schon häufig ähnlich agiert. Mit großem Erfolg. Mark Adrian:
       „Als er gesagt hat, die Nato sei überflüssig, da waren die Verbündeten
       plötzlich bereit, die zwei Prozent zu zahlen. Vorher nicht.“
       
       Das ist eine verkürzte Zusammenfassung der europäischen Reaktionen auf die
       Forderung des US-Präsidenten, alle Nato-Partner sollten ab sofort zwei
       Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Rüstung ausgeben. Was stimmt:
       Viele Regierungen, darunter auch die deutsche, haben Entgegenkommen und
       eine grundsätzliche Bereitschaft zur Erhöhung ihrer Rüstungsausgaben
       signalisiert. Wenn man ein Anhänger von Donald Trump ist, dann kann man das
       mit gutem Grund für einen Erfolg halten.
       
       Auch Mark Adrian und Harvey Shymanski haben bereits vor einem Jahr mit der
       Reporterin zusammen gesessen. Schon damals waren sie sich einig: Sie würden
       bei den Präsidentschaftswahlen für Donald Trump stimmen. Ihm trauten sie
       eine Belebung der Wirtschaft und Erfolge im Kampf gegen Terrorismus und
       Kriminalität zu. Und heute? Sind Adrian und Shymanski enttäuscht? Nein.
       „Bisher bin ich sehr zufrieden“, erklärt der 62-jährige Anwalt spöttisch.
       „Meine Aktien laufen gut.“
       
       Das klingt provozierend, und das ist vermutlich auch so gemeint. Adrian
       erweckt den Eindruck, gern mit dem Klischee zu spielen, dem zufolge alle
       Wählerinnen und Wähler von Trump entweder zur bildungsfernen, abgehängten
       Schicht der Gesellschaft gehören oder ausschließlich daran interessiert
       sind, sich persönlich zu bereichern. Dass diese Vorstellung falsch ist,
       liegt auf der Hand.
       
       Es ist eine einfache Rechenaufgabe – mit diesen Gruppen allein lassen sich
       keine Präsidentschaftswahlen gewinnen. Ja, Donald Trump hat seit seinem
       Amtsantritt viele Sympathien eingebüßt und anhaltend schlechte
       Umfragewerte. Einerseits. Wahr ist andererseits aber auch: Rund 40 Prozent
       der Bevölkerung unterstützt ihn. Unbeirrt.
       
       ## Politische Kontroversen im Eheleben
       
       Wer sind diese Leute? Und wie viele von denjenigen, die vor einem Jahr der
       Reporterin erklärt haben, Donald Trump wählen zu wollen, bedauern das
       inzwischen? Um das Ergebnis der Recherche vorwegzunehmen: Kein Einziger und
       keine Einzige. Niemand hat seine oder ihre Meinung im Laufe des letzten
       Jahres geändert. Was vielleicht daran liegt, dass die eigene Position
       ziemlich gefestigt sein muss, bevor man sich überhaupt zu einem
       ausführlichen politischen Interview bereit erklärt. Andernfalls hätte es
       Verschiebungen im Meinungsgefüge geben müssen. Denn es ist ja nicht so, als
       ob alle Republikaner geschlossen und in Treue fest hinter dem Präsidenten
       stünden. Im Gegenteil. Auch neue Freunde scheint er nicht zu gewinnen – wer
       ihn vor einem Jahr unerträglich fand, mag ihn noch immer nicht.
       
       Zum Beispiel Jen Griesbaum, eine 42-jährige Angestellte in der Großstadt
       Buffalo im Staat New York. Sie und ihr Mann, der Computertechniker Chris
       Griesbaum, 43, sind eingefleischte Republikaner. Er hat Trump gewählt, sie
       nicht. Und seit er im Amt ist, fühlt Jen Griesbaum sich bestätigt: „Er
       versucht ja nicht einmal zu regieren. Er unterschreibt nur Erlasse.“ – „Das
       könnte auf lange Sicht zum Problem werden“, meint auch ihr Mann. Aber ihm
       gefallen schnelle Urteile nicht: „Er steht doch noch ganz am Anfang.“
       
       Sie: „Er hat Probleme mit der Impulskontrolle.“ Er nickt: „Twitter.“ Sie:
       „Bei allen früheren Präsidenten – selbst bei Obama, und der hat mir
       Schauer über den Rücken gejagt – habe ich gewusst, dass ihnen das Wohl des
       Landes am Herzen lag. Bei Trump geht es immer nur um me, me, me. Um mich,
       um mich, um mich.“ Er schweigt. Ziemlich lange. Dann: „Aber ich glaube,
       dass er manches auch richtig macht.“ Was genau? Er schweigt erneut. Er
       versinkt in Schweigen.
       
       Bei manchen Ehepaaren schienen politische Kontroversen eigentlich
       vorprogrammiert zu sein. Die Rechtsanwältin Margot Bennett ist seit
       Jahrzehnten überzeugte, engagierte Demokratin. Im letzten Jahr hat sie den
       Republikaner Mark Mitschow geheiratet, einen Professor für Rechnungswesen.
       Die beiden müssen sich sehr lieben – sie wussten ja, worauf sie sich
       einließen.
       
       ## Einigkeit über Parteigrenzen hinweg
       
       Als der republikanische Präsident Ronald Reagan gewählt wurde, trug Margot
       Schwarz – aus Trauer. Mark hingegen wartete beim Tod von Reagan acht
       Stunden in einer Schlange, um sich in ein Kondolenzbuch eintragen zu
       können. Was für eine Voraussetzung für eine Ehe! Und jetzt? Krieg? Morgens,
       mittags, abends? Nein. Annäherung.
       
       Margot Bennett würde Trump noch immer nicht wählen, bestimmt nicht. Aber:
       „Ich mag die Art nicht, wie manche Demokraten jetzt Trump-Anhänger
       dämonisieren. Das ist arrogant und respektlos. Viele Feuerwehrleute,
       Pfleger und Sozialarbeiterinnen, die ich kenne und mit denen ich beruflich
       zu tun habe, haben Trump gewählt. Das sind anständige, intelligente Leute.
       Es ist einfach billig, die alle als unwissende Idioten diffamieren.“
       
       Ihr Ehemann Mark Mitschow – der sich selbst als libertär bezeichnet – hat
       Trump nicht gewählt, und er hatte es niemals vor. Aber er sagt auch: „Es
       ist inzwischen möglich, 2.400 Meilen von Pensacola in Florida nach Coeur
       d’Alene in Idaho zu fahren, ohne durch eine einzige Gemeinde zu kommen, die
       von den Demokraten gewonnen wurde. Die Demokraten haben die ganze Mitte des
       Landes ignoriert.“
       
       Der Rechtsanwalt Mark Adrian hatte den Sieg von Donald Trump ebenfalls mit
       den fly-over-states – den Staaten, über die man hinwegfliegt – erklärt.
       Dass die Demokraten im Wahlkampf schwere Fehler gemacht haben: Das
       zumindest ist eine Einsicht, auf die sich derzeit wohl eine große Mehrheit
       der US-Bevölkerung einigen könnte. Über Parteigrenzen hinweg.
       
       Einige Gesprächspartner hat die Reporterin jetzt zum ersten Mal getroffen.
       Die 58-jährige Lehrerin Mary Stange-Cooke zum Beispiel. Die langjährige
       Stadträtin einer Gemeinde in der Nähe von Buffalo hat für Trump gestimmt,
       weil sie ganz grundsätzlich den Einfluss des Staats begrenzen will,
       übrigens durchaus im Einklang mit dem, was sich die Gründerväter bei der
       Unabhängigkeitserklärung im 18. Jahrhundert vorgestellt hatten. Und weil
       sie immer wütender wurde über die Berichterstattung liberaler Medien mit
       großer Reichweite: „Ich fühlte mich manipuliert – und wurde sauer.“
       
       ## Trump wählen als Experiment
       
       Oder der 20-jährige Jamison Garvey, Student der Politischen Wissenschaften,
       der letztes Jahr erstmals wählen durfte. Und Donald Trump gewählt hat: „Er
       ist ein Experiment.“ Vielleicht muss man 20 Jahre alt sein, um das im
       Zusammenhang mit dem Amt des US-Präsidenten reizvoll zu finden. Unter
       seinen Altersgenossen gehört er übrigens zu einer Minderheit: „Ja, das
       genieße ich, es macht Spaß.“
       
       Auch der mittelständische Unternehmer Rick Finesen hat Donald Trump
       gewählt. Er ist 51 Jahre alt, Vater von fünf Kindern, streng katholisch.
       Wirkt bedächtig, abwägend, er setzt sich mit Gegenargumenten auseinander.
       Eigentlich läuft es für ihn gerade ziemlich gut. Schöne Villa am Rande von
       Buffalo, großer Garten, die Auftragszahlen steigen. Dennoch ist bei ihm
       eine tiefsitzende Aggression zu spüren. Allzu viel werde Leuten geschenkt,
       die gar nicht bereit seien zu arbeiten. Beispiel Krankenversicherung.
       „Obamacare“ – einfach ungerecht sei das. Er habe nichts gegen einen
       Notfallplan für alle. Aber wenn alle Gesundheitsrisiken abgedeckt würden:
       Das fände er falsch.
       
       „Ich habe nicht mehr als höchstens 20.000 Dollar auf der Bank. Letztes Jahr
       bin ich zwei Tage mit Schmerzen in der Brust herumgelaufen, weil ich Angst
       hatte, dass mich ein Klinikaufenthalt ein paar tausend Dollar kosten
       würde.“ Schließlich fuhr er dann doch ins Krankenhaus. Seine Befürchtungen
       erwiesen sich in finanzieller Hinsicht als berechtigt. Warum ist er dann
       trotzdem gegen eine allgemeine Krankenversicherung?
       
       Pause. Lange Pause. „Ich glaube, ich vertraue ganz einfach der Regierung in
       dieser Hinsicht nicht. Also: dass sie das seriös verwalten könnte. Die
       Leute, mit denen ich mich politisch gut verstehe, glauben, dass die
       Versicherungsgesellschaften und die Pharmakonzerne alle in der Hand haben.
       Die Führungsspitzen beider Parteien.“
       
       Das kann man falsch finden. Aber kann man es wirklich für naiv halten? Oder
       gar für reaktionär?
       
       ## Die Hoffnung ist evangelikal, homophob, witzig
       
       Ortswechsel. West Virgina, einer der ärmsten Bundesstaaten der USA. Der –
       neben einigen Einnahmen aus dem Tourismus – überwiegend von Kohle lebt.
       Wenig erstaunlich, dass Hillary Clinton mit ihrer Kampagne für erneuerbare
       Energien hier nicht punkten konnte.
       
       Conrad Lucas ist Vorsitzender der Republikaner in diesem Staat. Vor einem
       Jahr hat er gesagt: „Ich bin 34 und die große Hoffnung meiner Partei in
       West Virginia. Wenn Hillary Clinton ins Weiße Haus einzieht und dort
       womöglich acht Jahre bleibt – dann bin ich 42 und jemand anders ist 34
       Jahre alt und die große Hoffnung der Republikaner.“
       
       Hillary Clinton ist nicht Präsidentin geworden. Lucas ist inzwischen 35
       Jahre alt und erwägt, bei den Zwischenwahlen im kommenden Jahr für den
       Kongress zu kandidieren. Seine Familie hat sich hier vor einigen hundert
       Jahren angesiedelt. Er ist – oder gibt sich – evangelikal, homophob,
       reaktionär. Hat also gute Aussichten in seiner Partei.
       
       Ein kleines Problem: Er ist auch witzig, sarkastisch, intelligent. Und er
       darf keine dieser Fähigkeiten gegen Donald Trump einsetzen, denn der wird
       bislang eben doch von so vielen Republikanern unterstützt, dass gegen
       seinen politischen Kurs keine Kandidatur erfolgreich sein könnte. Conrad
       Lucas sagt kein Wort gegen den US-Präsidenten. Aber nicht immer kann er der
       Versuchung widerstehen, eine differenzierte Analyse abzuliefern. „Der
       Übergang von einem Geschäftsmann zu einem Politiker ist immer besonders
       schwierig“, sagt Lucas, Absolvent der Eliteuniversität Harvard. „Im
       Geschäftsleben gibt es eine Fülle von Handlungsmöglichkeiten, aber nur
       wenige Ziele. In der Politik gibt es ebenfalls eine Fülle von
       Handlungsmöglichkeiten – und unüberschaubar viele Ziele.“
       
       Eine kluge Definition von Politik, vor allem von Außenpolitik. Die eine
       scharfe Kritik an Donald Trump enthält. Lucas formuliert ja hier die
       Gegenposition zu der Ansicht der Honoratioren von East Aurora, denen
       zufolge Dreistigkeit genügt, um zu erreichen, was man will. Er fordert eine
       klare Priorisierung politischer Ziele – also das Gegenteil von der wirren
       Sprunghaftigkeit, für die Donald Trump steht.
       
       Aber merkt das jemand? Wer interessiert sich schon für Außenpolitik? Je
       länger und je häufiger man mit Anhängerinnen und Anhängern von Trump redet,
       desto deutlicher wird: Der US-Präsident richtet seinen Blick nach innen –
       und so wird er auch verstanden. Ob er nach Saudi-Arabien reist oder zum
       G20-Gipfel nach Hamburg, letztlich geht es immer nur um Innenpolitik.
       
       ## Auf einmal ist es vorbei mit der Freundlichkeit
       
       Der Bürgermeister von Charleston, der Hauptstadt von West Virginia, war
       seit 1971 ein Republikaner. Im letzten Jahr ist der 66-jährige Danny Jones
       aus der Partei ausgetreten, und für Donald Trump hat er nicht gestimmt. „Er
       bedient die niedrigsten Instinkte der Leute“, meint Jones. „Ich glaube, er
       spinnt. Er ist ein Narzisst.“
       
       Danny Jones ist viermal zum Bürgermeister gewählt worden, zum ersten Mal
       2003. Häufiger als alle seine Vorgänger. Er hat alles gewonnen, was er
       gewinnen wollte. Er will nichts mehr werden, und er hat nichts mehr zu
       verlieren. Die Stimmung während des Interviews ist entspannt und
       freundlich. Jones hat keine Scheu, den Präsidenten offen und direkt zu
       kritisieren. Dann die Frage: Ruiniert das Auftreten von Donald Trump nicht
       gerade das Verhältnis zu den engsten Verbündeten, nämlich zu Europa? Auf
       einmal ist es vorbei mit der Freundlichkeit. Danny Jones: „Es ist mir
       wurscht, was Europäer denken. Ich interessiere mich für mein Aktienpaket,
       für finanzielle Fragen.“ Dann wird er, ganz plötzlich und überraschend,
       sehr aggressiv: „Es ist mir echt egal.“
       
       Das klingt vertraut, alarmierend vertraut. In East Aurora hat genau
       dieselbe Frage eine ähnliche Reaktion hervorgerufen. Ausgerechnet der
       ehemalige Immobilienmakler Harvey Shymanski, der während des Gesprächs
       stets verbindlicher als seine Freunde blieb und über kritische Fragen
       länger nachdachte, wurde plötzlich ganz kalt. Verschränkte die Arme. Wurde
       – ja: Anders als feindselig lässt sich seine Haltung kaum beschreiben. „Ich
       bin nicht sicher, dass mir das wichtig ist. Unsere Beziehung zu Europa ist
       mir gleichgültig.“
       
       Auch der Unternehmer Rick Finesen in Buffalo war scharf geworden: „Es ist
       mir egal, ob der Rest der Welt über uns lacht. Völlig. Ich denke, die USA
       können auch allein klarkommen. Die europäische Politik ist ein Witz. Ein
       sozialistischer Weg, der geradewegs zu sowjetischen Verhältnissen führt.“
       
       Es scheint ziemlich viele Leute zu geben, die auf Europa schon lange wütend
       sind. Die Ansicht ist weit verbreitet: Wenn es brenzlig wird, erwarten die
       Verbündeten Hilfe, in ruhigen Zeiten meckern sie herum. Die Kränkung sitzt
       tief. Donald Trump dürfte das wissen.
       
       Die Autorin ist politische Korrespondentin der taz. Seit zehn Jahren
       recherchiert sie in der US-amerikanischen Provinz.
       
       18 Jul 2017
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bettina Gaus
       
       ## TAGS
       
   DIR Lesestück Recherche und Reportage
   DIR Donald Trump
   DIR Demokraten
   DIR Republikaner
   DIR Schwerpunkt USA unter Trump
   DIR Recherchefonds Ausland
   DIR USA
   DIR Schwerpunkt USA unter Trump
   DIR Schwerpunkt USA unter Trump
   DIR Indonesien
   DIR Obamacare
   DIR Schwerpunkt USA unter Trump
   DIR Jeff Sessions
   DIR Donald Trump junior
   DIR Schwerpunkt USA unter Trump
   DIR Donald Trump
   DIR US-Kongress
   DIR Donald Trump junior
   DIR Schwerpunkt USA unter Trump
   DIR Schwerpunkt USA unter Trump
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Trump plant große Militärparade: Von Paris lernen, heißt siegen lernen
       
       Der US-Präsident war dabei, als Macron anlässlich des französischen
       Nationalfeiertags in einem offenen Militärjeep die Parade abnahm. Jetzt
       will er auch.
       
   DIR Reformpläne in den USA: Trump macht sich die Steuern schön
       
       Keine Erbschaftssteuer, keine Grundsteuer: Die Reformen des Präsidenten
       sollen vor allem Wohlhabenden zugute kommen. Also auch ihm selbst.
       
   DIR Trumps Ex-Wahlkampfmanager: Hausdurchsuchung durch FBI
       
       In der Russland-Affäre ist Paul Manafort eine Hauptfigur. Er pflegte gute
       Kontakte nach Moskau. Als das FBI sein Haus durchsucht, zeigt sich der Ex
       von Trump kooperativ.
       
   DIR Immobiliengeschäfte des US-Präsidenten: Bali wehrt sich gegen Trump Tower
       
       Der US-Präsident und sein indonesischer Partner wollen auf der
       Paradiesinsel einen Hotelturm bauen – obwohl er gegen Bauvorschriften
       verstößt.
       
   DIR Abstimmung im US-Senat: Wieder Mehrheit für „Obamacare“
       
       Mit aller Macht wollten die Republikaner endlich die ihnen so verhasste
       Krankenversicherung ändern. Sie scheitern am Widerstand in den eigenen
       Reihen.
       
   DIR US-Senat debattiert Gesundheitsreform: Schon das Reden darüber ist strittig
       
       Der US-Senat entscheidet knapp, über ein Gesundheitsgesetz zu debattieren.
       Gleich zu Beginn scheiterte dann eine Abstimmung in der Sache.
       
   DIR Kommentar Trumps Staatsverständnis: Im Zweifel für die Loyalität
       
       US-Präsident Donald Trump bleibt sich treu: Was er der „New York Times“ zum
       Besten gab, ist letztlich eine Aufforderung zur Rechtsbeugung.
       
   DIR Der US-Präsident als „Julius Caesar“?: Trump, Theater, Tyrannenmord
       
       Über die Verengung der Möglichkeitsräume in der Inszenierung von Donald
       Trump. Ein Essay aus theaterhistorischer Perspektive.
       
   DIR Neuer Russland-Botschafter der USA: Der „Schwache“ soll es richten
       
       Mit Jon Huntsman soll ein erfahrener Diplomat nach Moskau gehen. Seine
       Nominierung muss noch vom Senat bestätigt werden.
       
   DIR Russland-Affäre im US-Wahlkampf: Trump bricht mit Justizminister
       
       Jeff Sessions Rückzug aus den Russland-Ermittlungen wegen Befangenheit
       bezeichnet Trump als „extrem unfair“. Hätte er das gewusst, hätte er ihn
       nie nominiert.
       
   DIR Russland-Affäre in den USA: Trump setzt Sonderberater ein
       
       Im US-Kongress untersuchen mehrere Ausschüsse, ob es geheime Absprachen
       gegeben hat. Nun setzt US-Präsident Trump einen Juristen als Vermittler
       ein.
       
   DIR Kontakte des Trump-Teams zu Russland: Der Junior hat die Finger im Spiel
       
       Im Juni 2016 trafen sich Trumps Sohn und Schwiegersohn mit einer russischer
       Anwältin, die Kontakt zum Kreml hat. Es soll um die Clinton-Kampagne
       gegangen sein.
       
   DIR Donald Trumps Wählerschaft: Einer wie wir – nur reicher
       
       Im US-Bundesstaat West Virginia hat die Bevölkerung jeden Grund, wütend zu
       sein. Ein guter Ort, um zu fragen, warum Menschen Trump wählen.
       
   DIR US-Vorwahlen im Bundesstaat New York: Eine schwierige Wahl
       
       Trump-Anhänger, die mit College-Abschlüssen prahlen und Sanders-Fans, die
       nicht für ihn stimmen: Der Bundesstaat New York zeigt sich gespalten.