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       # taz.de -- Beckenbauer und WM-Vergabe 2018/22: Kaiser der Korruptionäre
       
       > Der Garcia-Report zur Vergabe der WM-Turniere nach Russland und Katar ist
       > öffentlich. Franz Beckenbauer ist der Star darin. Hier die schönsten
       > Stellen.
       
   IMG Bild: Brüder im Geiste: Joseph „Sepp“ Blatter (l.) und Franz „der Kaiser“ Beckenbauer
       
       Berlin taz | Nun wissen wir also, was die Fifa alles weiß über die Vergabe
       der WM-Turniere 2018 und 2022. Der Bericht des amerikanischen Juristen
       Michael Garcia, der im Auftrag der Fifa versucht hat, herauszubekommen, mit
       welchen Mitteln die Bewerber versucht haben, an das Turnier zu kommen, ist
       öffentlich zugänglich.
       
       Seit 2014 liegt der Bericht vor. Nun ist das Werk öffentlich. Was
       drinsteht, hat man in vielen Fällen schon gewusst oder zumindest geahnt.
       Dass die Kataris vor allem dort spendabel waren, wo stimmberechtigte
       Mitglieder der Fifa-Exekutive herkamen etwa. Oder dass eine
       Millionenzahlung auf das Konto der zehnjährigen Tochter des brasilianischen
       Superkorruptionärs Ricardo Teixeira eingegangen ist.
       
       Besonders intensiv befasst sich der Bericht mit dem ehemaligen Kaiser und
       früheren Mitglied der Fifa-Exekutive, Franz Beckenbauer, über den sich die
       Ermittler um Garcia offenbar wahnsinnig geärgert haben, weil der ihre
       Fragen partout nicht beantworten wollte. Am Ende sah sich die
       Ethikkommission der Fifa sogar gezwungen, Beckenbauer für 90 Tage vom
       Fußball auszusperren.
       
       Beckenbauer ist der Star des Reports. Allein im ersten Teil des Berichts,
       der sich mit der Bewerbung Australiens, der niederländisch-belgischen, der
       englischen, der spanisch-portugiesischen, der japanischen, der koreanischen
       sowie der aus Katar befasst, wird der Name Beckenbauers 154-mal genannt,
       während der Name des damaligen Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter nur
       85-mal fällt.
       
       ## Wie alt war ihre Großmutter?
       
       Wie süffisant ein Fifa-Bericht sein kann, sei an dieser Stelle ausführlich
       dokumentiert: „Herr Beckenbauer soll gesagt haben, er habe es abgelehnt,
       die Fragen der Ermittlungskammer zu beantworten, weil man ihm diese Fragen
       in juristischem Englisch übermittelt habe und weil die Ermittlungskammer
       seiner Bitte, die Fragen auf Deutsch zu erhalten, verweigert hat. Aber Herr
       Beckenbauers Bitte, die Fragen schriftlich zu erhalten, die er in einem
       Brief auf Englisch gestellt hat, in einer Sprache, die in den biografischen
       Angaben auf der Fifa-Website als eine aufgeführt ist, welche er beherrscht,
       dieser Brief enthielt keine Bitte nach Fragen in deutscher Sprache.“
       
       Wie Beckenbauer in den Medien über die Fifa-Ermittler gewitzelt hat, ist
       auch nicht gerade gut angekommen: „Herr Beckenbauer soll gesagt haben, dass
       sich unter den 130 Fragen, die ihm gestellt wurden, auch solche befunden
       hätten wie: ‚Wie alt war ihre Großmutter, als die gestorben ist?‘ Das ist
       nicht korrekt – und zwar keinesfalls nur im wörtlichen Sinn.“
       
       Dass Beckenbauer von den WM-Werbern aus Japan einen Ball aus edelstem
       japanischen Zedernholz im Wert von damals 1.200 Dollar geschenkt bekommen
       hat und seine Frau einen Schmuckanhänger im Wert von 700 Dollar, gehört
       unter die Art von Geschenken, die die Freundschaft zwischen
       Fifa-Funktionären erhalten.
       
       ## Privat und geschäftlich verbandelt
       
       Auch die Freundschaft Beckenbauers zu Sportmanager Fedor Radmann wird
       ausführlich analysiert. Radmann war Berater für die WM-Bewerbung
       Australiens. Beckenbauer, nicht nur privat, sondern auch geschäftlich mit
       Radmann verbandelt, hat dazu Folgendes zu sagen: „Ja, ich war zur Zeit des
       Bewerbungsprozesses in Kontakt mit Fedor Radman. Dabei haben wir
       hauptsächlich über private Dinge gesprochen. Wenn es um die WM-Bewerbungen
       für 2018 und 2022 ging, hat mich Fedor Radmann von den Vorzügen der
       australischen Bewerbung zu überzeugen versucht.
       
       Darüber hinaus habe ich Radmann auf diversen Fifa-Veranstaltungen im
       Zusammenhang mit dem Bewerbungsprozess getroffen und habe mit ihm zusammen
       im Oktober den Emir von Katar besucht.“ Die engen Bande zwischen
       Beckenbauer und Radmann bewogen Garcia dazu, von „Zweifeln an der
       Integrität des Bewerbungsverfahrens“ zu sprechen. Erwähnung findet auch
       Beckenbauers Engagement als Partner der russischen Gasindustrie.
       
       Die Zusammenarbeit wurde mehr als ein Jahr nach der WM-Vergabe im Dezember
       2008 beschlossen. Auch wenn kein direkter Zusammenhang mit Beckenbauers
       Stimmabgabe nachgewiesen werden konnte, trotzdem hat es der Ex-Kaiser auch
       im Teil des Berichts, der sich mit Russlands erfolgreicher WM-Bewerbung
       befasst, zu einer Hauptrolle gebracht.
       
       28 Jun 2017
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Rüttenauer
       
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