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       # taz.de -- Der Berliner Wochenkommentar II: Kein Gefühl für Gefühle
       
       > Auf die geplante Märkische Kreisgebietsreform reagieren viele
       > Brandenburger emotional. Das kann man gut nachvollziehen.
       
   IMG Bild: Schön anzusehen, aber im bürokratischen Alltag schwierig zu bewältigen: Brandenburger Weite.
       
       Rein zahlenmäßig ist das alles nachvollziehbar, was die rot-rote
       Brandenburger Landesregierung plant und was auch die heute oppositionelle
       CDU vor Jahren noch für gut zu halten schien: Angesichts sinkender
       Einwohnerzahlen im von der Fläche her größten ostdeutschen Bundesland, auch
       die Zahl von Behörden und Verwaltungsstellen zu verringern. Derzeit gibt es
       noch annähernd 2,5 Millionen Brandenburger, 2030 sollen es nur noch rund
       2,25 Millionen sein, von denen sich immer mehr im boomenden Potsdam und im
       sonstigen Berliner Umland ballen.
       
       Rein zahlenmäßig liegt es dann nahe, aus bislang 14 Kreisen und ihren
       Verwaltungen 11 zu machen und die bislang kreisfreien Städte Brandenburg,
       Cottbus und Frankfurt ihrem Umland zuzuschlagen. Sonst müssten immer
       weniger Einwohner gleichviele Beamte bezahlen.
       
       Rein zahlenmäßig ein Land und seine Einwohner zu betrachten, lässt aber die
       Gefühlslage außer acht. Es sind ja nicht nur die auch jetzt schon nicht
       immer kurzen Wege zur zuständigen Behörde, die nach der Reform länger
       würden, und wo man sagen könnte: Ins Auto setzen müssen sich die Leute auf
       dem Land sowieso oft, da sind dann 20 Kilometer mehr alle paar Monate auch
       keine große Sache.
       
       Doch verschwindet die gewohnte Außenstelle der Behörde, hinterlässt das
       eben bei vielen Menschen ein Gefühl des Abgehängtseins. Ein Vor-Ort-Büro
       mit seinem Sachbearbeiter, so klein es auch sein mag, es symbolisiert den
       oft kritisierten, fern wirkenden Staat, gibt ihm ein Gesicht.
       
       ## Mantra von der digitalen Zukunft
       
       Viele Analysen des AfD-Wahlerfolgs in Mecklenburg-Vorpommern, einem
       Bundesland das ebenfalls mit sinkender Einwohnerzahl zu kämpfen hatte,
       zeigten, dass oft gerade solche Veränderungen die Leute der AfD in die Arme
       trieben. Auch das Mantra von der digitalen Zukunft ohne Behördengang hilft
       da nicht: Wer sich mit dem Computer ohnehin schwer tut, aber stets
       vorgekaut bekommt, dass das doch eigentlich alles so einfach sei, der fühlt
       sich gleich doppelt benachteiligt.
       
       Um zu verhindern, dass Brandenburg zur „angeschlossenen Landschaftspflege“
       von Berlin wird, wie es der frühere Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) mal
       ausdrückte, müsste eine Landesregierung die Leute vielmehr dafür belohnen,
       auch in abgelegenen Region wohnen zu bleiben, statt sie durch Behördenabzug
       und weite Wege zu bestrafen. Natürlich kostet das pro Kopf zunehmend mehr.
       Aber ein Land ist eben mehr als ein mit Kennzahlen zu erfassender Betrieb –
       seine Seele zu pflegen, hat seinen Preis.
       
       4 Jun 2017
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Stefan Alberti
       
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