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       # taz.de -- Zukunft des Görlitzer Parks in Berlin: Kommt Zeit, kommt Rat
       
       > Ein Parkrat aus Anwohner*innen und Initativen soll die Zukunft des
       > Görlitzer Parks mitgestalten. Am Montag fand ein erstes – reichlich
       > chaotisches – Treffen statt.
       
   IMG Bild: Der neue Spielplatz soll nur der Anfang sein: Der Gründungsrat hat Pläne für den Görlitzer Park
       
       „Ich bin selber chaotisch, deswegen passe ich ja nach Kreuzberg“, sagt
       Cengiz Demirci, seit November 2016 [1][Parkmanager des Görlitzer Parks in
       Kreuzberg]. Dass er damit Recht hat, beweist die Veranstaltung, zu der er
       am Montagabend geladen hat, und die mit dem Wort „chaotisch“ sehr treffend
       beschrieben ist: Anwohner*innen und in der Nachbarschaft engagierte
       Initiativen sollen einen Gründungsrat für den Görlitzer Park wählen – jenen
       Park, dessen Image sich hauptsächlich aus den Schlagwörtern
       Drogenumschlagplatz, Dreck und Kriminalität zusammensetzt.
       
       Der Gründungsrat soll den Weg bereiten und die Satzung schreiben für einen
       noch zu wählenden Parkrat, der seinerseits die aus Anwohner*innen und
       Bezirksamtsmitarbeiter*innen bestehende Arbeitsgruppe (AG) Görlitzer Park
       ablösen soll. Die hatte in den vergangenen Monaten ein Handlungskonzept für
       den Park erarbeitet und auch schon erste Maßnahmen umgesetzt, [2][ein
       Toilettenhäuschen] etwa oder einen neuen Kinderspielplatz.
       
       Nun also die [3][Wahl zum Gründungsrat]. Etwa 40 Menschen haben sich am
       Montagabend in der Emmaus-Kirche am Lausitzer Platz versammelt. Einige
       stehen in Gruppen herum, andere studieren die Liste der Kandidat*innen an
       den Stellwänden, die kreuz und quer im Saal verteilt sind. Der Gründungsrat
       soll am Ende aus zwei Personen aus der AG, vier Vertreter*innen von
       Initiativen und fünf Anwohnervertreter*innen bestehen.
       
       Wahlberechtigt ist jeder, der zur Tür reinkommt. „Es kommt ja sowieso
       niemand aus Prenzlauer Berg her, um mit abzustimmen“, sagt Demirci und
       grinst. „Na, also wir haben ganz Brandenburg mobilisiert“, sagt die Frau
       neben ihm und lacht – Monika Weber, eine Kandidatin der Anwohner*innen.
       
       Leute kommen und gehen, werfen Stimmkarten in eine Box, verlassen die
       Kirche. Ginge es nach Demirci, würden sie bleiben: Auf zwei Stunden hat er
       die Veranstaltung ausgelegt, die Kandidat*innen sollen sich vorstellen.
       „Countdown läuft“, hat er wenige Tage zuvor [4][in die Einladungsmail
       geschrieben], „es sind ca. noch 80 Stunden bis zu den ersten
       Gründungsratswahlen für den Görlitzer Park.“
       
       ## Unvorbereitete Kandidat*innen
       
       Doch dass mit der Zeitangabe „17 bis 20 Uhr“ nicht nur ein Zeitfenster zur
       Stimmabgabe gemeint ist, sondern dass es sich um eine Infoveranstaltung
       handelt, hat außer Demirci kaum jemand verstanden. Nicht mal die
       Kandidat*innen wissen, dass sie sich vorstellen sollen: „Wäre ich besser
       vorbereitet, hätte ich heute früh um halb 8 nicht diese Mütze aufgesetzt,
       die ich jetzt nicht mehr absetzen kann“, sagt Monika Weber. Ein anderer
       Kandidat kündigt an, er müsse gleich gehen und seine Kinder ins Bett
       bringen.
       
       Demirci lässt sich die Laune nicht verderben: „Sorry, aber beim nächsten
       Mal weiß ich es besser“, sagt der ewig Grinsende ins Mikrofon. Am Ende
       haben 110 Personen ihre Stimme abgegeben. Für die AG waren nur zwei
       Kandidaten angetreten: „Wir haben uns quasi gesetzt“ sagt einer von ihnen,
       Lorenz Rollhäuser. „Das ist vielleicht frech, aber wir fanden es richtig.“
       
       Ebenfalls im Gründungsrat vertreten ist der Verein Bantabaa, der sich seit
       2015 für die Geflüchteten im Görlitzer Park engagiert und ihnen
       Alternativen zum illegalen Arbeits- und Drogenmarkt bieten will. Die
       Anwohnerinitiative Görlitzer Park ist ebenso vertreten wie der
       Wrangelkiezrat und der Verein, der den Boule Club am Paul-Lincke-Ufer
       betreibt und das dort herrschende „weltoffene Flair“ auch in den Park
       tragen will.
       
       Ein Ansatz, der auch den gewählten Anwohner*innen gefallen dürfte: „Ich
       liebe den Görli“, hat fast jede*r von ihnen in der Vorstellungsrunde
       gesagt. Sie alle wollen einen Park, den niemand aus Angst meiden muss.
       Gleichzeitig haben sie jedoch alle vehement betont, dass auch niemand aus
       dem Park ausgeschlossen werden dürfe.
       
       Mit im Team sitzen neben der mützetragenden Antigewalttrainerin Monika
       Weber auch Souleymane Sow, der nach eigener Aussage „alle afrikanischen
       Sprachen, die im Park gesprochen werden“, beherrscht, Florian Fleischmann,
       der 2011 im Park ein „Haus gegen steigende Mieten“ gebaut hat, die
       Heilpädagogin Katja Frenz, die Kulturprojekte im Park durchführt und an
       diesem Abend die Emmaus-Kirche mit Seifenblasen füllt, und Ingo Lüdtke, der
       als Lehrer in einer Willkommensklasse arbeitet.
       
       Am Ende lädt AG-Vertreter Rollhäuser alle Gewählten zum Kennenlernen ins
       Restaurant um die Ecke ein. Ihm wären alle Kandidat*innen recht gewesen:
       „Da sind keine Pfeifen dabei.“ Und am Ende ist ihm das Chaos deutlich
       lieber als der Konflikt. „Es ist doch toll, dass alle sagen, dass niemand
       aus dem Park vertrieben werden soll“, sagt er. „Es ist ja nicht
       selbstverständlich, dass hier niemand von der AfD sitzt.“
       
       25 Apr 2017
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Goerlitzer-Park-Berlin/!5349242/
   DIR [2] /Fehlende-Klos-in-Berliner-Gruenanlagen/!5321875/
   DIR [3] https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/gruenflaechen/gruenanlagen/artikel.489464.php
   DIR [4] http://www.bizim-kiez.de/event/wahlen-zum-gruendungsrat-fuer-den-goerlitzer-park-parkentwicklung/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dinah Riese
       
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