# taz.de -- Berliner FDP-Parteitag: Die Kleine kämpft doppelt
> Die FDP streitet intern um den Spitzenplatz bei der Bundestagswahl und
> sucht parallel die fast 80.000 noch fehlenden Unterschriften fürs
> Tegel-Volksbegehren.
IMG Bild: FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja ist der bekannteste Kopf des Tegel-Volksbegehrens
Sie ist prozentmäßig die kleinste unter den Großen, aber wieder mal die
speziellste: die FDP. Sie, die schon im Abgeordnetenhauswahlkampf die
Plakate mit den schrillsten Farben hatte, hat auch zur Bundestagswahl ein
Alleinstellungsmerkmal: Gleich drei Parteimitglieder wollen am Freitag an
die Spitze der Kandidatenliste und damit einen sicheren Platz im
Bundesparlament. Neben dem früheren Landesvorsitzenden Christoph Meyer sind
das der Unternehmer Andreas Eckert und Ex-Staatssekretärin Birgit
Grundmann. Setzt sie sich durch, könnten alle im Abgeordnetenhaus
vertretenen Parteien mit einer Frau an der Spitze in die Bundestagswahl
gehen.
Eine offizielle Vorschlagsliste des Landesvorstands für den Parteitag wie
etwa bei der CDU gibt es zwar bei der FDP genauso wenig wie bei den Grünen.
Parteichefin Sibylle Meister geht aber davon aus, dass Meyer sich
durchsetzt – auch wenn der als Fraktionschef die FDP 2011 bei der
Abgeordnetenhauswahl in eine 1,8 Prozent-Klatsche und ins parlamentarische
Aus führte. „Er wird sicher ein breite Unterstützung finden“, sagte Meister
am Mittwoch. Dafür spricht schon allein, dass Meyer Chef des größten
Bezirksverbands Charlottenburg-Wilmersdorf ist, dem fast ein Viertel der
rund 2600 Berliner FDP-Mitglieder angehört.
Die Konkurrenten sind allerdings alles andere als Spaßbewerbungen:
Grundmann war unter Bundesjustizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger laut Wikipedia die erste beamtete
Staatssekretärin in diesem Ressort und danach Chef-Lobbyistin der Allianz.
Eckert ist Aufsichtsratschef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin
Partner.
Beim Parteitag zeichnet die Partei auch Stimmensammler fürs Volksbegehren
zum Flughafen Tegel aus. Nach müdem Start und nur 30.000 Unterschriften in
zwei Monaten sind eineinhalb Monate später jetzt 90.000 hinzugekommen –
nötig sind rund 174.000. Das ist zwar ein deutliches Plus, entspricht aber
bei weitem nicht einer Forsa-Umfrage, laut der drei von vier Berlinern
Tegel offen halten wollen. Parteichefin Meister erklärt sich das mit dem
lange kalten und feuchten Wetter – und der Kluft zwischen Wollen und
Machen: „Für Tegel zu sein ist das eine, tatsächlich etwas zu tun das
andere“.
Nach dem Parteitag will die FDP bis zum Sammel-Schluss am 20. März laut
Meister „mit extremem Personaleinsatz“ die noch fehlenden Unterschriften
zusammen bekommen. Das wären nach Stand vom Mittwoch 55.000, plus einem
nötigen Puffer von mindestens 20.000 für ungültige oder doppelte
Unterschriften. Meister gibt sich – was soll sie als Parteichefin auch
anderes machen – trotzdem optimistisch: „Wir sind zuversichtlich.“
8 Mar 2017
## AUTOREN
DIR Stefan Alberti
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