# taz.de -- Leitbild zur Integration: Agenda 2017
> Bewusst anderes Wording: Experten haben im Auftrag von Aydan Özoguz ein
> „Leitbild für die Einwanderungsgesellschaft“ entwickelt.
IMG Bild: Aydan Özoguz sucht nach einer Idee, der sich möglichst viele Menschen anschließen können
Berlin taz | Leitbild statt Leitkultur – so lautet das Credo der
stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Aydan Özoguz. Deutschland sei ein
Einwanderungsland, das sei inzwischen unbestritten, sagte sie am Dienstag
in Berlin. Doch [1][wie dieses gestaltet werden solle, darüber gingen die
Meinungen auseinander]. Auf der einen Seite zeigten Umfragen, dass jeder
zweite Deutsche der wachsenden Vielfalt im Lande positiv gegenüberstehe.
Auf der anderen Seite sei jeder Dritte dafür, bestimmte Gruppen
auszugrenzen, zeigte sich die Integrationsbeauftragte besorgt.
„Eine Gesellschaft macht sich durch Ausgrenzung nicht stärker“, hält Özoguz
dagegen. „Aber sie braucht ein Band, das sie zusammenhält.“ Die Idee
[2][einer für alle verbindlichen „Leitkultur“] sei aber zu starr, um der
historischen Vielfalt und dem gesellschaftlichem Wandel Deutschlands
gerecht zu werden. Besser sei es, ein „Leitbild“ zu formulieren, dem sich
möglichst viele anschließen könnten.
Unter ihrem Vorsitz tagte eine Expertenkommission aus Wissenschaftlern,
Politikern, Verbänden und Migrantenvertretern, um ein solches „Leitbild für
die Einwanderungsgesellschaft“ zu entwickeln.
Am Dienstag stellte Özoguz in Berlin das Ergebnis vor – flankiert von ihren
Ko-Vorsitzenden, dem Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker und Farhad
Dilmaghani von der postmigrantischen Initiative „Deutsch Plus“. Beide
lieferten die Eckpunkte für eine politische Agenda, mit der sich dieses
Leitbild umsetzen ließe – im Zweifel wohl nach der Wahl.
Dilmaghani plädierte für ein Integrationsministerium, einen besseren Schutz
vor Diskriminierung und ein Bundespartizipationsgesetz. Ein Vorbild dafür
könnten die Teilhabe-Gesetze sein, wie es sie schon in einigen
Bundesländern gibt, darunter Nordrhein-Westfalen.
Brücker sprach sich dafür aus, die Schwellen für Arbeitsmigranten zu
senken. Bislang kommen weniger als zehn Prozent aller Einwanderer über ein
Visum zur Arbeitsmigration aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland. Die „Blue
Card“ der EU für hochqualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten ist ein
Flop: weniger als ein Prozent der Einwanderer haben sie – die
Einkommensgrenzen und andere Anforderungen sind zu hoch. Und auch der
Familiennachzug ließe zu wünschen übrig.
Die Ängste vor einem Verdrängungswettbewerb durch Migranten müsse man ernst
nehmen, gerade im Niedriglohnbereich, sagte Herbert Brücker vom Institut
für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Wenn die Integration der Zuwanderer
nicht gelinge, könne dies zu mehr Ungleichheit führen. Doch man müsse „die
Verteilungsdebatte auf die Füße stellen“, forderte er. Denn die wachsende
Ungleichheit und Segmentierung der Gesellschaft habe nicht ursächlich mit
der Migration zu tun. Ihr sei vielmehr mit „klassischer Sozialpolitik“ zu
begegnen, von Wohnungsbau bis Quartiersmanagement, so Brücker.
15 Feb 2017
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DIR Daniel Bax
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