URI:
       # taz.de -- Podemos-Parteitag in Spanien: Chef Iglesias setzt sich durch
       
       > Im Richtungsstreit um den künftigen Kurs der Podemos siegt
       > Generalsekretär Pablo Iglesias über seinen Gegenspieler Iñigo Errejón.
       
   IMG Bild: Da waren sie noch zusammen bester Laune: Iñigo Errejón (l.) und Pablo Iglesias im Dezember 2016
       
       Madrid taz | Mit „Einheit und Demut“ werde er Podemos künftig führen,
       beteuerte der alte und neue Podemos-Generalsekretär Pablo Iglesias auf dem
       zweiten Parteitag nach seiner Wiederwahl. Von den 155.190 per Internet
       abgegebenen Stimmen erhielt er rund 82 Prozent. Der Rest enthielt sich oder
       stimmte für einen wenig bekannten Gegenkandidaten.
       
       Bei den Wahlen zum Parteivorstand entfielen auf die Liste um Iglesias 50,8
       Prozent. Der Generalsekretär hat damit – dank eines nicht proportionalen
       Wahlsystems – 60 Prozent der 62 Vorstandsmitglieder hinter sich. Auch bei
       Abstimmungen über die künftige Politik, die Organisationsstruktur und die
       Gleichstellung innerhalb der Partei setzte sich Iglesias deutlich gegen die
       andere starke Strömung um den Politsekretär Iñigo Errejón durch.
       
       Die Anhänger Errejóns werden nur 37 Prozent des Parteivorstands einnehmen.
       Dritter im Bund sind die trotzkistisch beeinflussten „Antikapitalisten“
       rund um den Europaabgeordneten Miguel Urbán. Sie erhielten 13 Prozent der
       Stimmen, aber aufgrund des Wahlsystems nur 3 Prozent der Sitze.
       
       „Einheit und Demut, um die Partido Popular zu besiegen, um in noch mehr
       Rathäusern, in autonomen Regionen und in Spanien zu regieren“, rief
       Iglesias unter dem Jubel der 7.000 Besucher des Parteitages in einer
       überdachten Stierkampfarena in Madrid. Wie diese Einheit aussehen wird, ob
       er die unterlegenen Strömungen und vor allem seinen ehemaligen Freund und
       nun erbittertsten Gegner, die bisherige Nummer zwei Errejón, erneut in die
       Führungsspitze integrieren wird, darüber schwieg sich der Generalsekretär
       aus.
       
       ## Drohung mit Rücktritt
       
       Iglesias hatte in der Woche vor dem Parteitag Errejón mehrfach vorgeworfen,
       aus Podemos eine neue sozialdemokratische Partei machen zu wollen. Für den
       Fall, dass seine Vorschläge nicht angenommen würde, drohte Iglesias mit
       seinem Rücktritt als Generalsekretär und der Niederlegung seines
       Parlamentsmandats.
       
       Vereinfacht gesagt geht es beim Streit „Pablistas“ gegen „Errejonistas“
       darum, ob Podemos sich als Teil eines breiten Linksblocks definiert oder
       als Bewegung jenseits politischer Richtungen. Wochenlang hatten sich
       Iglesias und Errejón und ihre Anhänger wilde Debatten über den künftigen
       Kurs geliefert.
       
       Auf dem „Bürgerversammlungen“ genannten Parteitag selbst wurde weder
       debattiert noch abgestimmt. Sämtliche Entscheidungen fielen in
       Online-Abstimmungen. Der Parteitag glich einem großem Meeting, in dem einer
       nach dem anderen auftrat, um Programme und Kandidaturen zu verteidigen.
       
       Sowohl Iglesias als auch Errejón hielten Reden, als wären sie auf einem
       Wahlkampfmeeting. Nur wer zwischen den Zeilen zu lesen vermochte, konnte
       die Unterschiede zwischen ihnen ausmachen. Iglesias redete von einer
       Partei, „die in nichts“ den anderen Parteien ähnelt, und vom „politischem
       Lager“, Errejón von „einem Podemos ohne Etiketten“, das in der Lage sein
       müsse, ihre Basis auszubauen, in dem jeder, egal woher er käme, willkommen
       sei.
       
       „Ja, wir können!“ und vor allem „Einheit! Einheit!“ skandierte die Menge
       immer wieder. Sie applaudierte den beiden Kontrahenten gleichermaßen. „Ich
       verstehe den Konflikt nicht wirklich“, gestand Pablo Susinos. Der
       52-jährige Bibliothekar aus einem Dorf bei Santander gehört dem regionalen
       Parteivorstand in Kantabrien an. „Die Auseinandersetzung ist sehr
       madrilenisch“, meinte er. In den Provinzen sei davon wenig zu spüren. Er
       selbst habe gemischt gewählt: „Die Besten der drei Listen.“
       
       ## Vertrauen bei den Menschen schaffen
       
       Pilar Vaquero (52), Beamtin aus Madrid, schlug sich im Streit auf die Seite
       der „Pablistas“. Sie sieht in Iglesias’ neuer, mehr der herkömmlichen
       linken Politik zugewandten Politik die Chance, einen „Wechsel in der
       Gesellschaft herbeizuführen“. „Einheit ja, aber keine falsche Einheit“ will
       sie ab dem Montag verwirklicht sehen. Die Verlierer müssten sich
       unterordnen.
       
       „Wenn unterschiedliche Meinungen zum Ausdruck gebracht werden, ist es nötig
       zuzuhören“, mahnte Mar Mas. Die 50-jährige Kapitänin und LGBTI*-Aktivistin
       wählte die Liste Errejón, weil ihrer Meinung nach Politik in den
       Institutionen nötig sei, um Vertrauen bei den Menschen zu schaffen. Podemos
       müsse in der Lage sein, Spanien zu regieren. Mas mahnte: „Wir müssen uns
       zusammenraufen, denn wir haben eine große Verantwortung. Wir müssen Schluss
       machen mit der sozialen Ungerechtigkeit, der Korruption, der Regierung der
       PP und einer Sozialdemokratie, die keine ist.“
       
       12 Feb 2017
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Reiner Wandler
       
       ## TAGS
       
   DIR Spanien
   DIR Podemos
   DIR Pablo Iglesias
   DIR Spanien
   DIR Spanien
   DIR Podemos
   DIR Podemos
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Podemos-Problem Glaubwürdigkeit: Spaniens Linke und der Luxus
       
       Zwei Amtsträger von Podemos, die eine Villa gekauft haben, sorgen für
       Diskussionen. Jetzt soll die Basis sagen, ob sie in ihren Ämtern bleiben
       dürfen.
       
   DIR Kommentar Podemos-Parteitag: Der Versuchung nicht erliegen
       
       Das Tandem Iglesias/Errejón ist das Geheimnis des Podemos-Erfolgs. Die
       Verlierer des Parteitags jetzt zu isolieren, wäre ein törichter Schritt.
       
   DIR Podemos-Parteitag in Madrid: Der Ruf nach Einheit
       
       Es gibt Streit um die Zukunft der gerade einmal drei Jahre alten Partei.
       Die Sorge um die Einheit ist vielen Teilnehmern des Parteitages anzumerken.
       
   DIR Streit bei Podemos in Spanien: Fundi, Realo oder beides?
       
       Die spanische Podemos-Partei könnte zufrieden sein, ist aber zerstritten.
       Die „Pablistas“ wollen Gegenmacht, die „Errejonistas“ Teil der Regierung
       sein.