# taz.de -- Kommentar US-Einreisestopp für Muslime: Der Firnis ist dünn geworden
> Der Richterspruch für ein Abschiebeverbot ist ein Funken Hoffnung – mehr
> aber nicht. Zu dicht ist die Folge der Trump'schen Abscheulichkeiten.
IMG Bild: Sag der Freiheit leise Bye
Entsetzen und Erleichterung liegen dicht beieinander – jedenfalls für all
diejenigen, die es mit den sogenannten westlichen Werten ernst meinen. Und
natürlich für [1][die Opfer] des neuen US-Präsidenten Donald Trump.
Das [2][pauschale Einreiseverbot] für Flüchtlinge und andere Bürgerinnen
und Bürger einiger mehrheitlich muslimischer Staaten in die USA, das Trump
verfügt hat, widerspricht [3][allen möglichen Prinzipien]. Diese lassen
sich in einem einzigen Wort zusammenfassen: Das Dekret widerspricht der
Menschlichkeit.
Deshalb ist das Abschiebeverbot für die Betroffenen, ausgesprochen von
einer US-Bundesrichterin, nicht nur für diese eine Atempause. Sondern für
alle, die fassungslos verfolgen, wie sich die USA verändern. Innerhalb von
Tagen, innerhalb von Stunden. Der Spruch der Richterin rückt die Welt
wieder ein bisschen zurecht. Aber eben nur ein bisschen.
Denn man kommt ja kaum noch nach. Widerspruch muss sein, allerorten. Aber
niemand kann überall zugleich sein und gegen alle Abscheulichkeiten
protestieren. Im Netz kursiert gerade ein bitterer Spruch: „Zuerst haben
sie die Latinos verfolgt, die Muslime, die Frauen, die Homosexuellen, die
Armen, die Intellektuellen und die Wissenschaftler, und dann war erst
Mittwoch.“ Ja, man kommt kaum noch nach.
## Die Freiheit bricht weg
Was mittelfristig besonders bedrohlich ist: Der Firnis der Gemeinsamkeiten
innerhalb der US-Gesellschaft ist erstaunlich dünn – und bedrückend dünn.
Drohnenkrieg, Waterboarding, Angriffskriege. Über all das – und mehr – ist
erbittert gestritten worden.
Aber es schien stets eine grundsätzliche Übereinstimmung innerhalb der
US-Gesellschaft zu geben, die übrigens dem Rest der Welt ziemlich auf die
Nerven gegangen ist. Dass nämlich die Vereinigten Staaten als letzte
Weltmacht den Begriff der Freiheit letztgültig definieren können. Weil sie
ja – angeblich – am Ende doch nichts anderes taten, als die Werte der
Freiheit zu verteidigen, wie auch immer sie konkret handelten.
Diese Übereinstimmung ist Vergangenheit. Wer US-Medien verfolgt, muss
feststellen: Es gibt keine gemeinsamen Überzeugungen, keinen kleinsten
gemeinsamen Nenner mehr zwischen den verschiedenen politischen Lagern.
Sondern nur noch Unverständnis und Abscheu.
Das ging schnell. Sehr schnell. Und nun?
Die letzte verbliebene Weltmacht ist im Hinblick auf Menschenrechte
endgültig nicht mehr zuverlässig. Nach Nachfolgern wird gefahndet. Was
schafft die EU? Sie ist jetzt gefragt – im Hinblick auf ihre Werte.
29 Jan 2017
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## AUTOREN
DIR Bettina Gaus
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