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       # taz.de -- Proteste in Mexiko: Plündern und blockieren
       
       > Eine saftige Erhöhung von Benzinpreisen löst landesweite Demonstrationen
       > aus. Hunderte Menschen werden festgenommen.
       
   IMG Bild: Plünderung eines Spielzeugladens in Veracruz
       
       Berlin taz | Plünderungen, Demonstrationen, Straßenblockaden – auch eine
       Fernsehansprache des Präsidenten Enrique Peña Nieto am Mittwoch konnte die
       massiven Proteste gegen die Erhöhung des Benzinpreises in Mexiko nicht
       stoppen. Im ganzen Land kam es erneut zu schweren Auseinandersetzungen
       zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften.
       
       Allein im Großraum Mexiko-Stadt griffen Demonstranten 79 Tankstellen an,
       150 weitere mussten geschlossen werden. Die Polizei nahm über 300 Menschen
       fest, ein Polizist kam ums Leben. Bundesweit wurden Hunderte Tankstellen
       attackiert, Supermärkte geplündert und zahlreiche Straßen blockiert. In
       einigen Regionen streiken die Busunternehmen.
       
       Seit die Regierung am 1. Januar die Preise für Benzin und Diesel um 15 bis
       20 Prozent erhöht hat, demonstrieren täglich mehr Menschen gegen diesen
       sogenannten Gasolinazo. Er verstehe den Zorn über die Entscheidung,
       versuchte Peña Nieto in seiner Fernsehrede zu beruhigen, „aber sie nicht zu
       fällen, hätte die wirtschaftliche Stabilität des Landes gefährdet“. Die
       Maßnahme sei nötig, weil das Erdöl auf dem Weltmarkt teurer geworden sei.
       
       Im Zuge der Preiserhöhung werden auch die Kosten für Stromversorgung,
       Transport und Lebensmittel steigen. Der Wert des mexikanische Peso
       gegenüber dem US-Dollar ist gefallen.
       
       ## Kampf gegen Liberalisierung
       
       Regierungskritiker vermuten, dass die gestiegenen Preise der schrittweisen
       Privatisierung des staatlichen Erdölkonzerns Pemex geschuldet sind. Durch
       eine von Peña Nieto 2014 durchgesetzte Energiereform steht das Unternehmen,
       das lange Zeit die Unabhängigkeit Mexikos symbolisierte, künftig
       internationalen Investoren offen. Gewerkschaften und linke Organisationen
       hatten jahrelang gegen diese Liberalisierung gekämpft.
       
       „Keine weiteren Reformen“, fordern deshalb die Demonstranten. Salvador
       García Soto von der bürgerlichen Tageszeitung El Universal sieht hinter den
       Protesten einen Ausdruck massiver Unzufriedenheit mit der Regierung: „Hat
       eigentlich dem Präsidenten noch niemand gesagt, dass beim ‚Nein zum
       Gasolinazo‘ immer auch ein ‚Weg zu Peña Nieto‘ mitschwingt?“
       
       5 Jan 2017
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Wolf-Dieter Vogel
       
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