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       # taz.de -- Deutsche Meisterschaften im Eiskunstlauf: Festival der Stürze
       
       > Bei den deutschen Meisterschaften in Berlin bleibt vieles Stückwerk. Die
       > Paarläuferin Aljona Savchenko tritt nur außer Konkurrenz an.
       
   IMG Bild: Dritte bei den Frauen: Annika Hocke aus Berlin kratzt eine Kurve
       
       Berlin taz | Die Anspannung wich ganz zum Schluss. Als die 21-jährige
       Kavita Lorenz bei der Schlusspose ihrer Kür bei den Deutschen
       Meisterschaften in Berlin ihrem Partner Joti Polizoakis in den Armen lag,
       lächelte sie endlich. Geschafft. Die alten Meister waren auch die neuen
       deutschen Meister im Eistanz und hatten den einzigen deutschen
       EM-Startplatz ergattert.
       
       Zwar liefen ihre stärksten Konkurrenten Katharina Müller/Tim Dieck aus
       Dortmund erst nach ihnen, aber die 172,20 Punkte, die das in den USA
       trainierende Paar vorgelegt hatte, hätten die Dortmunder nicht einmal mit
       einem fehlerfreien Programm überbieten können. Und Konkurrentin Katharina
       Müller war bei einer Hebung dann auch noch gestürzt. Nach dem Kurzprogramm
       am Freitag hatten beide Spitzenpaare noch nah beieinandergelegen.
       
       „Das waren definitiv unsere besten Programme der Saison, und ich bin froh,
       dass wir zeigen konnten, was wir im Training gelernt haben“, freute sich
       Joti Polizoakis. „Unsere neuen Programme sind sehr anspruchsvoll und wir
       brauchten Zeit, um zu lernen, sie gut zu interpretieren.“ Jetzt könne es
       nur noch nach oben gehen, sagt der Eistänzer, der bei den
       Europameisterschaften im tschechischen Ostrava mit einer Top-Ten-Position
       liebäugelt. Bei ihrem EM-Debüt im Januar waren die beiden Neulinge auf
       den14. Platz gekommen.
       
       Im Eistanzen ist die Deutsche Eislauf-Union in der komfortablen Situation,
       gleich vier Paare zu haben, die international gut ankommen. Weniger
       komfortabel ist, dass diese vier Paare um einen einzigen Startplatz zu den
       Europa- und Weltmeisterschaften konkurrieren müssen. Da trifft es sich gut,
       dass die anderen drei Paare neben dem Eistanzen auch studieren. Ihr
       Saisonhöhepunkt wird damit die Winteruniversiade in Almaty in Kasachstan
       sein.
       
       Vom Eistanz abgesehen, werden die diesjährigen deutschen Meisterschaften
       wohl als der Wettbewerb der Stürze und Absagen in die Geschichte eingehen.
       Den Paarlaufwettbewerb gewannen die Oberstdorfer Mari Vartmann/Ruben
       Blommaert konkurrenzlos. Ihre Berliner Mitbewerber Minerva Hase/Nolan
       Seegert hatten nach dem Kurzprogramm wegen einer Verletzung Hases
       aufgegeben. Und das Top-Paar Aljona Savchenko/Bruno Massot, immerhin Dritte
       der letzten WM, zeigte sich dem Berliner Publikum nur in Showprogrammen.
       
       ## Meisterin trotz Fieber
       
       Savchenko hatte sich im November bei einem Grand-Prix-Wettbewerb ein Band
       im Fuß angerissen. Die Ärzte hatten der Athletin eine Trainingspause
       verordnet. Jetzt kann sie wieder laufen und Pirouetten drehen. Am Freitag
       gelangen ihr die ersten Sprünge mit doppelter Umdrehung. Dreifachsprünge
       und Würfe gehen noch nicht. „Der Kopf will, aber die Beine können nicht“,
       sagte sie. Ob sie bei der EM Ende Januar dabei sein wird, ist noch nicht
       klar.
       
       Bei den Damen mussten gleich drei der ursprünglich neun gemeldeten
       Teilnehmerinnen verletzungsbedingt absagen. Darunter waren zwei aus dem
       Spitzentrio, das sich um zwei EM-Startplätze bewarb: Die 17-jährige
       Chemnitzerin Lutricia Bock war so arg eine Treppe hinuntergestürzt, dass
       sie nächste Woche operiert werden muss. Die 18-jährige Nicole Schott hatte
       wegen eines Muskelfaserrisses abgesagt, könnte aber zu den
       Saisonhöhepunkten wieder fit sein.
       
       So konnte die Mannheimerin Nathalie Weinzierl ihren zweiten deutschen
       Meistertitel nach 2013 holen, obwohl sie unter einer fieberhaften Erkältung
       litt. Die 22-Jährige lief dennoch ein glanzvolles Kurzprogramm mit einer
       Dreifach-Dreifach-Kombination und schwierigen Pirouetten. Dass in der Kür
       nicht alles gelang, tat nichts zur Sache. Einen der zwei EM-Startplätze hat
       sie sicher.
       
       Im Herrenwettbewerb gewann der Berliner Peter Liebers nach 14 Monaten
       Verletzungspause seinen sechsten deutschen Meistertitel. „Das war mein
       emotionalster und schwierigster Titel“, sagte der 28-jährige Sportsoldat,
       der sprungtechnisch noch hinter seinem alten Leistungsvermögen liegt. Den
       einzigen EM-Startplatz muss er Vizemeister Paul Fentz überlassen. Der hat
       in internationalen Wettbewerben im Herbst viele Punkte für die Nominierung
       gesammelt. Liebers nimmt es gelassen. Sein Ziel ist Olympia 2018.
       
       18 Dec 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Marina Mai
       
       ## TAGS
       
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