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       # taz.de -- Kolumne Pressschlag: „Man muss sich jetzt bekennen“
       
       > Christian Streich, Trainer des SC Freiburg, prangert Fremdenhass an. Wir
       > dokumentieren seine viel beachtete Rede.
       
   IMG Bild: Freiburgs Trainer Christian Streich gegen Rassismus
       
       Die Generalverurteilung von Menschen gibt es, solange es Menschen gibt. Wir
       kennen das aus diesem Land sehr gut.
       
       Damals war es keine Bevölkerungsgruppe, es waren ja Deutsche und es war
       einer religiösen Zugehörigkeit geschuldet. Also: Du warst eben katholisch,
       evangelisch und in dem Fall warst du jüdischen Glaubens. Und dann ist
       dieses Unfassbare in diesem Land passiert.
       
       Und jetzt ist da dieser Bub, der etwas ganz Schlimmes gemacht hat, der
       junge Mann aus Afghanistan. Dann sind es: „die Afghanen“. Oder: „die
       Ausländer“. Das ist der Mechanismus, wie er bei Menschen vorkommt.
       
       Ich bin da wahrlich nicht optimistisch, sondern vorsichtig, aber ich habe
       nie gedacht, dass es innerhalb eines so kurzen Zeitraums dahin kommt, wo
       wir jetzt sind.
       
       Man muss große Angst haben, wenn man sieht, was hier passiert.
       
       Mir wurde mitgeteilt, dass ein Mensch aus der AfD den Vater der Maria, der
       dieses Furchtbare erleben musste, als „pathologisch“ bezeichnet hat, weil
       er vor dieser Tat Flüchtlinge unterstützt hat. Dass jemand in diesem Land
       aus einer als demokratisch geltenden Partei jemanden, der so etwas erleben
       musste, noch verhöhnen darf. Da sehen Sie, was los ist.
       
       Aber: Man muss es als Herausforderung annehmen und sich einfach bekennen.
       
       Das sind Helfer von Menschen, die so viel Schreckliches erlebt haben und
       auf der Flucht waren. Wenn denen auch noch mit Hass begegnet wird, dann ist
       man an einem Punkt, von dem man vor ein paar Jahren geglaubt hat, dass man
       ihn niemals wieder erleben wird.
       
       Jetzt kommt es darauf an, wie diese Gemeinschaft in diesem Land auftreten
       wird und was gesellschaftlich toleriert wird. Wenn man hört, was Leute
       sagen dürfen und dann noch zustimmendes Nicken erhält – vor ein paar Jahren
       wären solche Leute noch gesellschaftlich geächtet gewesen.
       
       Das ist in kürzester Zeit passiert! Und jetzt müssen wir sehen, was weiter
       passiert, und ob die Mehrzahl der Bevölkerung sich dem widersetzt und auch
       aktiv dagegen vorgeht.
       
       Wir sind schon glücklich – das muss man sich vorstellen! -, dass in
       Österreich die Wahlen so ausgehen, wie sie ausgegangen sind. Und dass
       derjenige, der verloren hat, aus einer Ecke kommt, die … – ich will nicht
       weiter darauf eingehen – dass der 46 Prozent bekommt …
       
       Da heißt es für alle anderen: sich bekennen!
       
       Und wer das nicht macht, wer sich nicht klar bekennt, der trägt eine
       Mitverantwortung, wenn es in die andere Richtung geht. Das ist klar. Da
       gibt es keine Ausflucht. Das ist so.
       
       Also ich habe da Angst, das muss ich Ihnen sagen, wenn ich diese
       Entwicklung sehe. Die macht mir Angst.
       
       Christian Streich, 51, hat sich auf der Pressekonferenz vor dem
       Bundesligaheimspiel gegen Darmstadt 98 zum Fremdenhass geäußert.
       
       9 Dec 2016
       
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