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       # taz.de -- Schulpflicht während OSZE-Treffens in Hamburg: „Gipfeltreffen“ in der Schulbehörde
       
       > Ein Elternbrief zur OSZE-Konferenz in Hamburg sorgt für Irritation. Die
       > Schulbehörde hat Schulleitung und Elternvertreter der Grundschule
       > Sternschanze einbestellt.
       
   IMG Bild: Ob Regen oder Gipfeltreffen: Hamburger Grundschülern bleibt der Unterricht nicht erspart
       
       HAMBURG taz | Dürfen Eltern im Schanzenviertel ihre Kinder während des
       [1][anstehenden Außenministertreffens der Organisation für Sicherheit und
       Zusammenarbeit in Europa (OSZE)] zu Hause lassen? Dieses Angebot der
       Ganztagsgrundschule Sternschanze war offenbar voreilig und hat eine
       Einladung der Schulleitung und des Elternrats in die Schulbehörde nach sich
       gezogen.
       
       „Der zugrundeliegende Elternbrief war mit uns nicht abgestimmt, was
       regelhaft auch nicht passiert, bei so einem relevanten Thema aber
       wünschenswert gewesen wäre“, sagt Behördensprecher Peter Albrecht. Es habe
       sich um eine „Einladung zu einem offenen Informationsaustausch gehandelt“,
       sagt Sandra Cantzler, Vorstandsmitglied des Elternrats.
       
       Während der OSZE-Konferenz werden mehr als 10.000 Polizisten den Tagungsort
       in den Messehallen sichern. Zwar liegt die Schule nicht innerhalb der
       Sicherheitszone rund um die Messe, doch die Eltern befürchten, dass ihre
       Kinder in mögliche Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und
       Demonstranten verwickelt werden könnten. Schon der Anblick von Tausenden
       Polizisten in Kampfmontur sei „nicht schön für die Kinder“, sagt Cantzler.
       
       Schulleiterin Gisela Rathjens hatte in dem Brief die Eltern gebeten, ihre
       Kinder an den beiden Tagen in die Schule zu bringen, „um ihr Kind nicht
       allein in einen plötzlichen Polizeieinsatz geraten zu lassen“. Außerdem
       stellte sie den Eltern frei, ihre Kinder an diesen Tagen in die Schule zu
       schicken oder nicht.
       
       „Wir haben es als sehr positiv empfunden, dass uns die Schulleitung das
       angeboten hat“, sagt die Elternvertreterin Cantzler. In dem Gespräch bei
       der Behörde habe sie klar gemacht, dass die Eltern eine gewisse Planbarkeit
       brauchten. „Wir müssen uns um eine Betreuung kümmern“, sagt sie.
       
       Das gilt aber nur für die Eltern, die ihre Kindern nicht zur Schule
       schicken würden, falls die Behörde das zulässt. Eltern hätten bei
       „witterungsbedingten Gefahrenlagen“ das Recht, ihre Kinder nicht zur Schule
       zu schicken, sagt Behördensprecher Albrecht. „Schulbehörde, Schule und
       Polizei werden sich nun abstimmen, ob das auch auf diese Situation
       anwendbar ist.“
       
       Klar ist, dass der Schulbetrieb auf jeden Fall weitergehen wird. Allerdings
       könnten die Eltern nicht verpflichtet werden, ihre Kinder zu begleiten,
       sagt Albrecht. „Das kann allenfalls eine Bitte oder ein Vorschlag sein.“
       
       Die Polizei hat bisher keine Anhaltspunkte, dass es beim OSZE-Treffen zu
       Ausschreitungen kommen könnte. „Das kann sich schnell drehen“, befürchtet
       Cantzler. Außerdem stehe ja im Juli der G20-Gipfel von 19 großen
       Industrienationen und der EU an, bei dem tatsächlich mit Krawall zu rechnen
       ist. „Wir hätten gerne schon für den Sommer einen Anhaltspunkt, wie es da
       weitergeht“, sagt Cantzler.
       
       16 Nov 2016
       
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