# taz.de -- Suche nach Gauck-Nachfolge: SPD-Wunsch wie in Stein gemeiert
> Die SPD hält am Außenminister fest, Merkel telefoniert mit möglichen
> weiteren Bewerbern. Langsam wird die Suche nach einem Konsenskandidaten
> peinlich.
IMG Bild: Steinmeier for President? Ja, wenn's nach der SPD gehen würde
Berlin dpa | Die Spitzen der Koalitionsparteien wollen am Freitag in Berlin
einen neuen Versuch unternehmen, sich doch noch auf einen gemeinsamen
Kandidaten für die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck zu einigen.
Das teilte CDU-Generalsekretär Peter Tauber am Montag in Berlin mit. Am
Sonntag war ein Treffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chef Sigmar
Gabriel und dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer ohne Ergebnis geblieben.
[1][Die SPD rief die Union dazu auf, den Weg für Außenminister Frank-Walter
Steinmeier ins Schloss Bellevue freizumachen.]
Nach Angaben Taubers führt Merkel derzeit zahlreiche Gespräche mit dem
Ziel, einen gemeinsamen Kandidaten von Union und SPD zu finden. Der
CDU-Generalsekretär wollte keine mögliche Lösung ausschließen – auch nicht,
dass die Union Gabriels Vorstoß für Steinmeier doch noch mitträgt.
SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann warb am Montag noch einmal um
Unterstützung für Steinmeier. Der SPD-Außenminister sei eine Person, die
nicht nur hohes Ansehen in der Bevölkerung, sondern auch bei vielen
Anhängern der Union genieße.
„Deshalb sollte die Union doch noch einmal überdenken, ob sie da nicht über
ihren parteipolitischen Schatten springt und einer solchen Kandidatur ihre
Zustimmung gibt“, sagte Oppermann in Berlin. Indirekt gab der SPD-Politiker
aber zu erkennen, dass er wohl kaum damit rechnet, dass Merkel und Seehofer
Steinmeier tatsächlich unterstützen werden.
## Keine Mehrheit der Unionsparteien in Bundesversammlung
Nach dem ergebnislosen Treffen im Kanzleramt war die Kandidatensuche am
Montag auch Thema der Präsidiumssitzungen von CDU und SPD. Neben Steinmeier
werden seit Wochen immer wieder Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU),
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), der Präsident des
Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, sowie weitere Namen genannt.
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, auch er als künftiger
Bundespräsident im Gespräch, sagte dem Sender n-tv zur Gauck-Nachfolge: „Es
sollte eine Persönlichkeit sein, die ganz breit getragen wird – Steinmeier
ist selbstverständlich geeignet.“ Aber es gehe nicht um Eignung oder nicht,
sondern darum, eine „ganz breite Aufstellung“ zu haben.
Der nächste Bundespräsident wird am 12. Februar von der Bundesversammlung
gewählt. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sprach sich erneut für eine
Frau im höchsten Staatsamt aus. Er sagte n-tv: „Uns wäre eine Frau am
liebsten, denn wir sind im 21. Jahrhundert.“ FDP-Chef Christian Lindner
forderte Union und SPD auf, mit offenem Visier zu kämpfen. „Die Suche nach
einem Konsenskandidaten entwickelt sich zu einer Peinlichkeit“, sagte er.
Gauck hatte im Juni erklärt, er stehe aus Altersgründen nicht für eine
zweite Amtszeit zur Verfügung. Unter den 1260 Wahlmännern und –frauen in
der Bundesversammlung haben die Unionsparteien zwar deutlich mehr Stimmen
als SPD und Grüne zusammen, aber keine absolute Mehrheit. Dafür fehlen CDU
und CSU knapp 90 Stimmen.
7 Nov 2016
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