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       # taz.de -- Die Wahrheit: Irische Bratverbotszone
       
       > Clownsfilialen und fetttriefende Hühnerbräter: Die grüne Insel kommt in
       > diesen weltbewegten Tagen aus ganz anderen Gründen nicht zur Ruhe.
       
       Bestimmte Gewerbe siedeln sich dort an, wo sie die Kundschaft vermuten. In
       der Nähe von Krankenhäusern findet man stets Apotheken und
       Begräbnisinstitute, neben Friedhöfen bieten Blumenhändler ihre Ware an, in
       Bahnhofsvierteln gibt es Bordelle, und in Arbeitervierteln bemühen sich die
       Buchmacher um Zocker.
       
       Schnellfutter-Etablissements suchen hingegen die Nähe von Kindern. Früher
       haben die Eltern Pausenbrote geschmiert, heutzutage holen sich die Kids
       lieber einen Doppelwoppelwürger von McGrease. Im irischen Greystones
       südlich von Dublin hatten die Fleischbrötchenmonteure einen idealen
       Standort ausgemacht.
       
       Dort liegen drei Schulen mit 1.800 potenziellen Kunden direkt
       nebeneinander. McDonald’s wollte genau gegenüber ein Drive-in-Restaurant
       eröffnen – vermutlich mit Fahrradspur, denn Grundschüler dürfen auch in
       Irland nicht Auto fahren.
       
       Die Grafschaftsverwaltung gab 2014 grünes Licht für den Bau der
       Futterdurchfahrt. Als McDonald’s in freudiger Erwartung des Kundenansturms
       ein Jahr später einen neuen Plan mit einem noch größeren Laden einreichte,
       wurde auch der trotz Protesten besorgter Eltern genehmigt. Offenbar halten
       die ihre Kinder für so labil, dass sie beim Anblick des Grusel-Clowns
       Ronald sofort eine weiche Birne kriegen und wie Schafe ins Etablissement
       strömen.
       
       Dass dennoch nichts aus der Clownsfiliale wurde, lag aber nicht an den
       Protesten, sondern an den Ernährungsspezialisten von Lidl. Die rückten das
       Baugrundstück nicht heraus, weil sie ihren Laden „kindgerecht“ erweitern
       wollen.
       
       Die Elterninitiative „No fry Zone 4 Kids“ gab sich damit aber nicht
       zufrieden. Sie wollte, dass eine 400-Meter-Sperrzone im Entwicklungsplan
       der Grafschaft festgeschrieben wird, damit Ronald und Konsorten ein für
       alle Mal verbannt sind. Wenn Eltern das Wort „for“ durch die Zahl 4
       ersetzen, gehören sie eigentlich übers Knie gelegt. Stattdessen segnete der
       Grafschaftsrat die Sperrzone vorigen Montag ab.
       
       Der 4sitzende Philip Moyles sagte, das werde die Fettleibigkeit irischer
       Kinder drastisch reduzieren. Weil sie in der kurzen Pause nun fast einen
       Kilometer joggen müssen, um an den Käsedoppelwürger und wieder zurück zu
       kommen? Da bietet sich eine Langzeitstudie an: In Greystones gibt es noch
       eine andere große Schule. Dort ist die McDonald’s-Filiale nur dreißig Meter
       entfernt.
       
       Die US-Kette Kentucky Fried Chicken hatte vehement für eine Ausnahme von
       der Sperrzone gekämpft, weil sie Kindern angeblich eine „große Bandbreite
       an Mahlzeiten für eine ausgewogene Ernährung“ anbiete. Dreiste Lüge! Ich
       war einmal versehentlich in einer Dubliner Filiale. Es war die kulinarische
       Höchststrafe.
       
       Unser Tisch lag zwar nicht in der Nähe der Toilette, aber es roch so. Das
       Huhn triefte vor Fett, die Pommes waren kalt und gummiartig. Wasser gab es
       nicht, Milch auch nicht. Womöglich wäre das zu ausgewogen. Für die
       Hühnerbräter sollte man die Sperrzone auf 400 Kilometer ausdehnen.
       
       14 Nov 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ralf Sotscheck
       
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