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       # taz.de -- Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?
       
       > Papa muss ins Veteranenheim, die Medien sind am allensten schuld und die
       > Linkspartei sucht den Bundespräsidenten.
       
   IMG Bild: Die Linkspartei kündigte an, Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsidentschaftskandidaten nicht zu unterstützen
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?
       
       Friedrich Küppersbusch: Nach allem, was die Amis vor & nach 45 für uns
       getan haben, sind wir jetzt in der traurigen Rolle erwachsener Kinder, die
       einsehen: Es bricht uns das Herz, doch – Vater muss ins Heim.
       
       Und was wird besser in dieser? 
       
       Wäre europäischer Nationalismus eine Antwort auf amerikanischen, das
       Gleiche oder das Gegenteil?
       
       Die Präsidentschaftswahl in den USA ist vorbei, und alle sind überrascht,
       dass dieser Trump und nicht diese Clinton gewonnen hat. Darf man den
       Umfragen keinen Glauben mehr schenken? 
       
       Wieso? Die Umfragen haben Trump im Rennen gehalten, sooft er sich nach
       Augenschein selbst ruiniert hatte: Nach den TV-Duellen, nach der
       „Lockerroom“-Enthüllung, nach dem implodierten Parteitag. Alsbald seine
       Kandidatur gefühlt gescheitert schien, lag er nach Zahlen noch bei 40 %.
       Zudem ähnelt das Umfragethema „Trump“ anderen wie Essen bei McDonald’s, NPD
       wählen oder Frauenhauen: Davon halten in Umfragen viele gar nichts.
       Besonders die, die es tun. Also: Die Meinungsforschung war nicht präzis,
       doch präziser als manche politische Analyse; in Zukunft wird man neben
       Wählern und Nichtwählern auch die Dochwähler statistisch genauer
       einkreisen. Und schließlich: Dass missliebige Umfragen der Macht des Bösen,
       des politischen Gegners oder eben des verhassten Establishments
       entspringen, ist eine Patrone im Gurt Trumps. Das ist so neu wie Schimpf
       auf „Rotfunk“ oder „Schweinejournalismus“ hier. Das führt zu der spannenden
       Frage :
       
       Sind die Medien an allem schuld? 
       
       Klares Ja. Am allensten! Also sowohl an Trump als auch an allem, was Trump
       stört. Und das ging so: Bei einer Casting-Show geht es nicht wirklich
       darum, einen „Superstar“ zu finden. Fände man den, bräuchte man hinterher
       keine Show mehr. Trotz endloser Staffeln von Shows gibt es endlose Staffeln
       von Shows und in Zahlen null Superstar, der daraus hervorgegangen wäre.
       Übersetzt: Trump kann das Format „Präsidentschaftswahl“, und natürlich
       kommt kein Superpräsident dabei heraus, sondern eine Werbepause und dann
       die nächste Schlammschlacht. Trump hat die Wahl geküblböckt: Singt voll
       scheiße, und gerade das finden die Leute schön dreist. Hätte auf dem
       Wahlzettel gestanden „Wer unterhält uns am besten diesmal“ – ginge das
       Ergebnis komplett in Ordnung, wäre höchst schmeichelhaft für Clinton. –
       Dies gesagt, wird es Trump nun darum gehen, alle weiteren Folgen zu
       gewinnen. Er kann nichts anderes. Da ist die Methode Erdoğan oder Orbán:
       unabhängige Medien angreifen. Zur Melodie „Lügenpresse“, das kann Trump
       schon. Oder Methode Berlusconi: ein eigenes Imperium dagegen aufbauen.
       Dafür bräuchte Trump Geld und – was sollte ein Trump-Sender anders machen
       als es FOXnews eh schon freiwillig macht ?
       
       Eine Vollverschleierte saß in der Talkshow von Anne Will, und ihr Auftritt
       spaltet nun die Gemüter. Darf eine Person wie Nora Illi ins Fernsehen? 
       
       Dieselbe saß auch schon bei „Maischberger“ – vorausgesetzt, es handelt sich
       nicht um wechselnde Besetzungen vom „Team Kutte“. Es ist ein Faust’scher
       Handel: Quote und mediale Reichweite um den Preis, eine Debatte heillos zu
       verzeichnen und Wasser auf die Mühlen aller interessieren Irren zu leiten.
       Wer etwa das Bedürfnis spürte, eine Stunde nackt im Stuhlkreis zu hocken,
       hätte auch und selbst in diesem Land schlechtere Karten.
       
       Die Linkspartei kündigte an, Frank-Walter Steinmeier als
       Bundespräsidentschaftskandidaten nicht zu unterstützen. Wenn sie sich mit
       SPD und Grünen nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen könne, plane
       sie, einen eigenen vorzuschlagen. Wer könnte das sein? 
       
       Den Kopf können die sich schön selbst zerbrechen. Klar, Steinmeier haftet
       für Agenda, Hartz, sein viele Militaristen begeisterndes Wort von
       „Deutschland, das zu groß ist, um Weltpolitik nur von der Außenlinie zu
       kommentieren“. In seinem Handeln als Außenminister bei Themen wie Ukraine,
       Syrien, Iran hingegen hätte er es ab und an verdient, von der Linkspartei
       in Schutz genommen zu werden. Nach Trumps Wahl kann man sogar zweifeln:
       Könnte Steinmeier als Bundespräsident überhaupt so gut sein, dass man auf
       ihn als Außenminister verzichten könnte? Ich fürchte: nein. Also, go ahead,
       Linkspartei.
       
       Und was machen die Borussen?Im aktuellen Spot des Sponsoren Opel schießen
       Bauarbeiter und BVB-Profis ziemlich viele Bälle durch ziemlich viele
       Opel-Transporter. Trump spricht von „Riots there in Dortmund you’ve heard
       about“.
       
       Fragen: JÜK
       
       13 Nov 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Friedrich Küppersbusch
       
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