# taz.de -- Korruption in der Ukraine: Michail Saakaschwili schmeißt hin
> Der Gouverneur von Odessa tritt zurück. Er will dennoch weiter gegen die
> Bereicherung von Klans kämpfen. In Kiew sind Demos angekündigt.
IMG Bild: Tritt als Gouverneur zurück: Michail Saakaschwili
Kiew taz | Michail Saakaschwili, Georgiens Expräsident und seit Mai 2015
Gouverneur des Gebiets Odessa, ist zurückgetreten. Das Bekanntwerden der
Eigentumsverhältnisse ukrainischer Politiker habe bei ihm das Fass zum
Überlaufen gebracht, sagte er. Saakaschwili, während dessen Amtszeit als
Präsident Georgiens 250.000 Menschen wegen Korruption verurteilt worden
waren, kündigte an, die Ukraine von dem „korrupten Pack zu befreien“, das
die Ideen der „ukrainischen Revolution verraten hat und nur eines will:
raffen, den eigenen Klan bereichern und die Ukraine ausrauben“.
Saakaschwilis Rücktritt dürfte auch der Einsicht geschuldet sein, dass die
Unterstützung für ihn im Machtapparat schwindet. Denn sofort nach
Saakaschwilis Amtsantritt entbrannte ein Machtkampf zwischen ihm und dem
Bürgermeister von Odessa, Gennadij Truchanow, der Behörden, Wirtschaft und
Sicherheitskräfte weitestgehend kontrollierte. Saakaschwili unterlag.
Wenige Stunden vor Saakaschwilis Rücktritt war auch sein Gefolgsmann, der
Polizeipräsident von Odessa, Giorgi Lortkipanidse, ebenfalls ein Georgier,
zurückgetreten. Gegen eine weitere Verbündete, die Chefin der
Bundespolizei, die aus Georgien stammende Chatija Dekanoidse, wurde ein
Verfahren eingeleitet. Die Anklage will ihr die ukrainische
Staatsangehörigkeit entziehen, weil sie nicht Ukrainisch spreche.
Michail Borowik, der frühere Stellvertreter von Saakaschwili in Odessa,
begrüßte gegenüber dem Internetportal strana.ua den Rücktritt.
Saakaschwili, so Borowik, haben schon lange die Unterstützung seines
früheren Studienfreunds und jetzigen Präsidenten der Ukraine, Petro
Poroschenko, verloren. Nun könne sich Mischa zum Führer einer
reformorientierten Opposition aufschwingen.
## Zornige Bevölkerung
Der Zeitpunkt scheint gut gewählt zu sein. Nach Bekanntwerden der
Vermögensverhältnisse ukrainischer Politiker in der vergangenen Woche ist
der Zorn in der Bevölkerung über die Korruption auf einem neuen Höhepunkt
angelangt. Vielen ist es unverständlich, wie sich eine Notenbankchefin zwei
Porsches sowie ein Innenminister einen Weinkeller leisten kann, dessen
teuerste Flasche über 20.000 Euro kostet.
Die Stimmung im Land ist gereizt. Am Sonntag hatte die Polizei eine
Demonstration der Partei der Kleinunternehmer auf dem Maidan in Kiew
aufgelöst. Für Dienstag werden weitere Aktionen im Stadtzentrum der
Hauptstadt erwartet.
7 Nov 2016
## AUTOREN
DIR Bernhard Clasen
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