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       # taz.de -- „Jungle World“-Gründer Behnken tot: Der Anti-Chef
       
       > Er gehörte zu einer raren Spezies von Chefredakteuren. Nun ist Klaus
       > Behnken, Gründer der „Jungle World“, gestorben.
       
   IMG Bild: Jungle-World-Ausgabe vom 22. Mai 1997
       
       Er trat nicht gern an die Öffentlichkeit. Weder als Zeitungsmacher noch als
       Kommentator. Damit gehörte Klaus Behnken zu einer raren Spezies von
       Chefredakteuren. Nicht, dass er nichts zu sagen gehabt hätte – er redete in
       der Redaktionssitzung und auf den Fluren der jungen Welt in allen
       Lautstärken. Jeden Text las er selbst, Arbeit abzugeben lag ihm fern.
       
       Vielleicht lag es daran, dass er spät zum Journalismus gekommen war. Dabei
       war er ein hochpolitischer Mensch, 1968 im SDS an vorderster Front. Nach
       einer Sitzblockade bei den Vietnam-Protesten wurde er zu drei Monaten ohne
       Bewährung verurteilt. Sein Studium schloss er nie ab, er wurde Lektor und
       spielte 1991 in dem Film „Der zynische Körper“ die Hauptrolle.
       
       1994 kam Behnken als Leiter des Kulturressorts zur jungen Welt. Als die
       Eigentümer sie im Jahr darauf einstellten, versuchte er mit anderen
       Redakteuren den Neustart und übernahm die Chefredaktion. Seine Leitplanke
       war die taz: Sie sollte im Osten aus dem Markt gedrängt werden, im Westen
       wollte er jene Linken einbinden, denen die taz zu wenig radikal war. In der
       Redaktion arbeiteten neben gelernten Journalisten Ex-Hausbesetzer und
       andere Linksradikale. Unter Behnken stiegen die Abozahlen erstmals seit der
       Wende.
       
       1997 stellte die Geschäftsführung die Redaktion vor die Wahl: Behnken raus
       oder alle – und versandte Kündigungen, als diese als Antwort die
       Redaktionsräume besetzte. Behnken war die treibende Kraft bei der Gründung
       der Wochenzeitung Jungle World, die zunächst als Streikzeitung erschien.
       Dort wurde er Chef vom Dienst in der sonst cheflosen Zeitung.
       
       2011 erkrankte der ambitionierte Roth-Händle-Raucher an Lungenkrebs.
       Zuletzt schien er die Krankheit besiegt zu haben. Doch am Mittwoch ist er
       72-jährig an den Folgen einer Lungenembolie gestorben.
       
       Die Autorin war Behnkens Stellvertreterin bei „Junge Welt“.
       
       20 Oct 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Beate Willms
       
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