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       # taz.de -- Pegida vor dem zweiten Jahrestag: Spaltung und Animositäten
       
       > Die sächsischen Rechtspopulisten wollten sich eigentlich an ihrem
       > Jahrestag groß feiern. Die Demonstration musste verschoben werden.
       
   IMG Bild: Mit Flaggen und Parolen: Pegida-Anhänger am Tag der Deutschen Einheit in Dresden
       
       Dresden epd | Mit einer Kundgebung am Sonntag will die regierungs- und
       fremdenfeindliche „Pegida“-Bewegung in Dresden an ihr erstes öffentliches
       Auftreten vor zwei Jahren erinnern. „Auf die Straße zu gehen ist unsere
       einzige echte Chance, die derzeit noch Regierenden zum tatsächlichen
       Handeln zu zwingen“, schreibt Gründer und Vereinsvorsitzender Lutz Bachmann
       im sozialen Netzwerk Facebook.
       
       Die Demonstration soll um 12 Uhr auf dem prestigeträchtigen Theaterplatz
       vor der Semperoper beginnen. Sie war zunächst für Montag angesetzt worden,
       an dem üblicherweise die „Abendspaziergänge“ stattfinden. Mehrere
       Gegendemonstrationen und ein Bürgerfest der Stadtverwaltung sicherten sich
       aber rechtzeitig diese Plätze in der Innenstadt für den 17. Oktober.
       
       Eine Gruppe um den mehrfach vorbestraften Lutz Bachmann hatte sich im
       Herbst 2014 über das Internet verabredet. Ihr anfangs unverständliches
       Kürzel „Pegida“ steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung
       des Abendlands“. Nachdem im Oktober 2014 zunächst nur wenige hundert
       Menschen dem Aufruf folgten, wuchsen die montäglichen Demonstrationen bis
       zum Januar 2015 lawinenartig auf bis zu 25.000 Teilnehmer an.
       
       Ableger in anderen deutschen Städten erreichten nicht annähernd die
       Dresdner Zahlen. Auch in der sächsischen Landeshauptstadt schien die
       Protestbewegung im Frühjahr 2015 zu verebben, bevor ihr die
       Flüchtlingskrise des Herbstes noch einmal fünfstellige Teilnehmerzahlen
       bescherte. In den vergangenen Monaten erschien lediglich ein Stamm von
       maximal 2.500 Protestierenden. Nur am Rande der Einheitsfeiern vom 3.
       Oktober marschierten noch einmal etwa 4.000 Dresdner und Zugereiste.
       
       ## Elsässer als Redner angekündigt
       
       Auch zugkräftige Gastredner wie Jürgen Elsässer, Chefredakteur des
       ultrakonservativen „Compact“-Magazins, werden am Sonntag nicht über
       krisenhafte Erscheinungen der Bewegung hinwegtäuschen können. Bereits im
       Januar 2015 hatte eine Gruppe um Kathrin Oertel das sogenannte Orga-Team
       verlassen, weil sie sich von Hitler-Posen und hetzerischen
       Internet-Äußerungen Bachmanns distanzieren wollten. Der „Selbstdarsteller“
       Bachmann habe nach und nach alle „weggebissen“, sagen heute ehemalige
       Weggefährten. Nur noch der Meißener Security-Mann Siegfried Däbritz kann
       als zweites „Pegida“-Gesicht gelten.
       
       Die mehrfach angekündigte Gründung einer „Pegida“-Partei hat bislang nicht
       stattgefunden. Anbiederungsversuche an die rechtspopulistische AfD
       scheiterten. Seit diesem Frühsommer ist auch der Bruch mit der ehemaligen
       Frontfrau Tatjana Festerling offenkundig geworden, die im Mai 2015 noch als
       „Pegida“-Kandidatin bei den Dresdner Oberbürgermeisterwahlen jede zehnte
       Stimme holte.
       
       ## Von Bachmann abgesetzt
       
       Festerling hat sich mit ihrer europaweit vernetzten nationalistischen
       Bewegung „Festung Europa“ abgesetzt und protestierte am 26. September mit
       ihren Anhängern sogar gegen den „Lügenlutz“. Es finde nur noch eine
       „Widerstandsparty“ statt, kritisierte sie. Obschon der mittlerweile auf
       Teneriffa lebende Bachmann sich an diesem Tag per Akklamation seine
       Führerschaft bestätigen ließ, zeigen sich auch Mitläufer zunehmend
       unzufrieden mit der Folgenlosigkeit der Proteste.
       
       Eine Folge [1][der Pöbeleien von „Pegida“-Anhängern bei den Dresdner
       Einheits-Gedenkfeiern] ist hingegen die verstärkte Mobilisierung
       aufgeschlossener Dresdner Bürger. Grünen-Landesvorsitzender Jürgen Kasek
       hat bereits für Sonntag eine Gegendemonstration zu „Pegida“ angemeldet.
       Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) wandte sich in einem
       leidenschaftlichen Brief an die Dresdner und lud sie für Montag zu einem
       Bürgerfest auf den Neumarkt vor der Frauenkirche ein. Dort wird am gleichen
       Tag der Sächsische Bürgerpreis verliehen. Andere Initiativen wie „Herz
       statt Hetze“ oder „Dresden nazifrei“ planen Demonstrationszüge.
       
       14 Oct 2016
       
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