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       # taz.de -- Berliner Zeitung: Vielfalt sieht anders aus
       
       > Der DuMont-Verlag fusioniert die „Berliner Zeitung“ mit dem „Berliner
       > Kurier“ und baut Stellen ab. Damit soll ausgerechnet das „Profil
       > geschärft“ werden.
       
   IMG Bild: 1948 war auch kein allzu gutes Jahr – aber da ging es für die „Berliner“ noch aufwärts
       
       Selbst der Regierende Bürgermeister ist besorgt: Die Berliner Zeitung und
       der Berliner Kurier „sind unverzichtbare kritische und kompetente Stimmen,
       die einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Debattenkultur in unserer
       Stadt leisten“, ließ Michael Müller mitteilen, kurz nachdem das Kölner
       Verlagshaus DuMont angekündigt hatte, die beiden Redaktionen
       zusammenzulegen.
       
       Die Herren der DuMont-Spitze teilen dieses Statement wahrscheinlich –
       kommen aber zu einem anderen Schluss. Am Donnerstag informierten sie im
       Verlagshaus am Alexanderplatz die Belegschaft von Kurier und Berliner
       Zeitung über ihre Pläne für die beiden kränkelnden Blätter: Gegründet wird
       ein Newsroom, in dem Redakteure zusammen an beiden Zeitungen arbeiten. Wer
       dort künftig arbeiten will, muss sich neu bewerben. Boulevard und Qualität
       kommen so künftig aus einer Hand – anders, sagt DuMont, hätte die Berliner
       Zeitung nicht gerettet werden können. Sie hat massiv an Auflage verloren,
       mehr als 50 Prozent seit 1998, Online spielt sie kaum eine Rolle.
       
       Ist die Fusion nun, wie der Regierende Müller meint, ein Verlust von
       Vielfalt, oder wie DuMont meint, ein Gewinn?
       
       Klar ist, dass es die Berliner Zeitung, so wie sie bislang erschienen ist,
       nicht mehr geben wird. Wie soll ein verkleinertes Team, zusammengewürfelt
       aus Boulevard- und Qualitätsjournalisten parallel zwei weiterhin
       hochwertige Zeitungen machen? Noch dazu zwei, die ganz unterschiedliche
       Leser haben? Es ist kaum vorstellbar, dass dieser Anspruch aufrechterhalten
       werden kann. Wahrscheinlicher ist, dass die Profile der Zeitungen
       verwässert werden.
       
       Das ist ein Verlust für den Berliner Zeitungsmarkt, der noch vor gut zehn
       Jahren einer der dichtesten und umkämpftesten der Bundesrepublik war.
       Anfang der 2000er druckte die Frankfurter Allgemeine ihre Berliner Seiten.
       Holtzbrinck und Springer lieferten sich eine Bieterschlacht um die Berliner
       Zeitung.
       
       Und heute? Die Berliner Seiten der FAZ sind längst tot, Berliner Zeitung
       und Kurier werden eins, die Berliner Morgenpost verliert noch mehr Auflage
       als die Berliner Zeitung. Allein die taz und der Tagesspiegel verlieren
       „nur“ einstellig. Vielfalt sieht anders aus.
       
       29 Nov 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anne Fromm
       
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