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       # taz.de -- Nach der Wahl in Berlin: Lasset die Verhandlungen beginnen
       
       > Die Spitzen von Rot-Rot-Grün sind sich einig, sie wollen
       > Koalitionsgespräche aufnehmen. Ein Streitpunkt könnten die Finanzen
       > werden.
       
   IMG Bild: Berlins neue Gang? Michael Müller, Regierender Bürgermeister, inmitten seiner möglichen Koalitionspartner Klaus Lederer (Linke, rechts) und Daniel Wesener (Grüne)
       
       Berlin taz | Nach fast fünf Stunden interner Gespräche traten die
       Parteichefs von SPD, Linken und Grünen am Montagnachmittag aus dem
       Arbeitszimmer des Regierenden Bürgermeisters im Roten Rathaus. Drei Männer
       in schwarzen Jacketts, in der Mitte Michael Müller, gerahmt von Klaus
       Lederer (links) und Daniel Wesener (grün). Alle strahlten sie Zuversicht
       aus, Lederer gar grinste über beide Ohren. Müller sprach zuerst die
       entscheidenden Worte: „Es ist deutlich geworden, dass wir in
       Koalitionsverhandlungen etwas zu besprechen haben.“
       
       Die Sondierungsgespräche, die die SPD vergangene Woche mit allen
       demokratischen Parteien führte, sind mit diesem Dreiergipfel also zu Ende
       gegangen – mit dem allseits erwarteten Ergebnis. Schon nach den
       Einzelsondierungen der SPD, zuerst mit den Linken, dann mit den Grünen,
       schienen die Differenzen überschaubar, die Atmosphäre harmonisch. Das war
       auch diesmal nicht anders. R2G, wie die Koalition aus zweimal Rot und
       einmal Grün genannt wird, soll es also richten – so der Wille der
       Parteichefs und Verhandlungsführer.
       
       Der strahlende Lederer betonte, dass sie sich gemeinsam über die „Tragweite
       der Probleme der Stadt bewusst“ seien, Wesener sprach von „sehr guten
       Gesprächen“. In einem Nebensatz verwies er darauf, dass deutlich wurde,
       dass Rot-Rot schon einmal regierte – was er damit meinte, bleibt
       unausgesprochen. Um Posten oder etwaige Ressortverteilungen sei es in der
       Runde nicht gegangen, stattdessen um Inhalte. Wesener – fast noch im
       Wahlkampfmodus – betonte, was sie als Grüne ansprachen: Kohleausstieg,
       Bedarfsprüfung bei der Vergabe von Hort- und Kitaplätzen, Radverkehr, den
       ÖPNV.
       
       Und wo hakt es? Müller verwies auf bevorstehende „harte Gespräche über
       finanzpolitische Fragen“ – also die Aufteilung von Investitionen und
       Schuldentilgungen. Ist das Verhältnis bislang 50:50, drängen Linke und
       Grüne auf eine deutliche Verschiebung hin zu Investitionen. Müller wird
       sich wohl beugen, verwies auf die „Spielräume“, die es gebe, natürlich im
       Rahmen eines weiterhin ausgeglichenen Haushalts. Die Köpfe links und rechts
       nickten.
       
       Der Zeitplan für die Koalitionsgespräche ist ambitioniert. Noch diese Woche
       entscheiden der SPD-Landesvorstand (Donnerstag), der Landesausschuss der
       Grünen (Mittwoch) und ein Parteitag der Linken (Freitag) über die Aufnahme
       von Koalitionsverhandlungen. Bis zum 8. Dezember heißt es, will man sich
       geeinigt haben und den neuen Senat vom Abgeordnetenhaus wählen lassen.
       
       26 Sep 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Erik Peter
       
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