# taz.de -- Neue Zielgruppe für Wissenstransfer: Forschung mit Mehrwert
> Bisher wurden Forschungsergebnisse vor allem in der Wirtschaft genutzt.
> Der Transfer in Richtung Gesellschaft wurde vernachlässigt.
IMG Bild: Urban gardening im deutschen Pavillon auf der Expo 2015 in Mailand
Die Wissenschaft hat ihre Forschungsergebnisse in den letzten Jahrzehnten
vor allem in Richtung Wirtschaft transferiert, um dort für technische
Innovationen zu sorgen. An einem Transfer in Richtung Gesellschaft bestand
nur geringes Interesse, was sich aber nun zu ändern beginnt. In Berlin fand
in dieser Woche die erste wissenschaftliche [1][Konferenz über „Soziale
Innovationen“] statt, veranstaltet von der Technischen Univerdsität
Dortmund und dem Karlsruhe Institut für Technologie.
Innovationen für die Gesellschaft seien „keine Modeerscheinung“, sondern
markierten einen „Paradigmenwechsel im Innovationssystem“, betonte
Kongressorganisator Jürgen Howaldt von der Sozialforschungsstelle der TU
Dortmund.
In einer internationen Untersuchung über „soziale Innovationen als Treiber
für sozialen Wandel“ („SI-Drive“) wurden von den Wissenschaftlern 1.005
gesellschaftliche Neuerungen in den Bereichen Erziehung, Bildung, Energie,
Gesundheit und nachhaltiger Entwicklung indentifiert und analysiert. 46
Prozent der Projekte werden von zivilgesellschaftlichen
Nichtregierungs-Organisationen betrieben, 45 Prozent sind im öffentlichen
Sektor angesiedelt und bekommen Unterstützung aus Geldern öffentlicher
Einrichtungen.
„Es braucht engagierte Menschen, die sich für die Zukunft einsetzen“,
erklärte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka zur Eröffnung der Tagung.
Ihr Haus fördere die Entwicklung sozialer Innovationen durch mehrere
Programme. Auch das neue Förderkonzept „Innovative Hochschule“ wolle den
Transfer in die Gesellschaft stärken. Es gehe darum, ,,eine „neue Kultur
der Innovationsfreudigkeit“ enstehen zu lassen, so Wanka vollmundig, was
auch durch neue „innovationsorientierte Kommunikationsstrukturen“
unterstützt werden solle.
Die Ludwig Maximilian-Universität München hat innerhalb ihrer
Transferstelle den [2][„Arbeitsbereich Gesellschaftliche Innovationen“]
eingerichtet. „Wir wollen mit diesem neuen Schwerpunkt solche
Forschungsprojekte sichtbar machen, die einen gesellschaftlichen Mehrwert
haben“, erklärt Laura Janssen von der Transferstelle. Dabei werden vor
allem die Sozial- und Geisteswissenschaften in Blick genommen, die bisher
eine geringe Transferquote aufweisen.
## Das „Matching“ beginnt
Soeben wurde ein inneruniverunsitäres „Scouting“ abgeschlossen, bei dem
danach gesucht wurde, wo es Forschungen gibt, die eine Berührung mit den 18
„Grand Challenges“, den Weltentwicklungszielen der Vereinten Nationen für
2030, haben. Bei 206 Projekten in 71 LMU-Lehrtstühlen wurde man fündig.
„Jetzt beginnt der Matching-Prozesse mit den gesellschaftlichen Akteuren “,
an die die universitären Wissensangebote herangetragen werden, sagt
Janssen. Der erste Schwerpunkt liegt auf pädagogischen Projekten zur
Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie zur Forstwissenschaft.
Das eben erst im Mai gegründte [3][„Bonn LAB“,] ein sozialer
Mitmach-Treffpunkt im Stadtteil Beuel, wurde von Christoph Zacharias von
der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg vorgestellt. Angestossen von einer
Architekturstudentin, die ein leerstehendes Ladenlokal anmietete, sei diese
Innovation „autonom aus der Zivilgesellschaf entstanden“, so Zacharias. Das
Programm folgt dem Prinzip der „Agora“: regelmäßigen Veranstaltungen von
Engagierten zu unterschiedlichen Themen.
Der erste Effekt der Zusammenkünfte ist eine Vertrauensbildung. Bisher
sahen sich die Menschen im Kiez auf der Straße oder beim Bäcker, „aber sie
redeten kaum miteinander.“ Im Bonn-Lab werden diese Gespräche möglich,
„Nachbarschaft“ bekommt eine neue soziale Dimension. Die beliebtesten
Themenfelder sind Bildung und Integration, IT-Hilfe und soziale
Verantwortung von Unternehmen sowie Urban Gardening.
24 Sep 2016
## LINKS
DIR [1] http://www.sfs.tu-dortmund.de/cms/de/Aktuelles/160920_meldung_berlin_kongress_innovationen_fuer_die_gesellschaft/index.html
DIR [2] http://www.uni-muenchen.de/forschung/service/wiss_transfer/gesellschaftliche_innovationen/index.html
DIR [3] https://bonnlab.net/
## AUTOREN
DIR Manfred Ronzheimer
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