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       # taz.de -- Wahlplakate in Meck-Pomm: Rote Herzen statt brauner Hetze
       
       > Im Dorf Qualitz hängen an Laternenmasten bunte Basteleien. Die
       > BewohnerInnen wollten rechter Wahlwerbung keinen Platz lassen.
       
   IMG Bild: Gemeinden müssen Raum für Wahlplakate bereitstellen – außer, der Platz ist schon anders besetzt
       
       Berlin taz | Es gibt sie auch in Mecklenburg-Vorpommern: Menschen, die den
       ländlichen Raum nicht aufgegeben haben, die sich engagieren und ihren Teil
       tun, um den RechtspopulistInnen zu begegnen. Da ist zum Beispiel der
       [1][Verein Allerhand in Qualitz], einem 250-Seelen-Dorf auf halber Strecke
       zwischen Schwerin und Rostock. „Qualitz ist weit draußen, alle sind viel
       unterwegs, sagt die Bildhauerin Barbara Wetzel.
       
       „Wir wollen, dass sich die Menschen begegnen und mit unterschiedlichen
       Themen auseinandersetzen können.“ Allerhand mache mit seinen kulturellen
       und künstlerischen Angeboten „Graswurzelarbeit“ und versuche, Einfluss auf
       das Miteinander zu nehmen. „Wir wollen den ländlichen Raum zurückerobern.“
       
       Das kann man durchaus wörtlich verstehen: Seit Ende Juni zieren von Kindern
       gebastelte Kunstwerke in Qualitz Zäune, Bushaltestellen – und
       Laternenmasten. Statt auf Wahlplakate trifft man auf [2][rote Herzen und
       springende Pappkühe].
       
       „Die NPD hat hier auf dem Land so massiv geflaggt, dass es kaum auszuhalten
       war“, sagt Wetzel. Die Gemeinde sei verpflichtet, vorhandenen Platz für
       Wahlwerbung zur Verfügung zu stellen – „aber wenn der schon besetzt ist,
       geht das halt nicht“, sagt Wetzel lachend.
       
       ## Der Schelmenstreich
       
       Die Kunstwerke seien über das letzte Jahr hinweg entstanden. „Wir haben die
       Bürgermeisterin gefragt, ob wir für die Ausstellung bis Mitte September
       auch die Laternen nutzen dürfen. Sie war total erfreut über diesen
       Schelmenstreich“, sagt Wetzel. Zur Eröffnung seien sie dann mit 120 Leuten
       durch das Dorf gezogen.
       
       „Die Menschen genießen es, dass das Bild im Dorf von den Arbeiten der
       Kinder bestimmt ist“, sagt sie. Ein Mann habe ihr erzählt, er fühle sich
       normalerweise dann zu Hause, wenn er mit dem Auto in die Einfahrt seines
       Hofs fahre – nun sei das schon der Fall, sobald er ins Dorf hineinfahre.
       
       Wetzel freut sich, dass die NPD aus dem Landtag fliegt. „Aber dass wir
       jetzt diesen rechtspopulistischen Brocken am Hals haben, ist
       besorgniserregend.“ Im [3][Wahlbezirk Baumgarten 3], zu dem Qualitz gehört,
       hat die AfD 23,2 Prozent, die NPD 3,2 Prozent geholt.
       
       Als Misserfolg ihres Engagements will Wetzel die Ergebnisse der Rechten
       trotzdem nicht verstanden wissen: „Was wir hier machen, ist etwas sehr
       Stetiges, Langsames“, sagt sie. Denn leider gelte: „Wir sind hier im
       kulturellen Niemandsland.“
       
       6 Sep 2016
       
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   DIR Dinah Riese
       
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