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       # taz.de -- Proteste im Kongo: „Hör zu, Kabila, deine Zeit ist um“
       
       > Ein „Dialog“ im Kongo über die abgesagte Wahl hat nichts erbracht. Jetzt
       > rüsten Regierung und Opposition für eine Konfrontation.
       
   IMG Bild: Eine Million Menschen empfing Oppositionsführer Tshisekedi in Kinshasa am 27. Juli.
       
       Brüssel/Berlin taz | 80.000 Fußballfans drängten sich im zentralen
       Märtyrerstadion von Kinshasa, die Demokratische Republik Kongo spielte
       gegen die Zentralafrikanische Republik. Es war der 4. September. Plötzlich
       standen die meisten Zuschauer auf und sangen im Chor: „Kabila yebela!
       Mandat na yo esili!“
       
       Der Spruch „Hör zu, Kabila, deine Zeit ist um!“ ist Kongos neue
       Protestparole: Es geht darum, Präsident Kabila daran zu erinnern, dass
       seine zweite reguläre Amtszeit am 19. Dezember endet. Neuwahlen sind am 27.
       November fällig. Die Wahlkommission hat aber gesagt, die nötige
       Aktualisierung des Wahlregisters dauere bis Juli 2017.
       
       Der alte Oppositionsführer, Etienne Tshisekedi, der am 27. Juli nach zwei
       Jahren in Belgien unter dem Jubel von über einer Million Anhängern nach
       Kinshasa zurückkehrte, sucht nun das Kräftemessen. Er hat der Regierung ein
       Ultimatum gestellt, spätestens am 19. September die Neuwahlen auszurufen.
       Seine Anhänger mobilisieren für Massenproteste ab diesem Tag. Die Regierung
       rüstet ihre Sicherheitskräfte massiv auf.
       
       Um die Lage zu entschärfen, berief der von der Afrikanischen Union (AU)
       ernannte Vermittler Edem Kodjo einen von Kabila vorgeschlagenen „Nationalen
       Dialog“ ein. Er wurde am 1. September in Kinshasa unter Schutz der
       Präsidialgarde eröffnet. Die Regierung hat die Teilnehmer handverlesen,
       fast die gesamte Opposition boykottiert.
       
       Am 12. September zogen auch die wenigen teilnehmenden Oppositionellen aus
       dem Dialog aus: Die Regierung war bei ihrer Haltung geblieben, erst
       Kommunal- und Provinzwahlen abzuhalten und Präsidentschaftswahlen ganz am
       Schluss. Am Dienstag suchte Vermittler Kodjo nach einem Ausweg, um den
       Dialog am Leben zu erhalten – und damit zu verhindern, dass sich Kongos
       politische Konfrontation vollends auf die Straße verlagert.
       
       13 Sep 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR François Misser
   DIR Dominic Johnson
       
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