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       # taz.de -- Arbeitnehmerfeindlichkeit in der IT-Branche: Wie die Lemminge
       
       > Kommentar über die Rausschmisse beim Hamburger Computerspiel-Hersteller
       > Goodgame Studios.
       
   IMG Bild: Ebenso ohne Betriebsrat: Die Lemminge im gleichnamigen Computerspiel-Klassiker.
       
       Zugegeben: Auch ein gewerkschaftlich dominierter Betriebsrat ist kein
       Allheilmittel, um Umstrukturierungen oder Entlassungen gänzlich zu
       verhindern. In der kapitalistischen Marktwirtschaft herrscht nun mal die
       unternehmerische Freiheit – die Inhaber können bestimmen, ob ihre Firma
       Computerspiele entwickelt oder künftig Fischkonserven verpackt oder die
       Pforten ganz schließt. Die Hamburger Spiele-Firma [1][Goodgame ist jedoch
       ein Paradebeispiel, wie eine Belegschaft einer neuen Branche auf das
       „Wir-Gefühl“ reingefallen ist] und sich von den betrieblichen Kuriositäten
       blenden ließ.
       
       Sicher wissen auch die Firmen-Bosse, dass sie ihre Umstrukturierungspläne
       nach all den Jahren des unternehmerischen Höhenflugs – schon des Images
       wegen – nicht zum Nulltarif bekommen. Daher haben sie dem „Employee
       Committee“ Abfindungen und bei Kündigungen einen finanziellen Zuschuss für
       Transfermaßnahmen in Aussicht gestellt – aber alles unkonkret,
       unverbindlich und mit der Einschränkung, dass sie die Zahl der Kündigungen
       nach der Akzeptanz des „freiwilligen Abfindungsprogramms“ richte.
       
       Die Gewerkschaft Ver.di hat Ende vorigen Jahres zu Recht insistiert, dass
       auch in einem New-Economy-Unternehmen ein Betriebsrat gebraucht wird. Mit
       ihm müssen bei Massenentlassungen Interessenausgleichsverhandlungen geführt
       werden, notfalls in einer Einigungsstelle unter Vorsitz eines neutralen
       Schlichters, bevor es zum Abschluss eines Sozialplans mit verbindlichen
       Abfindungen kommt, die nicht individuell ausgepokert sind. Auch bei
       Kündigungen gibt es ein Mitbestimmungsrecht, gerade was die soziale Auswahl
       angeht.
       
       Man möchte es sich kaum ausmalen, was in diesen Tagen hinter der Fassade
       der Goodgame Studios los ist – aber die Mehrheit der Beschäftigten hat es
       so gewollt.
       
       22 Aug 2016
       
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   DIR Kai von Appen
       
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