# taz.de -- Forscher knacken Funkfernbedienung: Der Autoschlüssel als Diebstahlhelfer
> Die per Funk gesteuerten Schlüssel vieler Autohersteller haben offenbar
> Sicherheitslücken. VW sei besonders betroffen, berichtet ein
> Recherchenetzwerk.
IMG Bild: Rumstochern unnötig: Den Kofferraum bekommt man auch auf, indem man das Funksignal knackt
Hamburg afp | Forscher haben einem Bericht zufolge Sicherheitslücken bei
den per Funk funktionierenden Schlüsseln vieler Autohersteller ausgemacht.
Kriminelle könnten deren Verschlüsselung teils ganz einfach knacken und so
etwa Türen und Kofferraum öffnen oder die Alarmanlage deaktivieren.
Besonders betroffen sei Volkswagen, berichtete das Recherchenetzwerk von
NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung am Donnerstag.
Nach ersten Schätzungen könnten weltweit rund 100 Millionen Autos betroffen
sein, wie Forscher Timo Kasper dem Recherchenetzwerk sagte. Er und seine
Kollegen konnten die Funkfunktion zur Türöffnung bei 15 Marken überwinden,
darunter bei Modellen von Opel, Ford und Fiat.
Ein Autoschlüssel sendet auf Knopfdruck ein Signal an den Wagen. Dort wird
es entschlüsselt und der Befehl wird ausgeführt. Die Forscher fingen die
Funksignale ab und reproduzierten sie. Bei Volkswagen-Modellen genügte laut
Bericht ein einziger Mitschnitt des Signals; bei Modellen etwa von Opel,
Citroën, Fiat, Ford, Mitsubishi oder Nissan mussten die Forscher demnach
mindestens vier unterschiedliche Funksignale des Originalschlüssels
abfangen – die Hersteller nutzen alle einen Chip des niederländischen
Herstellers NXP mit derselben Verschlüsselungstechnik.
Bei Volkswagen gehe die Sicherheitslücke auf einen „Designfehler“ zurück,
berichtete das Recherchenetzwerk. Der Konzern habe in den vergangenen 21
Jahren nur etwa eine Handvoll unterschiedlicher Verschlüsselungen in die
Autoschlüssel einprogrammiert. Volkswagen erklärte gegenüber NDR, WDR und
SZ, die Untersuchungen zeigten, „dass die Sicherheitssysteme der bis zu 15
Jahre alten Fahrzeuge nicht das gleiche Sicherheitsniveau aufweisen wie
beispielsweise unsere aktuellen Fahrzeuge“.
## Beheben ist schwierig
Die Sicherheitslücke zu beheben ist schwierig, weil die Chips fest in den
Autoschlüsseln verbaut sind. Kasper rät Autobesitzern laut Bericht: „Sicher
lässt sich das Kopieren des Funksignals nur vermeiden, wenn man das Auto am
Türschloss mit dem Schlüssel aufschließt und auf die Funkfernbedienung
komplett verzichtet.“
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft erklärte umgehend,
für die Leistung der Versicherung mache es grundsätzlich keinen
Unterschied, wie schnell oder einfach ein Auto geknackt wurde. Wie oft bei
Autodiebstählen Funksignale manipuliert wurden, geht aus den Statistiken
der Versicherungswirtschaft demnach nicht hervor.
Im Jahr 2014 wurden laut Verband insgesamt 17.895 versicherte Pkw
gestohlen, rein rechnerisch passiert so ein Diebstahl also alle 30 Minuten.
11 Aug 2016
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