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       # taz.de -- Kleine Wortkunde „Clearnet“: Die biblische Einteilung des Internets
       
       > Das Clearnet soll der gute, helle Teil des WWW sein, so stellt sich die
       > Bundesregierung das vor. Sein Gegenspieler: das Darknet, ein virtuelles
       > Mordor.
       
   IMG Bild: Auch im Clearnet ist es manchmal ganz schön finster: Adolf-Hitler-Gruppe bei Facebook
       
       Nach „Schlandnet“ und „Neuland“ gibt es einen neuen linguistischen Vorstoß
       der Bundesregierung, uns das Internet zu erklären: Da sich der Amokläufer
       von München eine Waffe im sogenannten Darknet besorgt hatte, sprach das
       Innenministerium auf der Bundespressekonferenz nun im Gegensatz dazu vom
       CLEARNET, also dem sauberen, für alle sichtbaren Internet.
       
       Dazwischen befinden sich mit dem „Deep Web“ auch noch alle Webseiten, die
       nicht über Suchmaschinen zu finden sind. Damit ist die biblische Einteilung
       des Internets in eine Ober-, Unter- und Zwischenwelt komplett.
       
       Während der Begriff „Darknet“ schon seit rund 15 Jahren existiert, kursiert
       der Terminus „Clearnet“ (klares Netz) erst seit rund einem Jahr: „Clear“
       (klar, rein) geht auf das lateinische „clarus“ (klar, hell) zurück, „Net“
       (Netz) hat seinen Ursprung im indoeuropäischen „ned“ (etwas drehen,
       knoten).
       
       Das Internet ist furchtbar komplex, und wir alle wollen es gern
       vereinfachen. Am schönsten wäre, wenn Diercke endlich den ersten
       Internetatlas druckt. Dann könnten wir einfach nachschlagen, wo alle bösen
       und guten Territorien (und eventuelle Seeungeheuer) liegen. Alles fein
       säuberlich eingezeichnet.
       
       Es wird der Realität jedoch nicht gerecht, das Darknet zum virtuellen
       Mordor zu erklären, während es im Auenland des Clearnets ganz beschaulich
       zugeht, denn es gibt nicht „das“ Darknet. Darknets sind anonymisierte und
       kryptografisch verschlüsselte Netzwerke wie das Tor-Netzwerk, die zwar auch
       von Kriminellen missbraucht werden, aber nicht zuletzt Dissidenten und
       Whistleblowern Schutz bieten. Und dass es im Clearnet auch nicht immer
       legal zugeht, sollte ebenfalls klar sein.
       
       28 Jul 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Erik Wenk
       
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