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       # taz.de -- Der Säzzer über die Säzzer-Bemerkungen: Anarchie in eckigen Klammern
       
       > Georg Schmitz kommentierte in den frühen taz-Jahren AutorInnen-Texte mit
       > seinen Säzzer-Bemerkungen [Gut so! dS]. Hier beschrieb er, wie es dazu
       > kam.
       
   IMG Bild: Georg Schmitz, der Säzzer der ersten Stunden
       
       Dieser Text ist ursprünglich 2016 in der taz erschienen. Wir publizieren
       ihn erneut auf taz.de, um an unserer verstorbenen „Säzzer“ Georg Schmitz zu
       erinnern, der in diesem Text über seine Arbeit geschrieben hat. Einen
       ausführlichen Nachruf [1][finden Sie hier]. 
       
       ******
       
       Der Sommer ist eine gute Jahreszeit, um sich an alte Kulturtechniken zu
       erinnern. Früher war vieles anders – besonders in der taz. Wie eh und je
       erscheint diese Zeitung auf Papier, aber 1979 gab es noch kein Internet.
       Und früher gab es viele Kolleg*innen, die die schreibmaschinengeschriebenen
       Manuskripte in die Satzmaschinen tippten. 
       
       Dieser Berufsstand in der taz hieß: die Säzzer. Manche Leser*innen
       vermissen in den Texten der heutigen taz die Gründerzeitinstitution
       schlechthin: die Säzzer-Kommentare. Bemerkungen, entstanden aus der
       Grundidee einer als Kollektiv aufgestellten Zeitung, in der die Trennung
       von Kopf- und Handarbeit aufgehoben ist. In der also, so die damalige
       Grundhaltung, Redakteure und technische Mitarbeiter*innen
       gleichgestellt sind, es keine Hilfsarbeiterjobs gibt. 
       
       Im Folgenden lesen Sie einen Text unseres taz-Kollegen Georg Schmitz, der
       heute in der Abo-Abteilung wirkt, damals jedoch einer der Säzzer der taz
       war, die ihre Bemerkungen stets mit einem „d. Säzzer“ oder „dS“
       abzeichneten. (Die Redaktion) 
       
       Montagnachmittag, das Telefon klingelt: „Mein lieber Georg, ich habe ein
       Attentat auf dich vor“ – der Kollege Feddersen ist freundlich-bestimmt
       [Typisch für diesen Kollegen. d. Säzzer] und verlangt einen Text [Auch sehr
       typisch. dS] über die Säzzer-Bemerkungen in der taz. Ja, danke und
       halleluja, denke ich mir und überlege: Was tun? Vielleicht Kollegen aus der
       damaligen Zeit ausfindig machen und befragen? Ich bekomme spontan (wie eben
       früher die Säzzer-Bemerkungen das mal waren) eine Schreibblockade und
       beschließe, erst mal einen Tag abzuwarten – vielleicht ist der Anfall ja
       dann vorbei.
       
       Glanz und Elend der Säzzer-Bemerkungen – ja geht es noch? Geglänzt haben
       einige, elend fühlten sich etliche – besonders die Autoren, die ihren Text,
       ihren Kommentar oder ihr Interview „verstümmelt“ sahen. [War wohl damals
       doch nicht so viel her mit den edlen Ideen von der Gleichberechtigung im
       taz-Kollektiv. dS]
       
       Seltsamerweise waren es übrigens meistens die Autoren, sehr selten nur die
       Autorinnen, die sich über „entstellte Texte“ bitterböse beklagten – oft
       genug auf den Redaktionssitzungen am folgenden Tage – aber da war der Text
       meist schon im Blatt und damit das Müsli schon gegessen.
       
       Ich kann mich auch noch an die ein oder andere Redaktionssitzung in der
       Berliner Wattstraße, am damaligen Sitz der taz-Redaktion, erinnern, auf der
       überlegt wurde, die Bemerkungen in einem Text oder einer Ausgabe
       zahlenmäßig zu begrenzen oder gar ganz zu verbieten. [Typisch, diese
       Salonlinken, die immer alles gleich verbieten wollen, was ihnen nicht
       passt. dS]
       
       Aber – was verboten ist, das machte uns gerade scharf, und so ging es eine
       ganze Weile in den Anfängen der taz munter rauf und runter mit den
       Einfügungen in fremde Texte. [Gut so! dS] Das war ja auch ein ganz
       einfacher Ablauf damals: Man saß im Satzbüro der taz, hatte einen
       ellenlangen Text ins Satzsystem einzutippen, damit der dann als
       Fotosatzfahne wieder im Layout weiterverarbeitet werden konnte. Und die
       Augen lasen den Text, die Finger tippten ihn ab, und im Kopf dazwischen
       ging derweil die Assoziationspost ab und führte einen zu Kapriolen, um
       irgendwelche „Zwischenrufe“ loszuwerden.
       
       Da ist mir kein Text untergekommen, bei dem nicht irgendwelche Bilder in
       meinem Kopf aufgetaucht sind und wo erst mal munter getippt und gekichert
       wurde [Früher war eben doch manches besser, auch in der taz. dS] – wobei
       dann beim nochmaligen Lesen des Textes samt Bemerkung auch oft genug gesagt
       wurde: Nu is aber gut, verstehen werden nur wir das, und den Zusammenhang
       können wir aber keinem begreiflich machen.
       
       ## Der leise Niedergang der Säzzer-Kommentare
       
       Also wieder raus aus dem heiligen Text mit der Bemerkung in den
       einprägsamen eckigen Klammern. Das musste aber jede der Kolleginnen und
       Kollegen mit sich selbst abmachen. [Im Zweifel für die eckige Klammer. dS]
       Und auch oft genug hernach Spötteleien – oder Lob für besonders Knalliges –
       ertragen. [Lob in der taz? „Damals“ ist echt lange her. dS]
       
       Welche finsteren – oder lichten – Götter dazu führten, dass die
       Säzzer-Bemerkungen rar wurden, kann ich nicht mehr sagen. Ein Grund dafür
       war sicherlich die fortschreitende Technisierung – irgendwann in den frühen
       Neunzigern standen auf jedem Redaktionstisch Computer, an denen die
       Redakteur*innen selber ihre Texte ins Satzsystem eintippen konnten.
       
       Ganz fortschrittliche Autor*innen hatten zu Hause bereits einen Computer
       und kamen mit ihren Texten auf Disketten in der taz an, dann musste man
       diese nur noch ins damalige Satzsystem einlesen lassen. Dort noch
       Säzzer-Bemerkungen einzufügen, wäre wohl etwas überkandidelt gewesen.
       [Dabei hätte die Devise gelten müssen: Jetzt erst recht. dS]
       
       19 Feb 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Georg Schmitz
       
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