# taz.de -- Kommentar Beziehung zu Äthiopien: Partner mit blutigen Händen
> Auf Äthiopien, einen der am besten funktionierenden Staaten Afrikas, kann
> Europa strategisch setzen. Aber sollte es das auch tun?
IMG Bild: Modernisierung im Eiltempo: Äthopiens Wirtschaft geht es immer besser
Äthiopien sieht sich gern als das China Afrikas. Es blickt auf eine
jahrtausendealte imperiale Geschichte zurück, es schlug als einziges Land
Afrikas die europäischen Kolonisatoren militärisch zurück, es hält sich für
etwas Besonderes auf dem Kontinent und für eine Wiege der Zivilisation.
Vor allem hat die stolze Regierung aus ehemaligen Befreiungskämpfern, die
Äthiopien seit 1991 regiert, eindeutiger als jedes andere afrikanische Land
den chinesischen Weg eingeschlagen: rasante ökonomische Modernisierung,
aber keinerlei politischen Freiräume. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Es
vergeht kaum ein Jahr ohne zweistelliges Wirtschaftswachstum, das
mittlerweile knapp 100 Millionen Einwohner zählende Land ist im Begriff, in
aller Stille ein afrikanischer Riese zu werden.
Für die internationale Gemeinschaft ist das straff und effizient regierte
Äthiopien, strategisch in der Mitte zwischen dem Chaos von Somalia und
Südsudan gelegen und zuverlässiger als der noch repressivere nördliche
Nachbar Eritrea, der ideale Partner bei der Suche nach Stabilität – also
beim Zurückdrängen des islamistischen Terrors in Zusammenarbeit mit den
USA, beim Eindämmen von Flucht- und Wanderbewegungen in Kooperation mit der
EU, bei der Konfliktlösung in Afrika in seiner Rolle als Gastgeber des
Sitzes der Afrikanischen Union.
Es gibt gute Gründe dafür, in einer unruhigen Weltregion auf den am besten
funktionierenden Staat als strategischen Partner zu setzen. Aber [1][seit
die äthiopischen Sicherheitskräfte Demonstranten und Opposition mit
brutaler Gewalt zusammenschießen] und sich dabei offensichtlich nicht um
die Anzahl der dabei produzierten Leichen scheren, gibt es noch bessere
Gründe dafür, diese strategische Partnerschaft nicht sehenden Auges noch
weiter auszubauen. Ein Staat, der mit seiner eigenen Bevölkerung so umgeht,
produziert selbst mehr Flüchtlinge und Instabilität, als er verhindert.
10 Aug 2016
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## AUTOREN
DIR Dominic Johnson
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