# taz.de -- Polit-Aktivist Ruben Neugebauer: Überflieger mit Zwangspause
> Er machte Kampagnen mit dem Peng-Kollektiv und den Yes Men. Nun will
> Ruben Neugebauer für Sea-Watch übers Mittelmeer fliegen.
IMG Bild: Er wäre dann soweit: Ruben Neugebauer hat extra den Pilotenschein gemacht
Ruben Neugebauers Geschichte beginnt in Reutlingen, Baden-Württemberg. Sie
endet auf einem staubigen Flugplatz in Djerba, Tunesien – vorerst. Denn
wenn alles so läuft, wie sich der 26-Jährige das vorstellt, geht es von
dort bald weiter in den Luftraum über dem Mittelmeer.
Auch wenn er es von sich nicht gern hören dürfte: Der Fotograf und Aktivist
mit der verschmitzten Lache gehört zu den heimlichen Stars des deutschen
Bewegungsmilieus. Vor Jahren gründete er den „Polizeifanverein Knüppeldick
EFAU“, der sich die „erste manuelle DDoS-Attacke“ zuschreibt: Angesichts
der damals diskutierten Novellierung des Versammlungsgesetzes in
Baden-Württemberg ließ er jedes politische Frühstück mit Freunden von der
Versammlungsbehörde Tübingen per Formular genehmigen.
Jahre später, im April 2015, hatte Neugebauer die Idee zum Hashtag
#Schweigejauch. Harald Höppner, der Gründer der privaten Rettungsinitiative
Sea-Watch, die auf Spendenbasis mit Privatbooten Flüchtlinge im Mittelmeer
vor dem Ertrinken rettet, war in die Talkshow von Günther Jauch geladen
worden. Die Analyse: Klug wäre es, wenn man die vielen Besserwisser mal zum
Schweigen bringt. Also stellte sich Höppner vor das Millionenpublikum –
[1][und zwang Deutschland eine Schweigeminute für die Flüchtlingstoten
auf], über die anschließend die halbe Republik diskutierte.
Neugebauer, der auch schon für die taz fotografierte, kämpft immer wieder
an vorderster Front. Er wurde von türkischen Behörden festgenommen und
arbeitete an einflussreichen Kampagnen mit, etwa beim Zentrum für
Politische Schönheit, bei Greenpeace, dem Peng-Kollektiv oder den Yes Men.
Nun steht der Aktivist in Djerba und wartet auf Starterlaubnis für sein
neuestes Projekt. Es könne nicht sein, dachten sich Neugebauer und die
Sea-Watch-Crew, dass sie bei der Erhebung von Daten über Fluchtbewegungen
auf Militär und Polizei angewiesen sei. Daher kaufte die Gruppe ein
Leichtflugzeug für 42.000 Euro, Neugebauer machte den Flugschein
(„Irgendwer muss das Ding ja fliegen“).
Jetzt würde der Pilot gern starten – doch dafür fehlen Stempel der
tunesischen Behörden. Für den Überflieger Neugebauer dürfte es nur eine
kurze Pause sein.
26 Jul 2016
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## AUTOREN
DIR Martin Kaul
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