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       # taz.de -- Kommentar Wikileaks: Die großen Zeiten sind vorbei
       
       > Wikileaks’ unkuratierte Veröffentlichung von Daten gefährdet
       > Privatpersonen. Und die brisanten Leaks der letzten Jahre machten andere.
       
   IMG Bild: Was wurde nur aus seinem Projekt? Julian Assange als Videogast bei einer Journalistenkonferenz Anfang Juli in Chile
       
       Daten sind gefährlich. Das gilt nicht nur für Regierungen, sondern auch für
       Privatpersonen, zeigt ein Blick in die Türkei. Vor einer Woche
       veröffentlichte die Enthüllungsplattform Wikileaks mit großer Geste 300.000
       „Erdoğan-E-Mails“. Später stellte sich heraus, dass von Erdoğan selbst gar
       keine E-Mails dabei sind.
       
       Mehr noch: Die Publizistin Zeynep Tufekci [1][wies jetzt darauf hin], dass
       Wikileaks Links zu einer Datenbank mit – Stichproben zufolge aktuellen –
       Privatadressen fast aller erwachsenen Frauen in der Türkei verbreitete.
       Persönliche Daten von Millionen Privatpersonen im Netz: Was war noch gleich
       so großartig an diesem Leak?
       
       Auch in den USA wurden dieses Wochenende Dokumente veröffentlicht. 20.000
       E-Mails sollen zeigen, dass die Parteiführung der Demokraten schon seit
       Langem gegen Sanders intrigierte. Die Vorsitzende [2][trat daraufhin
       zurück].
       
       Im Vergleich zu früheren Wikileaks-Enthüllungen ist das eher ein
       machtpolitisches Detail – und erst recht im Vergleich zu den Türkinnen,
       deren Adressen nun anscheinend jeder leicht herausfinden kann. Angesichts
       der politischen Situation in der Türkei ist das mehr als besorgniserregend.
       
       Vor zehn Jahren war Wikileaks mit dem Ziel angetreten, unethisches
       Verhalten in Politik und Wirtschaft aufzudecken. Die Methode, unkuratiert
       Daten zur Verfügung zu stellen, wurde dabei immer wieder kritisiert, aber
       für die brisanten Informationen letztlich in Kauf genommen. Dokumente über
       die Kriege in Afghanistan und dem Irak waren dabei, die Guantánamo-Papiere
       ebenso.
       
       Das ist lange her. Die politisch wirklich brisanten Datenleaks der letzten
       Jahre kamen von Rechercheverbänden wie dem International Consortium of
       Investigative Journalists. Und: [3][Panama Papers], Luxemburg-Leaks und
       NSA-Papiere waren kuratiert.
       
       Parteiinterne Machtspielchen, durch leichtfertige Verlinkungen gefährdete
       Persönlichkeitsrechte – nach zehn Jahren scheint Wikileaks den
       ursprünglichen Anspruch aus den Augen verloren zu haben.
       
       26 Jul 2016
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://www.huffingtonpost.com/zeynep-tufekci/wikileaks-erdogan-emails_b_11158792.html
   DIR [2] /E-Mail-Affaere-bei-US-Demokraten/!5327638/
   DIR [3] /Internationales-Journalistenkonsortium/!5302570/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Katrin Gottschalk
       
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